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So ist Checkout zum wertvollsten Fintech Europas geworden – binnen weniger Monate

Volkery, Carsten Atzler, Elisabeth
·Lesedauer: 5 Min.

Der Zahlungsdienstleister hat sein Geschäft behutsam ausgebaut – ohne je Verlust zu machen. Erst nach Jahren stiegen Investoren ein. Nun ist Checkout 15 Milliarden Dollar wert.

Es ist nicht lange her, da war Checkout.com nur Eingeweihten ein Begriff. 2012 wurde das britische Finanz-Start-up gegründet. Sieben Jahre baute es sein Geschäft behutsam aus, ohne jemals einen Verlust zu machen – ungewöhnlich für eine junge Firma. Erst dann sammelte das Fintech innerhalb kurzer Zeit dreimal Geld von Wagniskapitalgebern ein.

Mittlerweile wird der Zahlungsdienstleister nach eigenen Angaben mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Damit ist die Firma das teuerste, nicht börsennotierte Fintech Europas. Zuletzt erhielt das Start-up Anfang dieses Jahres frische Mittel. In der ersten großen Finanzierungsrunde im Mai 2019 hatte Checkout mehr als 800 Millionen Dollar eingesammelt.

Mit dem neuen Kapital will Checkout die internationale Expansion vorantreiben. Gründer und Firmenchef Guillaume Pousaz sieht sich durch die neuen Investoren, darunter mehrere namhafte US-Fonds wie Tiger Global, Insight Partners und DST Global, darin bestärkt: Sie würden eine Menge an Erfahrung zu Payments, der Technologie und dem Skalieren von Unternehmen mitbringen – „entscheidendes Wissen für den nächsten Schritt unseres Wachstums“.

Checkout wickelt im Auftrag von Händlern Zahlungen aus dem E-Commerce ab. Das Unternehmen will für den Onlinehandel möglichst alle nötigen Zahlungsmethoden wie Kreditkarte, Paypal oder Rechnungskauf aus einer Hand anbieten und den Zahlungsverkehr für seine Kunden möglichst einfach machen. Damit zählt Checkout zu den Start-ups, die sich ganz auf Unternehmen als Kunden ausrichten. Verbraucher bekommen in der Regel nicht mit, wer hinter der Zahlungsabwicklung steckt.

Der rasante Aufstieg von Checkout verdeutlicht, dass Investoren nach dem Wirecard-Bilanzskandal keineswegs vor Zahlungsdienstleistern zurückschrecken. Im Gegenteil: Der Branche wird viel zugetraut.

Das US-Start-up Stripe plant nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg eine neue Finanzierungsrunde und könnte dann mit 70 Milliarden Dollar bewertet werden. Die niederländische Payment-Firma Adyen, seit zweieinhalb Jahren an der Börse notiert, kommt mittlerweile auf einen Börsenwert von 58 Milliarden Euro.

Transaktionsvolumen im Jahr 2020 verdreifacht

Die Coronakrise sorgt für einen Boom im Internethandel, der das Volumen der digitalen Zahlungen weltweit in die Höhe treibt. Bei vielen Unternehmen ist der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz dieses Jahr deutlich gestiegen – und die Entwicklung dürfte sich fortsetzen. Die Beratungsfirma BCG rechnet damit, dass das E-Commerce-Geschäft mit privaten Kunden in Deutschland und anderen europäischen Ländern künftig pro Jahr um zehn Prozent wächst.

Davon profitiert auch Checkout. Die Fima hat das Transaktionsvolumen 2020 verdreifacht. Zahlen zu Umsatz und Gewinn für das vergangene Jahr nennt sie allerdings bislang nicht.

