Deutsche Märkte geschlossen

Sechs Dinge, die für Anleger heute wichtig sind

Der Dax liegt zum Hexensabbat vorbörslich im Minus. An der amerikanischen Börse ging es weiter bergab.


Der deutsche Leitindex wird am Donnerstag kaum verändert erwartet. Beim Onlinebroker IG Markets notiert der Dax vorbörslich fast exakt auf dem Vortagsniveau. Nachdem der Dax zu Beginn der Woche bis auf 10.600 Punkte eingebrochen war, hatte er sich in den vergangenen beiden Tagen wieder etwas erholt und ging am Mittwochabend mit 10.929 Punkten aus dem Handel.

Beflügelt worden war der deutsche Leitindex im Nachmittagshandel von einem Bericht der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg zu einer möglichen Bankenfusion in Deutschland. Danach will die Bundesregierung zur Lösung der Probleme bei der Deutschen Bank beitragen und nimmt zu diesem Zweck Möglichkeiten ins Visier, eine Fusion mit der Commerzbank zu erleichtern.

Das wirtschaftspolitische Umfeld für die Aktienmärkte weltweit ist am Donnerstag vorerst entspannt: Die britische Premierministerin Theresa May hat das Misstrauensvotum gegen sie überstanden und bleibt Parteichefin der Tories. 200 Abgeordnete der Partei stimmten für May, 117 gegen sie. Allerdings hatte die angeschlagene Premierministerin bereits vor der Abstimmung ihren Rückzug angekündigt, sobald der Brexit vollzogen sei.

Auch im US-chinesischen Handelsstreit zeichnet sich eine Deeskalation ab. In einem Reuters-Interview stellte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch weitere Verhandlungen zur Beilegung des Konfliktes in Aussicht. Außerdem wolle er die geplante Anhebung der Strafzölle auf chinesische Waren vorerst auf Eis legen. Im amerikanischen Mittwochshandel und an den asiatischen Aktienmärkten kauften Anleger zu.


1 – Marktreaktionen aus Asien

Als die Nachricht aus Großbritannien kam, dass Theresa May das Misstrauensvotum gegen sie gewonnen hat, waren die amerikanischen Aktienmärkte bereits geschlossen. Sichtbar wirkte die Nachricht von Mays vorübergehendem Sieg jedoch am Devisenmarkt. Der Euro stieg um 0,55 Yen auf 129 Yen an. Die Sorgen um den Brexit und vor allem den Konflikt in der Euro-Zone um Italiens Staatshaushalt hatten zuletzt den Euro tendenziell geschwächt.

Auch an Japans Aktienmärkten setzte sich nach der Nachricht die moderate Erholung fort, die am Mittwoch begonnen hatte. Der Nikkei-225 lag zuletzt rund ein Prozent über dem Schlusskurs vom Vortag. Dabei war auch die Hoffnung auf eine weitere Entspannung im amerikanisch-chinesischen Handelskrieg ein wichtiger Faktor. So stiegen die Kurse von einigen Firmen überdurchschnittlich, die Chinas Fabriken ausstatten.

Der Kurs des Industrieroboterherstellers Yaskawa legte um 1,9 Prozent zu, sein Rivale Fanuc um 1,5 Prozent. Auch von Japans Konjunktur abhängige Einzelhändler gehörten zu den Siegern. Einer der größten Sieger war allerdings der Pharmahersteller Takeda mit einem Plus von 7,2 Prozent im Morgenhandel, dessen Aktienpreis wegen des 62 Milliarden US-Dollar teuren Kaufs des irischen Wettbewerbers Shire unter Druck steht.

Auch in Korea stieg das wichtigste Kursbarometer, der Kospi, weiter, allerdings nur um 0,55 Prozent. Auch die chinesischen Leitmärkte reagierten ruhig. Der Shanghai Composite Index kletterte bis 10.29 Uhr Ortszeit um 0,9 Prozent, der Hongkonger Hangseng-Index um 1,2 Prozent.

2 – Vorgaben aus den USA

Auch die Anleger an den US-Börsen waren am Mittwoch dank Trumps Ankündigung zum Handelsstreit positiv gestimmt. Trump habe „vorweihnachtlich versöhnlich“ geklungen, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Zurückhaltung ob der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten bleibt allerdings angebracht.“


Für Auftrieb an den Märkten sorgte auch, dass China laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ ausländischen Unternehmen den Zugang zum chinesischen Markt erleichtern wolle.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 0,64 Prozent auf 24.527 Punkten. Der breiter gefasste S & P-500 gewann 0,5 Prozent auf 2651 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging mit plus 0,95 Prozent bei 7098 Stellen aus dem Handel.

