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SNB hält Leitzins unerwartet bei 1,75% - ‘Krieg’ geht weiter

(Bloomberg) -- Entgegen den Erwartungen der Volkswirte hat die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins nicht erhöht, um die lahmende Wirtschaft nicht stärker zu beeinträchtigen. Eine weitere Straffung der Geldpolitik in der Zukunft schlossen die Währungshüter allerdings nicht aus.

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“Die über die letzten Quartale deutlich gestraffte Geldpolitik wirkt dem immer noch vorhandenen Inflationsdruck entgegen”, hieß es am Donnerstagvormittag aus Zürich. Die Inflationsentwicklung werde in den kommenden Monaten genau beobachtet.

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Unter den 31 von Bloomberg befragten Ökonomen hatten nur vier eine Zinspause prognostiziert. Alle anderen hatten eine Anhebung des Leitzinses von 1,75% auf 2% vorhergesagt.

Auf Bloomberg TV warnte SNB-Präsident Thomas Jordan zugleich: “Der Krieg gegen die Inflation ist noch nicht vorbei.” Die SNB gebe keine Prognosen darüber ab, ob sie mit ihren Zinserhöhungen fortfahren werde, so Jordan. Die aktuelle Entscheidung sei “hauptsächlich durch die Veränderung der Inflationsaussichten getrieben” gewesen.

Der Verzicht auf eine weitere Straffung — im Gegensatz zur Erhöhung im benachbarten Euroraum in der vergangenen Woche — deutet darauf hin, dass die Währungshüter recht sicher sind, dass die Inflation, die bereits unter der 2%-Marke der SNB liegt, nicht Gefahr läuft, sich zu stark zu beschleunigen. Das deutet auch darauf hin, dass mehr Sorgen über das Wachstum aufgekommen sind, nicht zuletzt nach den jüngsten Kursgewinnen des Frankens.

Die Entscheidung “hält die Spannung aufrecht, indem sie eine Tendenz zu höheren Zinssätzen signalisiert”, sagte Karsten Junius, Chefökonom der Bank J Safra Sarasin AG, der die Entscheidung korrekt vorhersagte. “Damit wird verhindert, dass als nächstes Leitzinssenkungen diskutiert und eingepreist werden.”

Der Schritt der SNB, die nur einmal im Quartal eine Zinsentscheidung trifft, vergrößert die Differenz zu den anderen Währungsgebieten. Die Schweizer Zinsen sind seit Beginn des letzten Jahres um 250 Basispunkte gestiegen, verglichen mit 450 Basispunkten im Euroraum und noch mehr in den USA.

Was die Schweiz von anderen entwickelten Volkswirtschaften unterscheidet — und es ihr ermöglicht, sich zurückzuhalten, während der Rest Westeuropas die Zinsen anhebt — ist ihr weitaus schwächeres Wachstum der Verbraucherpreise.

Die neue Inflationsprognose liegt im Jahresdurchschnitt bei 2,2% für 2023 und 2024 und bei 1,9% für 2025. Sie liege am Ende des Prognosezeitraums “knapp im Bereich der Preisstabilität”, so die Bank. Mittelfristig liege sie etwas unterhalb derjenigen vom Juni, “in erster Linie wegen der konjunkturellen Abkühlung und eines etwas tieferen Inflationsdrucks aus dem Ausland.”

Das Wachstum ist im zweiten Quartal ins Stocken geraten. Die Zentralbank rechnet weiterhin mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft von rund 1 % in diesem Jahr - gegenüber 2,1 % im Jahr 2022.

Der Franken fiel um bis zu 0,9% auf 0,9667 je Euro und verzeichnete damit den größten Rückgang seit Mai.

Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, ist die Nationalbank bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu sein. Im derzeitigen Umfeld stünden dabei Devisenverkäufe im Vordergrund, so die SNB.

Überschrift des Artikels im Original:

SNB Surprises With Rate Pause as Tightening Tames Inflation (3)

--Mit Hilfe von Joel Rinneby, Harumi Ichikura, Kristian Siedenburg, Jana Randow, Alessandro Speciale, Fergal O'Brien und Paula Doenecke.

(Neu: Kommentare des SNB-Präsidenten Thomas Jordan)

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