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So spendet Deutschland: Reiche geben am meisten, doch gemessen am Einkommen sind ärmere Menschen oft viel großzügiger

Mitarbeiter der Hamburger Tafel sortieren im Einkaufszentrum Europa Passage gespendete Lebensmittel. Die Spendenaktion für die Hamburger Tafel in drei Einkaufszentren, Spenden werden in der Europa Passage, im Alstertal-Einkaufszentrum und im Elbe-Einkaufszentrum gesammelt. - Copyright: Picture Alliance
Mitarbeiter der Hamburger Tafel sortieren im Einkaufszentrum Europa Passage gespendete Lebensmittel. Die Spendenaktion für die Hamburger Tafel in drei Einkaufszentren, Spenden werden in der Europa Passage, im Alstertal-Einkaufszentrum und im Elbe-Einkaufszentrum gesammelt. - Copyright: Picture Alliance

Ob Katastrophen wie der Ukraine-Krieg oder die Ahrtal-Flut, ob für Bedürftige im Alltag oder für Spendenaufrufe in der Vorweihnachtszeit: Die Deutschen sind spendenfreudig. Jedenfalls insgesamt. Denn bei der Großzügigkeit und Barmherzigkeit gibt es erhebliche Unterschiede. So spendet fast die Hälfte regelmäßig, ein Viertel aber gar nicht. Einen tiefen Blick in die Spendenlandschaft hat nun das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geworfen - mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen.

Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist auf hohem Niveau stabil. Im Jahr 2019, auf das sich die Daten beziehen, wurden rund 10,3 Milliarden Euro gespendet. Bei der vorigen Erhebung 2017 waren es 9,7 Milliarden Euro. Allerdings wurden nun erstmals auch Hochvermögende einbezogen. Ohne diesen Effekt wurde 2019 etwas weniger gespendet als 2017. Für die Ukraine spendeten die Deutschen in diesem Jahr sogar so viel wie nie zuvor. Betrachtet man die Inflation war allerdings das Spendenaufkommen für die Opfer des Tsunamis 2004 noch höher.

Grafik-Diagramm Nr. 104941, Querformat 90 x 85 mm,
Grafik-Diagramm Nr. 104941, Querformat 90 x 85 mm,

Das meiste Geld spenden in Deutschland die Reichen. Die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte bringen allein 37 Prozent des gesamten Spendenaufkommens aus. Auch der Anteil derjenigen, die überhaupt spenden, steigt mit dem Einkommen. Vom unteren Zehntel der Einkommensskala spenden nur 30 Prozent überhaupt. Im obersten Zehntel spenden mehr als 80 Prozent. Wenig überraschend steigt auch die Höhe der Spenden mit dem Einkommen von 150 Euro auf 1250 Euro.

Auf der anderen Seite sind Menschen mit geringeren Einkommen - wenn sie denn spenden - großzügiger. Sie geben dann einen deutlich größeren Teil ihrer verfügbaren Einkommen. Bei den oberen zehn Prozent der Einkommensskala liegt dieser Wert bei 0,9 Prozent. Im einkommensschwächsten Zentel ist er mit 1,9 Prozent gut doppelt so hoch.

 - Copyright: DIW
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Das DIW führte seine Befragung bisher viermal durch, 2009, 2014, 2017 und 2019. Ein Viertel der Befragten hat in keinem dieser Jahre gespendet. 46 Prozent in drei oder vier Jahren. Wer häufiger spendet, gibt mit durchschnittlich mit 525 Euro im Jahr auch mehr. Wer nur in einem der vier Jahre spendete, gab im Mittel nur 132 Euro.

Auffällig ist auch, dass der Anteil der Menschen, die pro Jahr bis zu 50 Euro spenden, stetig abnimmt, steigt er bei den höheren Spenden über 100 Euro und auch über 500 Euro deutlich an.

Frauen spenden häufiger als Männer. Ihre Spendenquote liegt mit 45 Prozent um vier Punkte höher. Andererseits spenden Männer, wenn sie denn spenden, mit 416 Euro im Mittel höhere Beträge als Frauen mit 286 Euro. Das DIW verweist auf andere Studien, nach denen Frauen beim Spenden Fairness besonders wichtig ist, Männer dagegen mehr Wert auf Prestige und Effizienz legen.

Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Spenden

Bei den Persönlichkeitsmerkmalen zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit von Menschen und ihrer Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement und zum Spenden. Die Kausalität könne aber in beide Richtungen bestehen. "Zufriedene Menschen spenden nicht nur häufiger, sondern Spenden können sich auch positiv auf die Zufriedenheit auswirken", schreibt das DIW. "Personen, die sich wöchentlich oder zumindest einmal im Monat freiwillig gesellschaftlich engagieren, spenden mit über 60 Prozent weit häufiger als der Durchschnitt".

In den ostdeutschen Bundesländern spenden Menschen - mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommers - deutlich weniger als im Westen. Die Spendenquote liegt bei nur 36 Prozent. Die Spendenhöhe ist im Osten fast 150 Euro niedriger. Das DIW führt das vor allem auf die geringere Bedeutung der Kirchen im Osten zurück. Denn Menschen, die sich selbst als religiös bezeichnen, spenden wesentlich mehr als jene, die keiner Kirche oder Konfession angehören. Signifikant ist auch, dass Deutsche mehr spenden Ausländer, die in Deutschland leben.

 - Copyright: DIW
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Das DIW verbindet die Ergebnisse der Studie mit der Forderung, die Spendenbereitschaft besser zu fördern und dabei vor allem die Bezieher geringerer Einkommen besserzustellen. Spenden sind unter bestimmten Voraussetzungen von der Einkommensteuer absetzbar. Der Steuervorteil ist damit umso höher, je höher auch das Einkommen und damit der Grenzsteuersatz ist. Eine Spende von 100 Euro werde bei einem Einkommen von 60.000 Euro und einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent entsprechend mit 42 Euro gefördert. Wer ebenfalls 100 Euro spendet, aber nur 11.000 Euro versteuert werde bei einem Grenzsteuersatz von 15 Prozent nur um 15 Euro entlastet.

Das DIW empfiehlt, dass der Staat jeden Spendenbetrag unabhängig vom Einkommen mit dem gleichen Prozentsatz fördert. Dies könnte zum Beispiel in Höhe des Spitzensteuersatzes von 42 Prozent sei. Wer dann 100 Euro spendet, könnte 42 Euro von seiner Steuerschuld abziehen. Ein ähnliches Verfahren gebe es bereits bei Parteispenden. Dies könnte die Spendenbereitschaft in der breiten Bevölkerung erhöhen.

Unter Spenden versteht das DIW "das Geben von Geld für soziale, kirchliche, kulturelle, gemeinnützige und wohltätige Zwecke, ohne dass man dafür eine Gegenleistung erhält." Nicht betrachtet werden Sachspenden und ehrenamtliche Arbeit. Ausführliche Daten der Untersuchung und mehr Hinweise zur Methodik findet ihr hier.

Video: G20-Gipfel: Sorge vor weltweiter Rezession, Inflation und Hungersnöten