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Scholz und Macron suchen gemeinsamen Ton: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Michael Nienaber über ein brandenburgisches Duett. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Deutsch-französisches Konzert im Herrenhaus

Zum Abschluss des dreitägigen Staatsbesuchs von Emmanuel Macron empfängt Bundeskanzler Olaf Scholz den französischen Präsidenten heute zu bilateralen Gesprächen auf Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung in Brandenburg. Ziel ist es, konkrete Beschlüsse zu fassen, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und die Kapitalmärkte der einzelnen Mitgliedstaaten zu einem großen Ganzen zusammenzuführen. Diese sogenannte Kapitalmarktunion haben sich nun sowohl Scholz als auch Macron auf die Fahnen geschrieben. Kompliziert wird es dann schnell, wenn es um die Details geht.

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Im erweiterten Ministerrat, an dem unter anderem auch die Wirtschafts- und Finanzminister teilnehmen, soll es um den Spagat zwischen Offenheit und Protektionismus gehen: Wie kann angesichts veränderter geopolitischer Bedingungen die richtige Balance zwischen freiem Welthandel und einer Politik zur Sicherung strategischer Souveränität gefunden werden? Macron ist für Schutzzölle gegen China und gegen Freihandel mit Südamerika. Bei Scholz ist es umgekehrt. Ein Kompromiss könnte so aussehen, dass Scholz zähneknirschend die von der EU in der Feinabstimmung befindlichen Schutzzölle gegen chinesisch subventionierte Elektroautos zu Dumpingpreisen akzeptiert und Macron dafür seinen Widerstand gegen das fast fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur aufgibt.

Auch bei der gemeinsamen Verteidigung und Sicherheit in Europa wollen Deutschland und Frankreich stärker an einem Strang ziehen. Konkrete Fortschritte soll es bei der Entwicklung eines gemeinsamen Kampfpanzers der nächsten Generation und eines ebenfalls neuen Kampfflugzeugs geben. Eine engere Zusammenarbeit bei der Luftverteidigung und der nuklearen Abschreckung steht ebenfalls auf der Agenda. Ein Schritt könnte sein, Frankreich enger in die von Deutschland vorangetriebene European Sky Shield Initiative einzubinden.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Verena Sepp: Privatbanker-Nachrichten, sinkende Erwartungen, Aufholjagd, außer Mode, und klein aber gemein.

Privatbanker-Nachrichten

Hauck & Aufhäuser Lampe wird holländisch. Die Amsterdamer ABN Amro übernimmt die Frankfurter Privatbank für 672 Millionen Euro vom chinesischen Konglomerat Fosun, das das Institut 2015 erworben und 2021 noch das Bankhaus Lampe dazu gekauft hatte. Der Milliardär Guo Guangchang ist nach einer Welle von Übernahmen dabei, sein Imperium wieder etwas zu verschlanken, um dessen Schuldenlast zu reduzieren. Die 1796 gegründete Hauck & Aufhäuser ist eine der ältesten Banken Deutschlands. Die Kombination des deutschen Geschäfts von HAL mit der ABN-Wealth-Sparte Bethmann Bank schafft ein “neues Schwergewicht” in Deutschland, dem größten Private-Banking-Markt in Europa. Die Schweizer Privatbank EFG, an der dem Vernehmen nach Julius Bär zumindest interessiert war, berichtete heute für die ersten vier Monate des Jahres Neumittel-Zuflüsse von 3,6 Milliarden Franken. Zu den Bär-Spekulationen wollte sich Bank-Chef Giorgio Pradelli nicht äußern.

