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Dieses Startup verkauft euch Anteile an Immobilien – und das schon ab 100 Euro

·Lesedauer: 5 Min.
Das Brickwise-Team Marco Neumayer, Klaus Pateter, Michael Murg und Valentin Perkonigg (v.l.) will Anfang 2022 auch in den deutschen Immobilienmarkt einsteigen.
Das Brickwise-Team Marco Neumayer, Klaus Pateter, Michael Murg und Valentin Perkonigg (v.l.) will Anfang 2022 auch in den deutschen Immobilienmarkt einsteigen.

Eigentlich ist es nicht neu: Das eigene Geld in Immobilien investieren – das ist heutzutage auch mit wenig Startkapital machbar. Es gibt Fonds, Anleihen und ETFs und dazu kommen Crowdinvesting-Startups wie Rendity in Österreich oder Exporo in Deutschland. Diese Jungunternehmen lassen Kleinanleger ab 500 Euro bei Gebäudeprojekten teilnehmen. Wer bei ihnen investiert, leiht sein Kapital und bekommt im Gegenzug Ausschüttungen aus Zinsen oder Mieteinnahmen.

Das neue österreichische Startup Brickwise baut allerdings auf ein gänzlich anderes Konzept: Kleinanleger werden hier quasi zu Teilbesitzern von Immobilien. Brickwise dividiert dafür Wohnungen in viele kleine, digitale Anteile, die alle einzeln auf der eigenen Handelsplattform zum Verkauf stehen. Je nach Wert der Liegenschaft kann man so ab 100 Euro ein Stück der ganzen Immobilie besitzen. Dieser Anteil mag dann letzten Endes so groß wie ein Backstein sein, gehört aber dem Geldgeber allein und er kann den Anteil auch handhaben wie ein Eigentümer.

Jahrelang am Konzept gefeilt

"Wir haben mehr als zwei Jahre allein an dieser Strukturierung gearbeitet, um für unsere Anleger möglichst die gleichen Rechte wie für traditionelle Immobilieneigentümer sicherzustellen", sagt Brickwise-CEO und Gründer Michael Murg im Gespräch mit Gründerszene. Seit der Gründung im Jahr 2019 beschäftigte sich der österreichische Finanzwissenschaftler gemeinsam mit seinem Team an der Realisierung des digitalen Besitzes in seinem Heimatland.

Mit Erfolg: Wirtschaftlich gesehen sind Anleger bei Brickwise Immobilieneigentümern gleichgestellt. Sprich, wer ein Stück einer Wohnung bei Brickwise kauft, hat ein Recht auf seinen Anteil der Mieteinnahmen und profitiert zu 100 Prozent an der Wertentwicklung der Immobilie. Zudem erhält der Besitzer auch Mitspracherecht in der Hausverwaltung. Gewinnt oder verliert die Wohnung an Wert, steigt oder sinkt ebenso der Wert des eigenen Anteils.

Dahinter steckt eine Blockchain-Technologie, die bei Brickwise wie ein digitales Grundbuch fungiert. Jedes Stückchen Wohnung wird digital auf der Blockchain abgebildet – es wird also fälschungssicher „tokenisiert“. Ähnlich wie bei Aktien oder Anleihen wird durch diese digitale Verknüpfung aus dem Wohnungsstück ein Wertpapier. Dieses Wertpapier ist mit Anspruch auf Auszahlung verbunden und bekommt eine eigene gültige Wertpapieridentifikationsnummer. Zusätzlich ist jeder noch so kleine Anteil grundbürgerlich abgesichert und steht somit im Grundbuch.

