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Softbank versechsfacht seinen Reingewinn

Kölling, Martin
·Lesedauer: 5 Min.

Der weltgrößte Technikinvestor legt seine defensive Krisenstrategie endgültig ab. Gründer Masayoshi Son kündigt zehn bis 20 Börsengänge pro Jahr an.

Dank der Kursjagd an den Weltbörsen hat die japanische Softbank-Gruppe ihren Reingewinn versechsfacht. Zwischen April bis Dezember erzielte der größte Technikinvestor der Welt einen Jahresüberschuss von 3055 Milliarden Yen (24 Milliarden Euro).

Damit hat sich Softbank nach gescheiterten Investitionen und dem Corona-Crash vorerst aus der Krise befreit. Softbank-Gründer und CEO Masayoshi Son versprach seinen Anlegern, nun „in die Erntephase“ seiner hohen Investitionen zu kommen.

Zugleich sieht Son „noch Raum für Wachstum“. Das soll vor allem aus Börsengängen von den über 140 Mega-Start-ups kommen, in die Softbank mit Partnern oder allein investiert hat. Er stelle sich einen Rhythmus von zehn bis 20 Erstnotierungen vor, erklärte Son.

Denn er sieht hinsichtlich der Gewinne noch Luft nach oben: „Das ist noch kein befriedigendes Niveau“, sagte der Gründer auf einer Pressekonferenz in Tokio.

Die aggressive Ansage unterscheidet sich radikal von Sons Auftritten zu Beginn vorigen Jahres. Der Absturz seiner großen Wette auf den globalen Bürovermittler WeWork und Probleme beim kalifornischen Fahrvermittler Uber hatten Softbank schon vor der Coronakrise in die Verlustzone gerissen. Seine Geldgeber für den ersten 100 Milliarden Dollar schweren Softbank Vision Fund kritisierten ihn hart, und Interessenten für die zweite Fondsauflage sprangen ab.

Aktiencrash riss Softbank tief hinab

Der Aktiencrash zu Beginn der Pandemie riss dann auch Softbank tief hinab. Die Gruppe schloss 2020 ihr bis April laufendes Bilanzjahr wegen hoher Buchverluste auf ihre Anteilsbesitze mit einem Reinverlust von 962 Milliarden Yen (7,6 Milliarden Euro) ab.

Son verkaufte Aktien im Wert von mehr als 40 Milliarden US-Dollar, um mit dem Erlös sein Unternehmen und den kollabierenden Aktienkurs durch Aktien- und Schuldenrückkäufe zu stützen.

Als sich die Börsen drehten, nutzte er hingegen einen Teil der Einnahmen, um auch ohne Partner in seinen Softbank Vision Fund 2 zu investieren. Das Tempo steht dabei dem ersten Fonds wenig nach.

Seit dessen Gründung hatte Softbank sich in 92 Mega-Start-ups eingekauft, darunter so bekannte Namen wie Slack oder den amerikanischen Essensauslieferer Doordash, dessen Börsengang den Wert von Softbanks Aktienanteil jüngst um das 13-Fache erhöhte. Der Softbank Vision Fund 2 hat bereits in 28 reife Start-ups investiert und elf weitere im Auge, deren Börsengang in den kommenden Jahren möglich ist.

Auch aus dem zweiten Fonds gibt es bereits erfolgreiche Börsengänge, allen voran den chinesischen Online-Hausmakler Beike, der stark auf virtuelle Realität und Künstliche Intelligenz beim Immobiliengeschäft setzt. Der Wert von Softbanks Investment stieg seit dem Einstieg im November 2019 um mehr als das Fünffache auf 6,6 Milliarden Dollar.

Noch ist nicht klar, ob Son mit diesen Erfolgen wieder mehr Investoren anziehen kann, die in seine Vision von der Internetrevolution „made by Softbank“ investieren.

Denn die Quartalsbilanz ist kein voller Erfolg, wie etwa Kirk Boodry, Analyst der Redex Research, anmerkt. „Das Asset-Management-Geschäft, das die Erlöse aus dem Verkauf von Vermögenswerten verwaltet, verzeichnete mit Verlusten in Höhe von fast drei Milliarden Dollar aus dem Derivatehandel weniger beeindruckende Ergebnisse“, sagt er.

„Die Gans, die goldene Eier legt“

Dieser Dämpfer für die Gewinne könnte Investoren enttäuschen, so Boodry: „Investoren, die die Aktie vor dem Bericht nach Börsenschluss auf ein neues 21-Jahres-Hoch trieben, waren wohl auf der Suche nach mehr.“ Aber Son ließ sich von dem Makel in seiner Bilanz nicht beeindrucken.

Vielmehr beschrieb er seinen Konzern als eine andere Art des Finanzinvestors: eine Gans, die goldene Eier, sprich erfolgreiche Börsengänge und Verkäufe, in Serie produziert.

In den 20 Jahren bis zur Gründung des Softbank Vision Funds gingen bereits 19 der Softbankinvestitionen an die Börse. Seit 2017 brachte Softbank derweil 23 Unternehmen an die Börsen oder verkaufte seine Anteile.

Nicht einmal die Probleme seines größten Investments, der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba, sah Son als negativ. Die chinesischen Behörden hatten voriges Jahr den Börsengang von Alibabas Finanztochter Ant kurzfristig abgesagt.

Son betonte allerdings Alibabas gute Geschäftsentwicklung und begrüßte eine stärkere Regulierung von Ant und Co.: „Chinas Internetunternehmen konnten bisher fast alles machen, was sie wollten.“ Aber der Schutz der Bürger sei notwendig, damit die Geschäfte weiter wachsen könnten.

Für Son ist die Offensive das logische Ergebnis eines radikalen Strategiewechsels. Jahrzehntelang mischte er Investitionen und reale Geschäfte. Doch seitdem er 2016 den saudischen Pensionsfonds und andere Partner, darunter auch Apple und den taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn, für seinen ersten Vision Fund begeistern konnte, hat er Softbank konsequent zu einem Finanzinvestor umgebaut.

Son hat aus WeWork-Desaster gelernt

Andere Geschäfte wie das heimische Mobilnetz Softbank wurden entweder an die Börse gebracht oder werden verkauft. Der bekannteste Deal ist dabei der Verkauf des britischen Chipdesigners ARM an den Chiphersteller Nvidia, der derzeit weltweit von Kartellbehörden geprüft wird. Aber Softbank verhandle auch über eine Trennung von seiner Solarsparte, sagte Son.

Gleichzeitig hat Son aus seinem WeWork-Desaster gelernt und will fortan nur noch in Firmen investieren, die deutlich Künstliche Intelligenz (KI) für ihre Geschäfte nutzen.

Ungeachtet eines möglichen Börsencrashs verkauft er seine Strategie als langfristig zukunftssicher. „Wenn die Aktienkurse abstürzen sollten, sorge ich mich nicht allzu sehr“, behauptete Son. Denn KI-Aktien hätten ihre Spitze noch nicht erreicht. „Die KI-Revolution hat erst begonnen.“

Mehr: Ant verhandelt mit chinesischen Regulierern – und nimmt neuen Anlauf für den IPO.