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Ich stellte mein Unternehmen auf einen 5-Stunden-Arbeitstag um: Erst boomte das Geschäft, dann gingen wir fast bankrott

·Lesedauer: 5 Min.

Vor etwas mehr als fünf Jahren verkündete ich meinem engen Team von sieben Leuten, dass wir etwas Neues ausprobieren würden: den Fünf-Stunden-Arbeitstag. Sie begannen jeden Tag um 8 Uhr mit der Arbeit und beendeten sie um 13 Uhr – ohne Haken und ohne weitere Fragen.

Die anfängliche Überraschung verflog schnell und wir alle gewöhnten uns bald an das neue Modell. Unser Geschäft war so erfolgreich wie eh und je und doch leisteten meine Mitarbeiter weniger als zwei Drittel der Stunden, die sie vorher gearbeitet hatten. Für mich machte das absolut Sinn. Ich habe immer geglaubt, dass ein paar Stunden hoch konzentrierter Arbeit viel wertvoller sind als ein ganzer Tag ohne Ergebnisse.

Mein Unternehmen, Tower Paddle Boards, ist darauf spezialisiert, Menschen mit dem auszustatten, was sie für ein aktives, abenteuerliches Leben benötigen. Also ergab es Sinn, meinen Mitarbeitern zusätzliche Zeit zu geben, damit sie selbst aktiver sein konnten. Ich hatte außerdem ein System implementiert, das Anreize für die hohe Produktivität bot, die ich in meinem Unternehmen anstrebte – Fall abgeschlossen.

Das dachte ich zumindest. Auch ein Jahr nach der Umstellung lief alles reibungslos, aber die Menschen außerhalb meines Unternehmens schienen mit unserem Modell nicht einverstanden zu sein: Die Nachricht vom Fünf-Stunden-Tag provozierte alle möglichen Reaktionen, von Verwirrung über Skepsis bis hin zu offener Verachtung. Ich wurde rauf und runter belehrt, dass dieses Modell unmöglich auf Dauer funktionieren könne und dass die meisten Unternehmen unter diesen Bedingungen scheitern würden – um nur zwei der düsteren Vorhersagen zu nennen. Fünf Jahre später stellt sich nun die Frage: Wer hatte recht?

Wo wir uns geirrt haben

Um es gleich vorwegzunehmen: Wir waren gezwungen, den Fünf-Stunden-Tag knapp zwei Jahre nach seiner Einführung wieder aufzugeben. Unser Unternehmen war in eine schwierige Phase geraten, wir hatten eine unvorhersehbare Mitarbeiterfluktuation und ich war mir nicht mehr sicher, ob ich von der Idee überhaupt noch überzeugt war.

Ich hatte gedacht, das Modell würde die Mitarbeiterbindung fördern – und doch verließen gut eineinhalb Jahre nach Beginn der Umstellung drei Mitarbeiter aus unterschiedlichen Gründen das Unternehmen. Während ich anfangs einige positive Anzeichen sah, was die Produktivität anging, sank der Umsatz nach einem Jahr Fünf-Stunden-Arbeit zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens.

Ich behielt das Modell zunächst noch bei, aber nur für die Monate Juni bis September. Das schien ziemlich gut zu funktionieren: Tower befand sich immer noch in einer Umsatzflaute, aber meine Mitarbeiter waren mit dem Kompromiss zufrieden, den wir nun für den Sommer geschlossen hatten. Die komprimierten Sommerarbeitszeiten gaben auch mir selbst Zeit, an Möglichkeiten zu arbeiten, um das rückläufige Geschäft in einer turbulenten E-Commerce-Landschaft zu diversifizieren.

Dann hatten wir einen Fehler in der Buchhaltung, der uns ein Jahr mit schweren Verlusten bescherte. Gerade als wir das Licht am Ende des Tunnels sahen, schlug das Coronavirus zu. Unsere früheren Rückschläge bedeuteten, dass wir kurz vor dem Bankrott standen, denn in der Pandemie gingen unsere Umsätze erneut stark zurück. Wir hatten erst kurz zuvor in einen Veranstaltungsraum investiert – der nun keinen anderen Zweck mehr erfüllte, als uns Geld zu kosten.

Die Pandemie bedrohte nicht nur unser Modell der 25-Stunden-Woche, sondern die Existenz meines gesamten Unternehmens.

Die Zukunft des Fünf-Stunden-Tages bei Tower

In der ersten Hälfte des Jahres 2020 hing Tower voll in den Seilen, sodass die 25-Stunden-Woche zum ersten Mal komplett ausgesetzt wurde. Glücklicherweise wendete sich das Blatt im Sommer. Die Menschen nutzten das warme Wetter, um sozial distanziert Outdoor-Aktivitäten nachzugehen, und insbesondere unsere Diversifizierung in elektrische Fahrräder zahlte sich aus. Deren Popularität stieg letztes Jahr nämlich stark an.

Als sich unsere Bilanzen stabilisierten, kam ich auf meine neueste Anpassung des Fünf-Stunden-Tages: Ich koppelte ihn an die Leistung. Für jedes Jahr, in dem mein Team eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, werden die Monate August bis November auf den Fünf-Stunden-Plan gesetzt. Auf diese Weise gibt es immer wieder Leistungsanreize und mein Team wird immer wieder für die Fortschritte belohnt, die es gemacht hat.

In vielerlei Hinsicht hat das Fünf-Stunden-Modell Tower gerettet. Das mag seltsam klingen, wenn man bedenkt, dass wir die Idee, das ganze Jahr über so zu arbeiten, ad acta legen mussten. Aber die zusätzliche Zeit, die der verkürzte Zeitplan bot, ermöglichte es mir, das Unternehmen an Stellen zu erweitern, an denen ich es sonst vielleicht nicht getan hätte. Unsere Verkäufe von Elektrofahrrädern sind ein wichtiger Grund dafür, dass meine Firma bis heute profitabel ist. Wenn ich mich also 40 Stunden pro Woche und mehr nur auf Paddelboards konzentriert hätte – wer weiß, ob wir uns dann hätten über Wasser halten können.

Das Fünf-Stunden-Modell für andere Unternehmen

Keine zwei Unternehmen sind gleich und keine Arbeitseinteilung wird überall perfekt funktionieren. Der Fünf-Stunden-Tag mag bei Tower nicht von Anfang an perfekt gewesen sein, aber durch ständige Überprüfungen und Anpassungen hat er funktioniert. Vor allem aber stellte das Modell sicher, dass ich eines seiner grundlegenden Versprechen nicht brechen konnte: dass die Zufriedenheit und das Wohlbefinden meiner Mitarbeiter immer an erster Stelle stehen würden.

Acht Stunden, fünf Stunden, zwei Stunden, wie auch immer: Meine Entscheidung gründete allein auf meinem Team und darauf, was für meine eigene Produktivität am besten funktioniert. Ich hoffe und erwarte, dass sich unser Fünf-Stunden-Tag zusammen mit meinem Team weiterentwickelt – genauso wie ich hoffe, dass unsere Erfahrungen andere Unternehmen dazu inspirieren, noch ehrgeizigere Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens ihrer Mitarbeiter umzusetzen.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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