Immobilienkauf so einfach wie Online-Shopping

„Für die Nutzer unserer Plattform soll die Erfahrung nach außen hin so einfach sein wie Online-Shopping", sagt Murg, der auch Leiter eines Fachhochschul-Instituts für Bank- und Versicherungswirtschaft in Österreich ist. "Bei uns muss der Kunde nicht aus der Finanzbranche kommen, ein Studium hinter sich oder viel Geld auf dem Konto haben“, sagt der 38-Jährige. „Denn wir wollen ein Immobilien-Marktplatz für jedermann und für jederfrau sein. Die Blockchain-Technologie hinter unserer Plattform kann man, muss man aber nicht im Detail verstehen."

Er möchte mit Brickwise die großen Einstiegshürden für den Immobilienbesitz eliminieren: Fehlendes Know-how, hohe Transaktionskosten und die hohe Summe an erforderlichem Startkapital. „Selbst wer sich eine ganze Wohnung leisten kann und sie als Geldanlage nutzt, hat immer ein Klumpenrisiko: Wenn sich die Immobilie schlecht entwickelt oder es einen Mietausfall gibt, hat das bei so einer hohen Investitionssumme gleich gravierende Auswirkungen“, sagt Murg.

Die Risiken bei Brickwise sind analog zum direkten Immobilienmarkt: Zahlt ein Mieter mal nicht, bleibt auch die Mietausschüttung aus. Verliert die Immobilie an Wert, sinkt auch der Wert des eigenen Anteils. Der Vorteil der kleinen Anteile, ähnlich wie bei Rendity und Exporo: Statt viel Kapital in ein Objekt zu investieren, kann man sich in verschiedene Immobilien einkaufen. Das Portfolio ist dadurch breiter gestreut und das Risiko diversifiziert.

„Keine hohen Renditeversprechen“

Ein Investmentlimit gibt es nicht: Auch wer 100 Prozent einer Immobilie besitzen will, kann das bei Brickwise. „Der neue Besitzer könnte dann selbstverständlich auch die Immobilie von der Plattform nehmen“, sagt Murg. Andere Immobilieninvestitionen würden ihren Anlegern laut Murg keine solchen Rechte zugestehen. „Aber bei uns ist das Ziel ja auch ein anderes: Wir möchten nichts hebeln, wir wollen nichts finanzieren, wir wollen auch keine hohen Renditen versprechen. Wir wollen Immobilieneigentum möglich machen – ohne die ganzen damit verbundenen Komplikationen und auf viel greifbarer Ebene“, sagt der Gründer. Schaut man auf die Demografie der Brickwise-Nutzer, scheint Murg und seinem Team eine breite Kunden-Akzeptanz gelungen zu sein: "Vom Studenten bis zur 65-jährigen Pensionistin ist bei uns alles dabei", sagt der CEO.

Brickwise befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase und ist auf Österreich beschränkt. Zwei Immobilien stehen Anlegern dort zum Kauf zur Verfügung. Drei Wochen nach dem Start waren knapp 600 Kunden registriert. Laut Murg warten bei Brickwise Immobilien im Wert von insgesamt zehn Millionen Euro in der Pipeline, die nach dem offiziellen Start am 7. Dezember jederzeit gelistet werden können. „Wir werden sie natürlich nicht alle an Tag eins verfügbar machen. Da müssen wir uns herantasten, je nachdem, wie es mit Angebot und Nachfrage steht“, sagt er.

Expansion nach Deutschland

Um den Markteintritt zu finanzieren, haben Investoren gerade 3,1 Millionen Euro in der Seed-Runde bereitgestellt. Angeführt hat die Runde der Münchner Frühphasen-VC Yabeo, der etwa bei Clark und der Solarisbank finanziert ist. Außerdem sind zwei unbekannte deutsche Family Offices und kleine österreichische Beteiligungsfirmen eingestiegen.

Brickwise plant auch die Expansion nach Deutschland – voraussichtlich Anfang nächsten Jahres. Vielleicht kann man also bald in Berlin, wo die durchschnittliche 30-Quadratmeterwohnung über 180.000 Euro kostet, ein Stück Betongold vom Prenzlauer Berg sein Eigen nennen.

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