Sinkende Erwartungen

Die Inflationserwartungen der Verbraucher in der Eurozone sind nach EZB-Angaben im April gesunken. Das dürfte viele Ratsmitglieder bestätigen, die sich für eine Zinssenkung in der kommenden Woche ausgesprochen haben. Der Preisanstieg in den nächsten 12 Monaten wird bei 2,9% gesehen, gegenüber 3% im März. Da eine erste Zinssenkung am 6. Juni so gut wie beschlossen zu sein scheint, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf das Tempo möglicher weiterer Schritte. Gestern sagte der Franzose François Villeroy de Galhau, dass die EZB Zinssenkungen sowohl im Juni als auch im Juli nicht ausschließen sollte. Aus dem Lager der Falken hielt sich Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel heute in Tokio mit Zinsaussagen zurück, mahnte aber an, Programme zur quantitativen Lockerung sparsam einzusetzen. “Ankäufe von Vermögenswerten können ein mächtiges Instrument sein, wenn sich die Finanzmärkte in Turbulenzen befinden”, so Schnabel. “Außerhalb dieser Zeiten müssen die Zentralbanken jedoch sorgfältig abwägen, ob die Vorteile der Ankäufe von Vermögenswerten die Kosten überwiegen.” Der Renditeaufschlag 10-jähriger Italien-Anleihen gegenüber deutschen kletterte heute um 1,2 Basispunkte.

Aufholjagd

Aufgrund der US-Exportbeschränkungen im Hochtechnologiebereich hinkt China bei Chips für Künstliche Intelligenz hinterher. Allerdings gebe es inzwischen einheimisch entwickelte Chips, “die zu den führenden ausländischen Chips sehr zügig aufschließen”, sagt Xu Bing, Mitbegründer des chinesischen KI-Pioniers SenseTime, im Bloomberg-TV-Interview. Dies federe den “generellen Mangel an Rechenkapazität” ab, den es bei den Entwicklern großer Sprachmodelle gibt, da modernste KI-Beschleuniger-Technik von Nvidia nicht ins Land darf. Noch liege China nach Schätzungen einiger im Chip-Bereich um drei Jahre zurück, nach anderen um ein Jahr, so Xu. Dies werde aber nicht von Dauer sein. Bei der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz profitiere die Volksrepublik indessen von der Fülle verfügbarer Real-Welt-Daten, die “breiter und tiefer” sei. Apple derweil scheint sich von der jüngsten iPhone-Absatzdelle in China zu erholen. Im April hat die Verkaufzahl laut Bloomberg-Berechnungen um 52% zugenommen. Der Schub kam allerdings von Rabatten.

Außer Mode

Noch vor wenigen Jahren war ESG ein Top-Thema bei fast allen Top-Managern. Jetzt, da sie es leid sind, von Aktivisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums angegriffen zu werden, haben viele CEOs das Thema in der Schublade verschwinden lassen — insbesondere in den USA. Bloomberg hat die Finanzpräsentationen der 100 größten börsennotierten Unternehmen in Europa und den USA während der letzten Berichtssaison untersucht und einen starken Rückgang der Verweise auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen festgestellt. Klimawandel und verwandte Begriffe wurden in den USA 269 Mal erwähnt — über 60% weniger als im Vorjahr. In Europa beträgt der Rückgang mit 671 Nennungen nur etwa ein Zehntel. Beim Thema Diversity hat das letztjährige Urteil des US Supreme Court gegen die positive Diskriminierung an Universitäten einen juristischen Angriff auf entsprechende Firmenprogramme ausgelöst. Diversity und verwandte Begriffe wurden von den größten börsennotierten US-Konzernen in diesem Quartal 121 Mal genannt, vor einem Jahr waren es noch 244 Nennungen.

Klein aber gemein

Fake News gehören zu den bevorzugten Waffen des russischen Präsidenten Putin in seinem Krieg gegen die Ukraine. Dabei bedient er sich einer Plattform, die dem einen oder anderen bekannt sein dürfte: Telegram. Auf der Messaging-App, die einst von einem Russen gegründet wurde, der das Land inzwischen verlassen hat, lässt sich Desinformation nahezu ungehindert verbreiten — und das, obwohl die EU ihre Befugnisse im Umgang mit Online-Inhalten mit Blick auf die Europawahlen erst kürzlich verschärft hat. Selbst Kriminelle lassen sich über den Kanal anheuern. Das Problem: Mit rund 41 Millionen aktiven Nutzern liegt die App unter der Schwelle, ab der die EU tatsächlich etwas bewirken kann. Und so geht Putins Propagandafeldzug vorerst weiter. Die Zahl der Beiträge zu den Themen Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Migration, Klimawandel und EU-Wahlen habe sich seit Jahresbeginn auf allen Plattformen mehr als verdoppelt.

Was sonst noch passiert ist

  • Gaza-Eskalation

  • Abbau-Ende

  • Bank-Umzug

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