3 – Zinsentscheid der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) tagt am Donnerstagnachmittag in Frankfurt. Experten zufolge wird sie einen Schlussstrich unter ihre Anleihenkäufe ziehen und damit ein wichtiges Kapitel ihrer jahrelangen Krisenpolitik abschließen. Sie dürfte beschließen, die mittlerweile auf 2,6 Billionen Euro angeschwollenen Anleihenkäufe zum Jahresende einzustellen. Danach sollen lediglich Gelder aus fällig werdenden Papieren reinvestiert werden. Die Leitzinsen, die schon seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, werden die Euro-Wächter aller Voraussicht nach nicht antasten.

Im Fokus wird auch der Ausblick von Notenbankchef Mario Draghi stehen. Bislang will die EZB die Schlüsselsätze noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus nicht antasten. Angesichts der jüngsten Wachstumsabschwächung im Euro-Raum rechnen viele Ökonomen erst Anfang 2020 mit der ersten Leitzinserhöhung seit 2011.


4 – BGH urteilt über Zulässigkeit von Limousinen-Service „Uber Black“

Der Bundesgerichtshof (BGH) will am Donnerstagmorgen in Karlsruhe sein Urteil zur Zulässigkeit des früheren Angebots „Black“ des US-Fahrdienstleisters Uber verkünden. Den in dieser Form nicht mehr angebotenen Limousinen-Service „Uber Black“ hatten die Vorinstanzen in Berlin wegen eines Verstoßes gegen das Personenbeförderungsgesetz und unlauteren Wettbewerbs untersagt. Der BGH hatte nach einer ersten Verhandlung eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu einem ähnlichen Uber-Verfahren in Spanien abgewartet.

5 – Datenschutz-Klage von Verbraucherschützern gegen Facebook vor dem BGH

Eine Datenschutz-Klage der Verbraucherzentralen gegen Facebook erreicht am Donnerstag in letzter Instanz den Bundesgerichtshof (BGH). Es geht um Spiele anderer Anbieter, die Nutzer über das „App-Zentrum“ des Netzwerks ansteuern konnten. Indem sie auf „Sofort spielen“ klickten, erklärten sie sich mit der Übermittlung ihrer Daten an den Spielebetreiber einverstanden.

In den Vorinstanzen war der Bundesverband der Verbraucherzentralen deswegen erfolgreich gegen Facebook vorgegangen: Die Nutzer würden nicht ausreichend darüber informiert, welche Daten weitergegeben würden und was damit passiere, urteilte zuletzt das Berliner Kammergericht. Dagegen wehrt sich Facebook nun in Karlsruhe.

6 – Höchstes EU-Gericht urteilt über Rechtmäßigkeit des Rundfunkbeitrags

Der Europäische Gerichtshof urteilt am Donnerstag darüber, ob die Erhebung des deutschen Rundfunkbeitrags rechtmäßig ist. Die Luxemburger Richter beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, ob es sich bei der Gebühr um eine unerlaubte staatliche Beihilfe handelt, die gegen EU-Recht verstößt.


Termine Unternehmen am 13. Dezember

07:00 Deutschland: Fraport Verkehrszahlen

08:00 Deutschland: Metro AG Jahreszahlen

08:00 Deutschland: Tui Jahreszahlen

09:00 Deutschland: BMW Absatz

11:00 Deutschland: Audi Absatz

15:30 USA: Danaher Investor & Analyst Meeting

18:00 USA: Starbucks Investor Day

22:05 USA: Adobe Q4-Zahlen

22:15 USA: Costco Wholesale Q1-Zahlen

Österreich: EVN Jahreszahlen

Deutschland: Bertrandt Jahreszahlen

Deutschland: Thyssenkrupp UBS Nordic Investor Day

Termine Konjunktur am 13. Dezember

Deutschland: Bundeswirtschaftsministerium Monatsbericht

08:00 Deutschland: Verbraucherpreise

08:45 Frankreich: Verbraucherpreise

09:30 Schweiz: SNB Geldpolitische Lagebeurteilung

10:00 Deutschland: Konjunkturprognose des Ifo-Instituts für 2018, 2019 und 2020

mit ifo-Präsident Clemens Fuest und dem

Leiter der ifo-Konjunkturforschung, Timo Wollmershäuser, Berlin

10:30 Großbritannien: Oberster britischer Gerichtshof entscheidet über schottische

Brexit-Gesetzgebung

11:00 Deutschland: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle gibt

Konjunkturprognose 2019 bekannt

11:00 Griechenland: Arbeitslosenquote Q3/18

12:00 Türkei: Türkische Zentralbank Zinsentscheid

13:45 EU: EZB Zinsentscheid

14:30 USA: Im- und Exportpreise

14:30 USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche)

Quelle Termine: dpa-AFX, Hervorhebungen durch Handelsblatt-Redaktion