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Wie ein Sprint-Idol zur Hassfigur wurde

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Wie ein Sprint-Idol zur Hassfigur wurde
Wie ein Sprint-Idol zur Hassfigur wurde

Es gibt jene Sportler und Sportlerinnen, für die das Aufhören nichts zu sein scheint - egal, ob sie dafür Bewunderung ernten oder schiefe Blicke.

Noriaki Kasai, der mit bald 50 nicht das Skispringen lassen will, ist ein Beispiel, Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ein anderes. Über allen thronte einst Merlene Ottey, die heute 61 Jahre alt wird - und vor nicht allzu langer Zeit noch von WM-Teilnahmen träumte.

Ottey, eine der Top-Sprinterinnen der achtziger und neunziger Jahre, die einen ihrer größten Karriere-Momente vor einem jubelnden Publikum in Deutschland erlebt hatte, verblüffte viele mit ihrem Beharrungsvermögen, machte sich aber auch Feinde - zumal Otteys langlebige Karriere am Ende auch von trüben Schatten begleitet war.

Merlene Ottey 1993 als Weltmeisterin in Stuttgart gefeiert

Schon 1980 in Moskau war Ottey auf Weltklasseniveau, wurde Olympiadritte und lief die 100 m knapp über 11 Sekunden. 20 Jahre später hatte in der Welt sich viel verändert, eines nicht: Merlene Ottey wurde 2000 in Sydney Olympiadritte und lief knapp unter elf Sekunden.

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Deutschen Sportfans blieb Ottey vor allem auch als Rivalin von Kathrin Krabbe, der 1992 über eine Doping-Affäre gestolperten Welt-Leichtathletin - und als 200-m-Weltmeisterin in Stuttgart 1993: Die deutschen Zuschauer feierten Ottey, die zuvor einen Ruf als "ewige Zweite" und tragische Heldin hatte, mit Standing Ovations.

Ottey geriet 1999 dann jedoch selbst ins Doping-Zwielicht: Im Jahr vor Sydney wurde bei einem Test die Substanz Nandrolon entdeckt, sie kassierte eine zweijährige Sperre, verpasste die WM.

Otteys spätes Bronze 2000 war keine Heldinnen-Story

Das gestolperte Idol bestritt jedes Fehlverhalten, klagte auf ihre Teilnahme in Sydney, und bekam Recht, als das IOC angesichts des schwelendes Streits mit dem Ausschluss des gesamten Teams drohte.

Ottey - die auch Silber mit der Staffel gewann - sorgte damals für schwere Verwerfungen, große Teile des jamaikanischen Olympiateams protestierten gegen ihre Berufung, es gab gegen sie sogar eine Demo im olympischen Dorf.

Die Geschichte von Otteys 100-Meter-Bronze war dann auch nicht direkt eine Heldinnenstück: Im eigentlichen Rennen wurde sie nur Vierte, profitierte erst nachträglich vom Doping-Beben um Siegerin Marion Jones, der ihr Gold aberkannt wurde. Die zweitplatzierte Griechin Ekaterini Thanou (die offiziell auf Silber blieb) stand dann selbst 2004 in Athen im Zentrum eines ähnlich spektakulären Skandals.

Erst 2014 war endgültig Schluss

Ottey behielt die auf vielen Ebenen bezeichnende Episode als Geschichte einer persönlichen Verletzung in Erinnerung: "Man wollte mich zu Hause aus dem Sport drängen", sagte Ottey, die sich von ihrer Heimat abwandte und in ihrer letzten Karriere-Phase für Slowenien startete.

Bis über ihr 50. Lebensjahr hinaus hoffte Ottey noch auf einen letzten Coup, nahm an der Quali für Olympia 2012 in London teil und setzte sich dann die WM 2013 zum Ziel - ehe dann doch die Kehrtwende kam.

Eines Tages im Februar 2014, erzählte sie dem Tagesspiegel, dachte sie beim Training plötzlich, "was mache ich hier bloß?" Sie habe die Spikes aus- und nie wieder angezogen, sei seitdem nicht einmal mehr joggen gewesen.

Merlene Ottey lebt heute in der Schweiz.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)

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