Gestartet ist Checkout vor allem mit anderen Fintechs als Kunden – Transferwise, Klarna und Robinhood zählten dazu, wie Pousaz Ende 2020 in einem Webinar mit der Denkfabrik CSFI erzählte. „Sie haben uns geholfen, unser Volumen aufzubauen.“

Später seien große Techfirmen wie Netflix, Facebook und LinkedIn gefolgt. „Wir konzentrieren uns auf die größten Firmen“, so der Firmenchef. Solche Großkunden bringen Volumen auf die Plattform, Zahlungsdienstleister verdienen in der Regel an jeder Transaktion ein kleines bisschen mit.

Pousaz weiß, wie die Konzerne aus dem Silicon Valley ticken. Der 39-jährige Schweizer hatte sein Studium in Lausanne kurz vor dem Abschluss abgebrochen und war zum Surfen nach Kalifornien gezogen. Dort lernte er bei einem Zahlungsdienstleister die Branche kennen und gründete selbst ein Payment-Start-up, bevor schließlich Checkout.com entstand. Heute lebt Pousaz mit seiner Familie in Dubai, einem der 17 Standorte von Checkout.

Der Mittlere Osten ist ein Markt, den Wettbewerber bislang kaum angehen. Und das Drehkreuz Dubai ist günstig für Vielflieger Pousaz: Vor Corona verbrachte er 600 Stunden pro Jahr im Flugzeug.

Zuletzt eröffnete das Unternehmen Standorte in New York und Denver, um das Wachstum in den USA voranzutreiben. Die Firma hat inzwischen mehr als tausend Mitarbeiter, 550 davon in der Zentrale in London.

Zwei starke Konkurrenten mit Adyen und Stripe

Zwar überzeugen neue Zahlungsdienstleister wie Adyen, Stripe und Checkout Kunden durch ihre Technologie, sodass Händlerkunden die Zahlungsplattformen vergleichsweise einfach nutzen können – ein Grund, warum sie stärker wachsen als viele traditionelle Zahlungsabwickler.

Doch der Wettbewerb gilt angesichts der geringen Margen und des hohen Innovationsdrucks als hart. Gerade mit Adyen und Stripe, gegründet 2006 und 2011, stehen Checkout zwei größere Konkurrenten mit ähnlichem Ansatz gegenüber. Es sei eine „Branche mit vielen Gewinnern“, glaubt Pousaz.

Daneben wollen sowohl in Europa als auch in den USA einige traditionelle Zahlungsabwickler sich am Markt behaupten. Gerade erst hat Worldline aus Frankreich Ingenico übernommen, zudem will Nexi aus Italien mit Sia sowie Nets fusionieren. Auch in den USA hat es mehrere große Zusammenschlüsse gegeben. Beobachter rechnen mit einer weiteren Konsolidierung der Branche, bei der etliche Payment-Firmen verschwinden werden.

Inwiefern Checkout tatsächlich global eine Rolle spielen kann, wird sich daran zeigen, ob das Unternehmen in den USA Fuß fassen kann – wo etablierte Zahlungsabwickler wie FIS, Fiserv und Global Payments dominieren und Adyen und Stripe längst viele Kunden zählen. Zumindest 2019 lag Checkout bei Umsatz und Gewinn noch weit hinter Adyen.

Das Geschäft der Firma verteilt sich derzeit zu 50 Prozent auf Europa, zu 20 Prozent auf den Nahen Osten und Nordafrika (Mena), zu 20 Prozent auf Asien und zu nur zehn Prozent auf die USA. In der Mena-Region ist Checkout laut Pousaz der größte Anbieter. Es sei nur eine kleine Region. „Aber wenn man in diesen schwer erreichbaren Ländern die Probleme der US-Firmen löst, kann man eine Beziehung zu ihnen aufbauen.“

Angesichts der Bewertung von 15 Milliarden Euro schließt Pousaz einen Börsengang nicht aus. Man erfülle alle Anforderungen, sagte er kürzlich dem CSFI. Er habe aber auch nichts dagegen, noch ein paar Jahre in privater Hand zu bleiben. Sollte die Firma sich für einen Börsengang entscheiden, wird er wahrscheinlich in New York stattfinden. Denn Checkout.com hat fast ausschließlich US-Investoren.