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Siemens Energy und Air Liquide bündeln Kräfte im Wasserstoff-Geschäft

Höpner, Axel Witsch, Kathrin
·Lesedauer: 4 Min.

Der französische und der deutsche Konzern kooperieren bei ihren Wasserstoff-Projekten: Damit wollen sie den Grundstein für die Serienfertigung von Elektrolyseuren in Europa legen.

Ein Elektrolyseur erzeugt grünen Wasserstoff. Foto: dpa
Ein Elektrolyseur erzeugt grünen Wasserstoff. Foto: dpa

Der französische Gas-Spezialist Air Liquide und der deutsche Energietechnikkonzern Siemens Energy wollen gemeinsam das Geschäft mit Wasserstoff vorantreiben. Zusammen mit ihren Kunden sollen Großprojekte entwickelt werden, um die Zukunftstechnologie in einen industriellen Maßstab zu bringen. Das teilten die Unternehmen am Montag mit.

Zudem wollen sie den Grundstein für eine Serienfertigung von Elektrolyseuren in Europa legen, mit einem Schwerpunkt auf Deutschland und Frankreich. Sie kündigten auch an, bei der Forschung und Entwicklung für die nächste Generation von Elektrolyseuren zusammenzuarbeiten.

Die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens haben Air Liquide und Siemens Energy laut Industriekreisen bislang zwar nicht vereinbart. Die Allianz zeige aber, dass Kooperationen in der Branche immer wichtiger würden. Kein Anbieter könne alles allein machen.

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für den Erfolg der Energiewende. Wird er mithilfe des Elektrolyse-Verfahrens auf Basis von grünem Strom hergestellt, ist seine Verwendung klimaneutral. Besonders begehrt ist das nachhaltige Gas für bestimmte Prozesse, bei denen Strom aus erneuerbaren Quellen nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand als Ersatz für fossile Rohstoffe eingesetzt werden kann.

So könnte Wasserstoff in der Industrie, im Schwerlast-, Flug- und Schiffsverkehr, aber auch im Wärmesektor oder als Medium zur Speicherung oder zum Transport von Strom aus erneuerbaren Quellen eine wichtige Rolle spielen.

Weil es bislang lediglich Pilotprojekte zur Herstellung von grünem Wasserstoffs gibt, ist das klimaneutrale Gas allerdings noch sehr teuer. Gelingt der Schritt in die Massenfertigung, könnte das die Kosten entscheidend senken und grünen Wasserstoff wirtschaftlich machen.

Bundesregierung und EU fördern die Technologie im Kampf gegen den Klimawandel deswegen mit Milliardensummen. Auf die hofft in Zukunft auch das neue Duo aus Siemens Energy und Air Liquide. Eine Kooperation wie diese sei in der Politik gern gesehen, heißt es in Industriekreisen: „Da verbünden sich zwei wichtige europäische Player.“

Air Liquide gilt neben dem US-Konzern Linde als Spezialist für die gefragte Zukunftstechnologie. Der französische Konzern produziert nicht nur Elektrolyse-Anlagen, sondern auch die dazugehörige Infrastruktur von der Produktion über die Verflüssigung und Speicherung bis zur Verteilung und dem Betanken wasserstoffbetriebener Fahrzeuge. 2019 beteiligte sich Air Liquide für 18 Millionen Euro zudem an dem kanadischen Start-up Hydrogenics, das als Spezialist für Wasserstofferzeugung, Energiespeicher und Wasserstoff-Antriebsmodule gilt.

Leuchtturmprojekt der neuen Allianz ist eine geplante Großanlage mit 200 Megawatt in der Normandie – eine Leistung, die sicherlich mithilfe mehrerer Elektrolyseure erreicht werden soll. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begrüßte das Projekt der beiden Unternehmen ebenso wie sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire.

Bisher wenig Umsatz mit Wasserstoff

Die 200-Megawatt-Anlage setzt eine Wegmarke in Richtung industrieller Skalierung. Bislang dominieren Pilotprojekte mit nur etwa zehn Megawatt den Markt. Um komplette Anlagen anbieten zu können, hatte MAN Energy Solutions kürzlich den Elektrolyseur-Spezialisten H-Tec Systems komplett übernommen.

Größter Hersteller von Wasserstoff für die Industrie ist Linde. Der amerikanisch-deutsche Konzern hatte kürzlich angekündigt, in Leuna in großem Stil grünen Wasserstoff produzieren zu wollen. Bis 2022 soll auf dem Chemiekomplex der bis dahin größte PEM-Wasserstoff-Elektrolyseur der Welt mit 24 Megawatt Einzelleistung in Betrieb genommen werden.

Die deutsche Industrie will im Wasserstoffzeitalter eine führende Rolle spielen. Neben Siemens Energy und Linde stehen unter anderem MAN Energy Solutions, Thyssen-Krupp und RWE mit geplanten Megaprojekten bereit. Sie wittern einen Milliardenmarkt.

Deswegen hat das Thema auch für Siemens Energy große Bedeutung, auch wenn das Geschäft mit Wasserstoff heute noch keine nennenswerten Umsätze einbringt.

Die Siemens-Abspaltung war im Herbst an der Börse gestartet. CEO Christian Bruch versprach den Investoren einerseits eine Restrukturierungsstory: Die Kosten sollen auch durch den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen nochmals um 300 Millionen Euro gesenkt werden.

Doch braucht der neue Konzern auch eine neue Wachstumsgeschichte. Das Geschäft mit großen Gaskraftwerken, traditionell Siemens’ große Stärke, ist weltweit rückläufig. In Zeiten der Energiewende sind vor allem kleine, dezentrale Lösungen gefragt. Daher soll die Wasserstoff-Technologie zu einem Milliardengeschäft ausgebaut werden.