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Schlusslicht bei Corona-Tests: Warum andere Länder 20-mal so viel testen wie Deutschland — und was sie besser machen

·Lesedauer: 5 Min.
Ein Labortechniker bedient ein ???
Ein Labortechniker bedient ein ???

Nirgends in Europa wird so wenig getestet wie in Deutschland. Am sechsten Januar, dem letzten Tag, für den bei ourworldindata.org Testzahlen für alle europäischen Länder vorliegen, wurden hierzulande 2,02 Tests pro Tausend Einwohner durchgeführt. Bulgarien hat mehr als doppelt so viel getestet, Spanien dreimal so viel, Italien siebenmal so viel, das Vereinigte Königreich zehnmal so viel und Griechenland und Österreich fast 20-mal so viel.

Der Graph zeigt zudem: Einzelne Länder können ihre Testkapazitäten innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöhen. In Deutschland hat sich fast nichts getan. Den aktuellsten Testdaten zufolge wurden zuletzt 2,55 Tests pro Tausend Einwohner durchgeführt. Vor einem Jahr wurde sogar noch ein wenig mehr getestet als heute. Seitdem hat die Testkapazität eher abgenommen. Mehr als 3,3 Tests pro 1000 Einwohner wurden zu keinem Zeitpunkt der Pandemie durchgeführt.

Dabei gelten massenhafte Tests seit Beginn der Pandemie als eine Säule des Krisenmanagements. Ein großer Teil der Infektionen verläuft ohne Symptome. Viele Infizierte bemerken ihre Infektion ohne Testergebnis nicht. Aktuellen Zahlen zufolge verlaufen bis zu 40 Prozent der Omikron-Fälle asymptomatisch. Eine Weitergabe des Virus ist bei asymptomatischen Fällen nicht ausgeschlossen. Um Infektionsketten zu durchbrechen, müssten möglichst viele Menschen ohne Symptome getestet werden.

Die deutsche Inzidenz ist wenig aussagekräftig

Seit zwei Jahren bestimmten tägliche Inzidenzwerte die Nachrichten. Politische Entscheidungen werden auch mit den gemeldeten Infektionszahlen begründet. Doch da so wenige Tests in Deutschland durchgeführt werden, ist die Datengrundlage dünn, und die offiziellen Inzidenzen in Deutschland können nicht mit denen anderer Länder verglichen werden, in denen um ein vielfaches mehr getestet wird.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Inzidenz und Anzahl der Tests: Je mehr Tests, desto mehr asymptomatische Fälle gehen in die Statistiken ein, die ansonsten nicht entdeckt worden wären. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass alle Länder mit sehr hohen Inzidenzen – wie Dänemark, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Portugal, Italien und Israel, zugleich auch sehr viele Tests durchführen. Wenn in Deutschland ähnlich viel wie in andern Ländern getestet würde, dann wäre die Inzidenz vermutlich ebenfalls deutlich höher.

Der Vergleich mit Wien zeigt sich wie schlechte die deutsche Testinfrastruktur funktioniert

Was machen andere Länder besser? Österreich war zeitweise Test-Weltmeister und hat eine gut funktionierende Infrastruktur aufgebaut, um den Überblick über Infektionen zu behalten. Wie ihnen das gelungen ist, haben wir uns am Beispiel Wiens angeschaut. Dort leben circa 1,9 Millionen Menschen. Die Testinfrastruktur sollte also vergleichbar sein mit Hamburg. Doch ist dem so?

Zu Beginn der Pandemie setzte Österreich wie Deutschland auf die Nasen-/Rachenabstriche. Doch als die Infektionen zunahmen, war klar, dass das medizinisch geschulte Personal, das die Proben entnehmen konnte, knapp wird. „Damit hätten wir nur mehr Verdachtsfälle mittels PCR-Tests abklären können und selbst dabei war das Personal der begrenzende Faktor“, sagt Mario Dujakovic, Pressesprecher Gesundheit der Stadt Wien.

Also suchte man eine Alternative und stellte um auf Gurgeltests. Diese unterscheiden sich vom Standard her nicht von den deutschen PCR-Tests, nur können die Wiener sie selbst durchführen. Dazu gurgelt man im tiefen hinteren Rachenbereich mit einer Kochsalzlösung und spült den Mund zuletzt durch.

Auch im Labor der Stadt wurde die Probenauswertung effizienter gestaltet. Die PCR-Tests werden in Zehnergruppen in die Maschinen gepackt und ausgewertet, ist einer der zehn positiv, werden alle einzeln überprüft und dann die positiven zusätzlich sequenziert.

Ein PCR-Test kostet Deutschland 51,60 Euro – und Österreich zwischen fünf und acht Euro

Die Infrastruktur wurde in Wien so niederschwellig wie möglich angelegt: Seit März 2021 hat jeder Bürger Anspruch auf acht kostenlose PCR-Tests in der Woche, die man sich bei Drogerien abholen kann, nach einer vorherigen Registrierung, die Rückgabe erfolgt bei Supermärkten und Tankstellen, zweimal am Tag holt die österreichische Post dort die eingegangenen Tests ab und bringt sie in ein gewerbliches Labor. Innerhalb von maximal 24 Stunden haben die Wiener und Wienerinnen ihr Ergebnis für einen PCR-Test. Die Kosten für die Tests übernimmt der Bund. Sie schwanken während der Pandemie zwischen fünf und acht Euro pro Tests, mit allem inklusive – also Logistik, Material und Laborleistung.

Auch in Deutschland zahlt der Bund die PCR-Tests. Das Gesundheitsministerium legt dafür aber deutlich mehr Geld auf den Tisch. „Aktuell vergütet der Bund die Testung mit 43,56 Euro. Diese Vergütung umfasst die allgemeinen ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterial und Transportkosten. Der Abstrich wird davon separat im Rahmen der Test-Verordnung mit derzeit acht Euro vergütet", schreibt das Ministerium auf Nachfrage. 51,56 Euro also, das heißt: PCR-Tests in Deutschland sind 43 Euro teurer als in Österreich.

Woher der Preisunterschied kommt? Am Dienstag wurden in der 1,9-Millionen-Einwohner-Stadt Wien 483.000 PCR-Tests durchgeführt und ausgewertet. In der gesamten zweiten Woche des Jahres wurden im 83-Million-Einwohner-Land Deutschland nur 390.868 PCR-Tests durchgeführt. Eine mit Wien vergleichbaren Stadt wie Hamburg schaffte am Spitzentag 26.000 Tests. Eine Testlücke, wie sie in Deutschland nach den Weihnachtsfeiertagen entstanden ist, gab es in Wien nicht. Nach dem Jahreswechsel dauerte es mehr als zehn Tage, bis alle Nachmeldungen aus geschlossenen oder unterbesetzten Gesundheitsämtern in die bundesweite RKI-Statistik eingetragen worden waren.

Tausende machen jeden Tag die Erfahrung, dass die deutsche Testinfrastruktur unterdurchschnittlich ist

Die unzuverlässigeren Antigenschnelltests, die in Deutschland in großer Zahl verfügbar sind und auf denen das Testsystem beruht, spielen in Österreich kaum eine Rolle. In Wien wurde hochskaliert – auch deshalb sind die Tests so günstig – in Deutschland arbeitet man händeringend daran, „die Auslastung der Labore weiter zu reduzieren und dafür die PCR-Tests zu priorisieren“, wie es aus den Gesundheitsbehörden von Hamburg und Berlin heißt.

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