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Dieses Startup will euch dabei helfen, eure Mitarbeiter fair zu entlassen

Das Gründungsduo des Berliner Startups Twinwin: Eleni Arvaniti und Max Bauermeister.  - Copyright: Twinwin
Das Gründungsduo des Berliner Startups Twinwin: Eleni Arvaniti und Max Bauermeister. - Copyright: Twinwin

Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell: Twinwin hilft Unternehmen dabei, ihre Mitarbeiter loszuwerden. Die Aufgabe übernimmt der sogenannte Trennungsmanager, eine eigens entwickelte Software des HR- und Legaltech-Startups. Das Ziel des Gründerduos ist es, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich im guten Einvernehmen trennen.

Steht also eine Kündigung an, kommt der Trennungsmanager des Startups zum Einsatz. Konkret heißt das: Die Software erklärt dem Nutzer die nächsten Schritte einer Kündigung und beantwortet Fragen – etwa wenn es um die Formulierung zu Mitarbeiterzeugnissen oder schriftlichen Abmahnungen geht.

Die Software sagt den Chefs außerdem, wie sie sich bei dem Gespräch verhalten und welche Sätze sie vermeiden sollten. Das spielt eine besonders wichtige Rolle im Kündigungsprozess – bei Nichtbeachtung „riskiert man auf personeller Ebene größere Schäden“, so Mitgründerin Eleni Arvaniti im Gespräch mit Gründerszene. Sie hat Twinwin gemeinsam mit Max Bauermeister aufgebaut.

Es gibt viele Dinge, die in der Personalabteilung einfach schief gehen“

Ich habe oft erlebt, dass Unternehmen das Tabuthema Trennung meiden. Das führt zu Fehlern auf beiden Seiten und manchmal zu endlosen Rosenkriegs-ähnlichen Auseinandersetzungen“, so Arvaniti. Der Grund dafür: Eine Rechtsabteilung ohne soziale Kompetenzen und eine HR-Abteilung, der oft das notwendige juristische Know-how fehle. „Es gibt viele Dinge, die in der Personalabteilung einfach schiefgehen“, sagt Bauermeister und verweist auf alltägliche Erfahrungen im HR-Bereich: „Jeder, der schon mal ein Rechtsproblem gegoogelt hat, weiß: Manchmal findet man nach eineinhalb Stunden drei verschiedene Meinungen und ist nur wenig schlauer.“ Keine ideale Lösung, finden die beiden.

Nun will das Gründerduo mit seinem Legaltech Startup rechtliche Unsicherheiten aus dem Weg räumen, indem sie die beiden Abteilungen besser miteinander verknüpfen. Genügend Erfahrungen in den Bereichen bringen die zwei Gründer mit. Wirtschaftspsychologe Bauermeister war am Aufbau des Insurtechs Wefox und der HR-Software Kenjo beteiligt. Mitgründerin Arvaniti hat als Rechtsanwältin für die Beratungsgesellschaft PWC gearbeitet und zuletzt die Personal- und Rechtsabteilung für den Berliner Coworking-Space Factory geleitet. Arvaniti habe im Laufe ihres Berufslebens oft Kündigungen miterlebt und selbst ausgesprochen, begleitet von zahlreichen wiederkehrenden Fragen, sagt sie.

„Wir wollen den Markt wachrütteln“

So kam ihnen die Idee für Twinwin. Nach zahlreichen Lockdown-Spaziergängen gründeten Bauermeister und Arvaniti im Corona-Sommer 2020 das Startup. Im selben Jahr schloss das Gründerduo eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 285.000 Euro ab. Eingestiegen sind der ehemalige Wefox-CPO Florian Eismann, Ex-Microsoft-Manager Charlie Songhurst, der Frühphasen-VC Tiny, die Gründer des Legaltech-Startups Rightnow und Hometogo-Gründer Patrick Andrä.

Pro automatisierter Trennungs-Analyse verlangt Twinwin eine Gebühr. Firmen können aber auch ein Flatrate-Abo zu 95 Euro im Monat einrichten, die alltägliche Rückfragen zu HR- und Arbeitsrechts-Themen abdeckt. Eigenen Angaben zufolge zählt das Startup rund 20 Kunden, darunter das Fintech Moss und Hometogo. Bis Ende des Jahres solle die Kundenanzahl auf 100 wachsenso Bauermeister.

Mit seinem Namen Twinwin bezieht sich das Startup auf das Winwin Prinzip – sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sollen im Guten auseinandergehen, „man sieht sich ja immer zweimal im Leben“, erklärt Bauermeister. „Früher war ein Arbeitnehmer jahrelang bei dem gleichen Arbeitgeber, das ist heute anders“ – und macht auf die große Mitarbeiterfluktuation heutzutage aufmerksam.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Mai 2021 und hat besonders viele Leserinnen und Leser interessiert.