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Staatsanwaltschaft ermittelt nach IT-Problemen bei Aida Cruises

Kapalschinski, Christoph
·Lesedauer: 3 Min.

Die Kreuzfahrtreederei könnte Opfer eines Hackerangriffs geworden sein. Nun muss das Unternehmen seine Silvesterreisen rund um die Kanaren absagen.

In Zusammenhang mit den IT-Problemen wird auch über einen möglichen Hackerangriff spekuliert. Foto: dpa
In Zusammenhang mit den IT-Problemen wird auch über einen möglichen Hackerangriff spekuliert. Foto: dpa

Erneut ist ein prominentes Unternehmen möglicherweise Opfer eines Hackerangriffs geworden: Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises hat wegen IT-Problemen Silvesterkreuzfahrten rund um die Kanaren abgesagt – einem der letzten verbliebenen Reiseziele in der Corona-Pandemie.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft hat am Dienstag die Ermittlungen übernommen. Mehrere Spezialisten des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern unterstützen das Unternehmen bereits bei der Suche nach der Quelle der Probleme, teilte die Behörde mit.

Bislang sei noch nicht sicher, dass es sich um eine Hacker-Attacke handle, sagte der Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, Harald Nowack, am Dienstag auf Anfrage. Aida Cruises habe sich mit der Bitte um Hilfe an das Landeskriminalamt gewandt. „Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen“, sagte Nowack. Derzeit finde sich das Ermittlerteam per Telefonkonferenzen zusammen – überwiegend Quereinsteiger aus IT-Berufen. „Wir wissen noch nicht, wo das Problem liegt“, sagte der Sprecher.

Ein Sprecher von Aida Cruises sagte auf Anfrage: „Die IT-technischen Einschränkungen, insbesondere in der Kommunikation mit unseren Gästen, dauern an.“ Das Unternehmen sei per Telefon oder E-Mail nicht zu erreichen. Die begonnenen Reisen der Schiffe „AidaPerla“ und „AidaMar“ seien regulär beendet worden, die neuen Reisen wurden jedoch nicht angetreten.

Begonnen hätten die IT-Störungen auf der „AidaMar“, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Vorgänge an Bord, die normalerweise mit einer Chipkarte erfolgen, mussten demnach per Hand geschehen. Laut Berichten hat die Reederei auch geprüft, ob Störsender Probleme verursacht haben könnten.

Im März hatte Aida Cruises wie alle Firmen der Branche wegen der Corona-Pandemie die Reisen eingestellt. Mitte Oktober startete dann das erste Schiff zu einer Italien-Rundfahrt. Doch schon im November musste die Saison wegen der stark gestiegenen Infektionszahlen in Europa wieder abgebrochen werden.

Die bisherigen Umsatzausfälle durch die Corona-Pandemie lägen im Bereich von rund 1,5 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen Anfang Dezember mit. Aida gehört zum US-Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation und betreibt 14 Schiffe, die unter italienischer Flagge fahren.

Seit Anfang Dezember fahren zwei Aida-Schiffe um die Kanaren. Mit im Buchungspaket enthalten sind ein kostenloser Coronatest vor der Abfahrt sowie weitere Testmöglichkeiten auf den Schiffen. Die Inzidenz ist auf den Inseln vergleichsweise niedrig, allerdings sind sie inzwischen wieder als Risikogebiet eingestuft. Daher warnt das Auswärtige Amt vor nicht notwendigen Reisen dorthin.

Serie von Angriffen

Schwere technische Probleme beschäftigen derzeit auch die Funke-Mediengruppe. Dort waren am vergangenen Dienstag Hacker in die IT-Systeme eingedrungen, hatten diese verschlüsselt und damit unbrauchbar gemacht. Einige Ausgaben der Zeitungen sowie der Schwesterblätter konnten seitdem nur in deutlich eingeschränktem Umfang erscheinen.

Derzeit informiert Anrufer nur eine Computerstimme darüber, dass Lokalteile entfallen und Zeitungen nicht nachgeliefert werden können. Laut Medienberichten soll bereits eine Lösegeldforderung eingegangen sein.

2017 hatten Hacker über eine Woche lang den Dax-Konzern Beiersdorf weitgehend lahmgelegt. Auch die Hamburger hatten sich damals an die Staatsanwaltschaft gewandt und die Kooperation mit den Ermittlern gelobt. Trotzdem schlug sich der Vorfall mit 35 Millionen Euro Umsatzausfall oder -verzögerung in der Bilanz nieder. Unter anderem ruhte die Produktion in einigen Werken, Lieferungen verspäteten sich.

Als Täter für solche Attacken gelten häufig Hacker aus Osteuropa. Sie programmieren gezielt Erpressersoftware, die Systeme lahmlegt oder sensible Daten stiehlt. Die Kriminellen verlangen Lösegeld – entweder um die Systeme freizugeben oder die Daten nicht zu veröffentlichen. Dabei sollen sie so organisiert vorgehen, dass sie sogar ihre Software per Umsatzbeteiligung an andere Erpresser weitergeben.

In einer Welle zu Jahresbeginn waren auch Mittelständler wie der Werkzeuganbieter Einhell und der Autozulieferer Gedia betroffen.

Mit Agenturmaterial.