Deutsche Märkte geschlossen

So läuft der Neustart in den Freizeitparks weltweit

Von Disneyland bis zum Europapark öffnen die Parks ihre Tore nach der Zwangspause. Besucher müssen sich gewaltig umstellen – und brauchen mancherorts Geduld.

Zwei Monate später als geplant starteten am Wochenende viele Freizeitparks in Deutschland. Foto: dpa

So viel Platz war nie zwischen den Karussells und Achterbahnen im Legoland Deutschland. Nur ein Viertel der sonst üblichen Besucherzahl ist momentan in dem auf Kinder spezialisierten Freizeitpark im bayerischen Günzburg erlaubt. Zum Auftakt am vergangenen Samstag erreichte der Park diese Höchstgrenze noch nicht einmal. Trotzdem zogen die Betreiber ein positives Fazit und sprachen von einem „gelungenen Saisonstart“.

So wie im Legoland sind die Freizeitparks weltweit heilfroh, dass sie überhaupt wieder Tickets verkaufen dürfen. Monatelang waren die Tore wegen der Corona-Pandemie zu. Rund um die Erde läuft der Betrieb in diesen Tagen nun in vielen Parks wieder an. So unbeschwert wie früher ist ein Besuch aber nirgendwo, auch nicht in Günzburg.

Masken sind in Wartebereichen, in Innenräumen und Fahrgeschäften Pflicht, Eintrittskarten lassen sich nur im Voraus lösen, und im Feriendorf steht lediglich ein Drittel der Schlafmöglichkeiten zur Verfügung.

„Mit etwa 600 Mitarbeitern betreiben wir derzeit gut drei Viertel des Angebots unseres Parks. Wir hoffen sehr, dass wir dieses sukzessive erweitern können, um somit auch Schritt für Schritt unsere Mitarbeiter wieder aus der Kurzarbeit zurückholen zu können“, sagte Manuela Stone, Geschäftsführerin des Legolands Deutschland.

Corona hat die Freizeitparks rund um den Globus schwer getroffen. In einigen normalerweise ganzjährig geöffneten Parks tut sich schon seit mehreren Monaten nichts mehr. So etwa im Disneyland in Hongkong, das wegen der Seuche bereits Ende Januar schließen musste.

Der Park steht besonders unter Druck, weil auch in den Monaten zuvor wegen der Proteste in der Metropole kaum noch Touristen kamen. Die Zahlen sind tiefrot. Die Parks in Europa hingegen mussten die Winterpause um mehrere Wochen verlängern. Die meisten Betreiber wollten Ende März die Saison beginnen. Nun wurde es Ende Mai.

Disney ist besonders vorsichtig

Der amerikanische Unterhaltungskonzern Disney hat die Mehrzahl seiner Parks weltweit im März geschlossen, unter anderem in Florida, Paris und Kalifornien. Es war erst das dritte Mal, dass Disneyland in der kalifornischen Heimat des Konzerns wegen außergewöhnlicher Ereignisse nicht öffnen konnte. Seit dem Start vor 65 Jahren war das lediglich nach der Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy im Jahr 1963 der Fall sowie nach den Terroranschlägen vom September 2001.

Das Disneyland in Schanghai ist bereits seit Mitte Mai als erster großer Park weltweit wieder zugänglich. Dort seien momentan etwa 20.000 Besucher am Tag zugelassen, ein Viertel der früher üblichen Gästezahl, teilte das Unternehmen mit.

Disney ist dabei besonders vorsichtig. Der Konzern kündigte an, seine Resorts in Florida erst Mitte Juli wieder hochzufahren. „Disney öffnet ein wenig später als andere, und mit weniger Leuten in den Parks, aber das ist Absicht“, sagte Vorstandschef Bob Chapek vergangene Woche.

Disney gehe bewusst kleine Schritte. Die Parks Magic Kingdom und Animal Kingdom in Orlando starten am 11. Juli, Epcot und die Hollywood Studios am 15. Juli. Die berühmten Paraden fallen allerdings erst einmal aus und auch alle anderen Veranstaltungen.

Als erster bekannter Freizeitpark in Florida, dem unbestrittenen Zentrum der Branche, öffnete am Montag das Legoland in Winter Haven. Besucher berichteten, dass sie trotz einer vergleichsweise geringen Auslastung zum Teil lange an den Attraktionen warten mussten. Das Personal habe die Fahrgeschäfte nur dünn besetzt, um die Gäste auf Abstand zu halten, und immer wieder gereinigt. Spielgelegenheiten mit Lego-Klötzen seien geschlossen gewesen.

In den Universal Studios in Orlando ging es an diesem Freitag wieder los, Sea World will in der darauffolgenden Woche den Neustart wagen. Florida hat eine ganz besondere Bedeutung für die Industrie: Nirgendwo strömen so viele Besucher in Freizeitparks wie in Orlando, im Jahr 2018 waren es 75 Millionen. Das entspricht der Hälfte aller Gäste in dem US-Bundesstaat. Insgesamt erwirtschaften Freizeitparks in Amerika im Jahr gut 19 Milliarden Dollar Umsatz.

Auch in Europa sind Freizeitparks ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftszweig. Dem Branchenverband IAAPA zufolge verkaufen die Parkbetreiber auf dem Kontinent normalerweise jedes Jahr mehr als 150 Millionen Tickets. Die mehr als 300 Parks bieten über 50.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften rund fünf Milliarden Euro.

Die größten Freizeitparks der Erde finden sich indes in Amerika und Asien. Branchenprimus ist seit Jahren das Magic Kingdom von Disney in Florida mit jährlich mehr als 20 Millionen zahlenden Gästen. Zum Vergleich: Der deutsche Branchenführer Europapark kam zuletzt auf 5,7 Millionen Besucher und ist damit die Nummer 20 weltweit. Der besucherstärkste Park in Europa ist das Disneyland bei Paris.

Temporäre Parks aus der Not heraus

Im Europapark im badischen Rust läuft das Geschäft mit deutlich reduzierten Gästezahlen seit dem vergangenen Wochenende, ebenso im Phantasialand in Brühl. Andere große europäische Parks starten in den nächsten Tagen, etwa das Legoland in Billund oder die Tivoli Gardens in Kopenhagen.

Einige der größten und bekanntesten europäischen Freizeitparks sind indes nach wie vor im Winterschlaf. Das Disneyland in Paris hat noch kein Datum für den Neustart genannt; auch Portaventura bei Barcelona oder das Legoland in Windsor bleiben erst einmal dicht.

Anderswo entstehen derweil ganz neue Freizeitparks – aus der Not heraus. Weil die traditionelle Kirmes dieses Jahr ausfallen muss, dürfen sich die Düsseldorfer auf einen Kurzzeit-Freizeitpark freuen. Auf dem Messegelände bauen Schausteller Ende Juni ihre Fahrgeschäfte für vier Wochen auf. Wildwasserbahn, Achterbahn, Riesenrad und Imbissbuden sollen die Menschen anlocken.

Ein Volksfestersatz ist das nicht, denn die Besucher müssen vorab Tickets erwerben, es gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht, und Bierzelte wird es auch nicht geben. Nervenkitzel und ein wenig Ablenkung vom Alltag dagegen sind garantiert.