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Spitzenplatz Robotik: Fanucs japanische Mensch-Maschine

Das Unternehmen setzt nicht auf Industrieroboter, sondern auf smarte KI-Systeme statt. Im Innovationsranking verhilft das zu einem rasanten Aufstieg.


Innovationen – sie sind schon immer entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens gewesen. Welche Unternehmen besonders relevante Innovationen hervorbringen, lässt sich in der Datenbank der Firma Patentsight ablesen.

Auf Basis dieser Daten hat das Schweizer Beratungsunternehmen Econsight für das Handelsblatt eine Rangliste jener 100 Unternehmen erstellt, die auf dem derzeit wirtschaftlich wichtigsten Innovationsfeld führend sind: an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien.

Sieger in der Sonderauswertung Robotik: der japanische Roboterspezialist Fanuc.


Die Zukunft von Fanuc trägt Grün. Traditionelle Produktionsautomaten des größten japanischen Industrieroboterherstellers sind in knalligem Gelb lackiert. Doch Fanucs Messestände werden zusehends um eine neue, in Neongrün gehaltene Robotergeneration bereichert. Sie ist darauf spezialisiert, mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Diese kollaborativen Roboter stehen für Fanucs neuen Fokus auf smarte Systeme für vernetzte Fabriken, die Daten mit Künstlicher Intelligenz (KI) analysieren und so die Fertigung automatisch immer effizienter machen sollen. Im Innovationsranking von Patentsight haben diese Innovationen ihren Schöpfern zu einem steilen Aufstieg verholfen. Seit 2015 kletterte Fanuc vom 61. auf den 19. Platz. Damit heimst das Unternehmen den Titel des innovativsten Unternehmens im Bereich Robotik ein. Das Urteil der Patentexperten: „Fanuc ist ein interessantes Unternehmen, das an der richtigen Schnittstelle aktiv ist.

Während sich andere Unternehmen der industriellen Robotik auf Teilbereiche spezialisieren, deckt Fanuc die ganze Breite vom Arm, Greifer und Servo über Mensch-Maschine-Interaktionstechnologien, Steuerungssoftware und Sensorik bis zu Simulation, Fehlerdiagnose und Selbstwartung ab. Auffällig ist die Aktivität im Bereich der KI, die im Zusammenhang mit kompletten Roboterfabriken eine wesentliche Rolle spielt.

Schon früh sicherte sich Fanuc dazu die Dienste von Japans prominentestem KI-Start-up Preferred Networks, an dem auch der Autobauer Toyota beteiligt ist.

Die Gründer des Start-ups haben es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur eigene Produkte, sondern durch intensive Kooperationen auch die Maschinen anderer Hersteller mit KI zu beseelen. Die ersten gemeinsamen Erfolge mit Fanuc sind vorbeugende Wartung von Werkzeugmaschinen und die Produktkontrolle durch die Geräte selbst. Die Maschinen sollen Alarm schlagen, wenn bei ihnen eine Komponente zu verschleißen droht oder das von ihnen hergestellte Teil Mängel aufweist.


Gleichzeitig sei sich das Unternehmen sehr über das wachsende Gewicht von Daten und die Veränderungen durch die neuen 5G-Datennetze im Klaren, meint Graeme McDonald, Analyst bei Citigroup Global Markets Japan. „Und sie sind offener für eine Zusammenarbeit mit externen Partnern.“ Dahinter steht eine Erkenntnis: Mit einem Umsatz von etwa vier Milliarden US-Dollar ist Fanuc allein zu klein, um in der vernetzten Welt neuen Herausforderern wie Amazon oder Alphabet Paroli zu bieten.

Im Zuge seiner neuen Partnerstrategie unterstützte Fanuc zunächst die offene Plattform Field. Im September kündigte der Konzern dann an, gemeinsam mit Fujitsu und NTT Communications einen Cloud-Dienst für Werkzeugmaschinen zu entwickeln. Das Trio will die sogenannte „Digital Utility Cloud“ sogar zum neuen Standard in der Industrie machen.

„Ob die Allianz allerdings eine bedeutende Wirkung haben wird, ist derzeit noch schwer zu beurteilen“, meint Analyst McDonald. „Diese Partnerschaft mag in Japan helfen, aber wie sie im Ausland angewendet werden soll, ist mir noch nicht klar.“

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