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Siemens Gamesa tauscht den Chef aus

Der CEO des Windkraft-Konzerns, Markus Tacke, muss nach neuen Sonderbelastungen seinen Hut nehmen. Auch im Gesamtjahr drohen Verluste.

Die Erwartungen an Andreas Nauen sind hoch. Die Offshore-Sparte von Siemens Gamesa, die er bislang führte, ist vergleichsweise erfolgreich unterwegs. Nun soll er als Chef des gesamten Windkraft-Konzerns dafür sorgen, dass es endlich auch im Onshore-Bereich mit den Windrädern an Land, den vor allem die Spanier eingebracht haben, besser läuft.

In der Nacht zum Donnerstag hatte Siemens Gamesa überraschend mitgeteilt, dass Vorstandschef Markus Tacke seinen Hut nehmen muss. Er galt einst als Hoffnungsträger. Doch im laufenden Quartal tauchten weitere Projektbelastungen auf, es gibt wieder einmal einen operativen Verlust, und auch im Gesamtjahr drohen rote Zahlen. Der Aktienskurs stürzte zwischenzeitlich um sieben Prozent auf 14 Euro ab.

Mit dem Chefwechsel setze der neue Chef von Siemens Energy, Christian Bruch, ein klares Zeichen, dass er bei der Windkrafttochter hart durchgreifen und schnelle Erfolge sehen will, hieß es in Konzernkreisen. Siemens Energy soll im Herbst an die Börse, da kann man schlechte Nachrichten von Siemens Gamesa nicht gebrauchen. Die ersten drei Jahre der Sparte waren von Gewinnwarnungen, Stellenabbau und Gesellschafterstreit geprägt.

Analysten sehen nun zumindest die Chance für Besserung. Nauen sei ein erfahrener Manager, schrieb Analyst Akash Gupta in einer JPMorgan Studie. Nauen, Maschinenbau-Ingenieur mit MBA-Abschluss, war von 2004 bis 2010 der erste CEO der damaligen Siemens Wind Power und bewältigte die Integration von Bonus Energy. Später führte er dann den Konkurrenten REpower/Senvion, ehe er 2017 zu Siemens Gamesa zurückkehrte.

In den vergangenen Jahren hatte die gesamte Branche mit Herausforderungen zu kämpfen. Allerdings gab es bei Siemens Gamesa immer wieder auch hausgemachte Probleme und Streit mit dem Minderheitsgesellschafter Ibderola, den Siemens später herauskaufte. Dadurch ist der Durchgriff für die Münchener nun einfacher – das zeigt der Abgang Tackes jetzt.