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„Sprachlos und dankbar“ – so reagieren Cannabis-Gründer auf die bevorstehende Legalisierung

·Lesedauer: 4 Min.
Finn Hänsel, Julia Wilde und Niklas Kouparanis (von links): Was eine Legalisierung für sie bedeutet
Finn Hänsel, Julia Wilde und Niklas Kouparanis (von links): Was eine Legalisierung für sie bedeutet

Die Ampelparteien wollen den Verkauf von Cannabis zu Genusszwecken legalisieren – das berichteten mehrere Medien übereinstimmend am vergangenen Donnerstagabend. Demnach schreibt die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege in ihrem Abschlusspapier für die Koalititionsverhandlungen, dass eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene in lizensierten Geschäften geplant sei. Offiziell kommentieren die beteiligten Politiker dies noch nicht: Angesprochen auf die Berichte über eine Cannabis-Legalisierung, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock: „Nichts ist geeint, bevor nicht alles geeint ist.“

Doch dass die Legalisierung kommt, gilt als wahrscheinlich. Alle drei Parteien hatten sich bereits in ihren Wahlprogrammen dafür ausgesprochen, einen regulierten Verkauf von Cannabis für alle zu erlauben. Bislang ist der Handel in Cannabis in Deutschland nur für medizinische Zwecke erlaubt. Der Cannabis-Wirkstoff CBD, der anders als THC nicht berauschend wirkt, ist zwar in bestimmten Formen erlaubt, doch die Regeln sind kompliziert und werden regional unterschiedlich gehandhabt. In der Vergangenheit wurden Cannabis-Unternehmer zudem immer wieder strafrechtlich verfolgt.

Die Aussicht auf eine Legalisierung stieß deshalb bei vielen Gründerinnen und Gründern aus diesem Bereich auf große Freude. Was eine möglicher Gesetzesentwurf für sie bedeutet und was sie sich von der Politik noch wünschen, hat Gründerszene zusammengetragen.

Noch offene Fragen: Importe oder eigener Anbau?

Seit er 18 sei, also seit 20 Jahren schon, setze er sich für einen liberalere Haltung zu Cannabis ein, schrieb der Sanity-Group-Chef Finn Hänsel in einem emotionalen Linkedinpost am gestrigen Abend. Er sei „sprachlos und dankbar“ über diese Entscheidung, so Hänsel. Auch andere Cannabis-Gründer reagierten ähnlich euphorisch. „Ich bin sehr zufrieden – vor einem Jahr haben wir davon nur geträumt. Dass es jetzt so schnell kommen kann, ist unglaublich!“, sagt Lars Müller, CEO der Cannabis-Holding Synbiotic.

Der ehemalige Mitgründer von Farmako, Niklas Kouparanis, der vor kurzem bei der Cannabisfirma seiner Schwester Anna mit einstieg, reagiert da etwas zurückhaltender. Noch seien viele Fragen offen, sagt er. „Wie wird Produktverfügbarkeit gewährleistet? Sind Importe erlaubt oder bauen wir auf eigenen Anbau?“ Aus dem medizinischen Markt habe man gelernt, dass regulierter Eigenanbau zu starken Verzögerungen führen könne.

Er erhofft sich von den Koalitionären nun eine klare Gesetzeslage und Regulatorik, um so Versorgungssicherheit herzustellen. Die Situation in Kanada habe gezeigt, „dass Legalisierung ohne belastbare Vertriebsstrukturen, angemessene Preise und Qualität Konsumenten weiterhin auf den Schwarzmarkt drängt, anstatt ihn auszutrocknen.“ Laut Angaben der kanadischen Regierung erwarben 2019, also ein Jahr nach der Legalisierung, mehr als die Hälfte aller Kanadier (52 Prozent) zumindest einen Teil ihres Cannabis von legalen Stellen. Zuvor waren es 22 Prozent gewesen. Dennoch – 42 Prozent kauften ihr Gras 2019 noch immer auf dem Schwarzmarkt.

Julia Wilde, Teil der Familie der Otto-Wilde-Gründer und Gründerin der CBD-Kosmetikfirma J’tanicals, wünscht sich ebenfalls klare Richtlinien für alle Beteiligten. „Die unklare Rechtslage, wie es sie viel zu lange im CBD-Markt gegeben hat, dürfen im THC-Markt nicht aufkommen.“ Von einer neuen Gesetzgebung erhofft sie sich auch einen positiven Effekt für ihr eigenes Geschäft: „Ich wünsche mir, dass die Legalisierung von THC-haltigen Produkten dazu führt, dass CBD-Hautpflegeprodukte endlich beworben werden dürfen und die Zahlungsabwicklung einfacher wird. Ich befürchte jedoch, dass die Regierung nicht auf die amerikanischen Konzerne wie Facebook dahingehend einwirken kann und sich deshalb für uns nicht viel ändern wird.“ In der Vergangenheit wurde Wilde so wie vielen anderen CBD-Unternehmern etwa die Instagramseite gesperrt. Auch große Zahlungsanbieter wie Paypal verweigern häufig die Zusammenarbeit mit Firmen, die CBD-Produkte anbieten.

Die meisten Cannabis-Gründer wollen ihr Geschäftsmodell anpassen

Beflügelt von einer möglichen Legalisierung wollen die meisten Hanfunternehmer, mit denen Gründerszene gesprochen hat, in das Geschäft mit dem Freizeit-Cannabis einsteigen. Die hessische Firma Cansativa etwa vertreibt bislang Medizinalcannabis, also Gras auf Rezept. Das wolle man auch weiterhin tun, so die beiden Gründer Benedikt und Jakob Sons. Parallel wollen die beiden ihr Geschäftsmodell erweitern, um so auch die Endverbraucher mit Cannabis als Genussmittel zu versorgen. Davon erhoffen sich ein extremes Umsatzwachstum: Schon heute generiere die Firma einen achtstelligen Jahresumsatz, so die Gründer – und das bei einem streng regulierten Medizinalcannabis-Markt, der nur etwa 12,5 bis 15 Tonnen umfasse.

Auch die Bloomwell Group der Kouparanis-Geschwister will Niklas Kouparanis zufolge schnell in den Markt mit Freizeit-Cannabis expandieren. Man sei bestens aufgestellt, „um auch in einem Recreational Markt eine führende Rolle einzunehmen“, so der 32-Jährige. Lars Müller von Synbiotic kündigt ebenfalls an, im kommenden Jahr mit einer entsprechenden Marke für den Freizeitgebrauch an den Start zu gehen. Die börsennotierte Synbiotic ist bislang vor allem durch Zukäufe gewachsen. Dieses Modell scheint Müller auch für den Fall einer THC-Legalisierung zu verfolgen. Man befinde sich „in vielen Gesprächen mit weiteren, sehr starken Playern am Markt, welche sich uns anschließen wollen“, so Müller.

Julia Wilde wiederum setzt auf eine stärkere Zielgruppenorientierung. „Die weibliche Cannabis-Konsumentin wünscht sich andere Produkte und auch andere Produktaufmachungen als Männer. Frauen konsumieren zum Beispiel in der Regel eher Produkte mit niedrigem THC- und hohem CBD-Gehalt, außerdem rauchen Frauen seltener, als Männer.“ Sie finde deshalb Cannabis-Brands, die sich an Frauen richten, besonders spannend.

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