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Sparneigung schickt Konsumklima noch weiter in den Keller

Nürnberg (dpa) - Eine sprunghaft gestiegene Neigung zum Sparen lässt das Konsumklima in Deutschland auf ein Rekordtief sinken. Das hat das Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK in seiner neuen Konsumstudie ermittelt.

«Der sprunghafte Anstieg der Sparneigung in diesem Monat lässt das Konsumklima seine steile Talfahrt fortsetzen. Es erreicht zum wiederholten Male ein neues Rekordtief», sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

«Die Furcht vor deutlich höheren Energiekosten in den kommenden Monaten zwingt viele Haushalte zur Vorsorge und dazu, Geld für zukünftige Energierechnungen auf die Seite zu legen. Dies belastet das Konsumklima weiter, da im Gegenzug weniger finanzielle Mittel für den übrigen Konsum zur Verfügung stehen», sagte Bürkl. «Wenn die Haushalte deutlich mehr für Energie und Lebensmittel zu bezahlen haben, fehlen ihnen die finanzielle Mittel für andere Anschaffungen.»

Rezessionsgefahr für Verbraucher hoch

Er befürchte, dass sich die Problematik in den nächsten Monaten noch verschärfen könnte, sollte nicht ausreichend Brennstoff zur Verfügung stehen. Das würde die Preise weiter nach oben treiben, die Heizkostenabrechnungen fielen dann noch höher aus. Hinzu komme, dass in den Betrieben Produktionseinschränkungen zu befürchten seien. Die Rezessionsgefahr bleibe aus Sicht der Verbraucher hoch. Auch der Wegfall des Neun-Euro-Tickets und das Ende der Spritpreis-Steuersenkung werde dem Preisauftrieb weiter Vorschub leisten.

Für eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas sei es notwendig, die Inflation zu bekämpfen, wofür vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer weniger expansiven Geldpolitik gefordert sei. Zum anderen müsse der Ukraine-Konflikt gelöst werden - die Hauptursache für die explosionsartig gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise.

Die GfK befragt im Auftrag der EU-Kommission jeden Monat 2000 Menschen zu ihrer Situation hinsichtlich ihrer gesamten privaten Konsumausgaben.

Mehrheit muss sich einschränken

Auch in einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) gab ein Fünftel (19 Prozent) der mehr als 1300 Befragten an, sich aufgrund der zuletzt stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel bei sonstigen Ausgaben «sehr einschränken» zu müssen. Weitere 53 Prozent antworteten, sie müssten sich «etwas einschränken».

Beim Einkaufen achtet die große Mehrheit der Befragten der am Freitag veröffentlichten Erhebung zufolge auf den Preis und kauft nur was sie wirklich braucht. Über die Ergebnisse der Umfrage hatten zuvor die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichtet.

Insgesamt ist die hohe Teuerung der Umfrage zufolge derzeit die größte Sorge der Menschen in Deutschland. 85 Prozent wählten die Inflation aus einer Liste von Themen bei der Antwort auf die Frage, welches Problem ihnen momentan Sorgen bereite. 78 Prozent machen sich demnach sehr große oder große Sorgen über die künftige Versorgung mit Energie und Strom, jeweils 77 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Wirtschaftslage sowie eine Ausweitung des Ukraine-Kriegs.

Die allgemeine Teuerungsrate in Deutschland hält sich seit Monaten hartnäckig über der Marke von sieben Prozent, auch wenn es zuletzt dank staatlicher Entlastungen etwas Entspannung gab. Im Herbst könnte die Inflation bereits wieder steigen. Im Juli 2022 lagen die Verbraucherpreise in Deutschland offiziellen Zahlen zufolge um 7,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.