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Ich saß im Scénic Vision von Renault, der einen Wasserstoff-Hybridantrieb und zehn Displays hat, die an Smartwatches erinnern

Das Concept Car ist 4,49 Meter lang sowie 1,90 Meter breit und ordnet sich so in das Segment der Kompakt-SUV ein.
Das Concept Car ist 4,49 Meter lang sowie 1,90 Meter breit und ordnet sich so in das Segment der Kompakt-SUV ein.

Der kreuzbrave Scénic war einst einer der beliebtesten Familienvans Europas und stand symbolisch für Renaults Kompetenz in diesem Segment, welches die Franzosen in den Achtzigerjahren mit dem Espace selbst etabliert hatten.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Angesichts des SUV-Booms geraten die klassischen Familientransporter mehr und mehr ins Hintertreffen und verschwinden. Zumindest, wenn es um die Absatzzahlen geht. So dürften ehemalige Erfolgsmodelle wie der VW Sharan keine direkten Nachfolger mehr bekommen.

2024 wird die Serienversion präsentiert

Der "Scénic Vision", das neueste Concept Car des Herstellers, macht unmissverständlich klar, dass die traditionell familienfreundliche Baureihe zukünftig zu einem modischen Crossover mutieren soll. Das futuristisch gestylte Fahrzeug ist aber mehr als eine belanglose Fingerübung der Designer.

Sie soll stattdessen einen konkreten Ausblick auf ein rein elektrisches Serienmodell geben, das 2024 präsentiert werden und auf der vom Mégane E-Tech bekannten Plattform CMF-EV basieren soll. Obwohl der Autobauer das ursprüngliche Van-Konzept aufgibt, soll auch der Scénic der Zukunft Kind und Kegel transportieren können. Renault nennt es ein "Auto zum Leben".

Im Unterboden sitzen die Batterie und die Brennstoffzelle, während der Wasserstofftank vorn platziert wurde.
Im Unterboden sitzen die Batterie und die Brennstoffzelle, während der Wasserstofftank vorn platziert wurde.

Das Interieur fällt betont futuristisch aus

Dass es der Innenraum der Studie in die Serie schaffen wird, darf jedoch stark bezweifelt werden. Ich hatte in einem Pariser Studio bereits Gelegenheit, in Renaults neuester Zukunftsvision Platz zu nehmen. Beim Einstieg durch die nicht gerade großserientauglichen Schranktüren ist mir eine Sache besonders ins Auge gefallen: Renault hat die trendige Ambientebeleuchtung mit dem neuen Concept Car auf die Spitze getrieben.

Die Türverkleidungen sowie der Armaturenträger leuchten in futuristisch bunten Farben, die ständig changieren. Auf den Displays werden zudem Grafiken angezeigt, die an die Arbeit des im vergangenen Jahr verstorbenen Designers Virgil Abloh erinnern. Anstatt des von Verbrennern gewohnten Mitteltunnels hat Renault dem Scénic Vision eine massive Mittelarmlehne verpasst, die sich wie eine Trennmauer zwischen Beifahrer und Fahrer aufbaut.

Die Bildschirme erinnern an Smartwatches

Letzterer steuert die vermutlich nicht fahrtaugliche Studie mit einem winzigen "Lenkrad", das an Teslas berühmt berüchtigtes Yoke erinnert, und aus dem ungewöhnlich schmal geratenen Armaturenträger ragt. Das Yoke, zu deutsch Bügel, erinnert an das Lenkrad eines Flugzeuges. Die Armatur wirkt übrigens durch einen Clou schmaler: Die neuartigen Airbags sind direkt in die Sitze integriert und schlingen sich bei einem Crash um die Passagiere.

Auf einem breiten Display, das am unteren Rand der Windschutzscheibe angebracht ist, wird das Bild der Frontkameras angezeigt. So bekommt der Fahrer eine ungehinderte Sicht nach vorn, was laut Renault in einem um 24 Prozent vergrößerten Sichtfeld resultieren soll. Anstatt wie gewohnt mittig einen Multifunktions-Touchscreen zu montieren, hat Renault im Cockpit des Scénic Vision insgesamt zehn Vorrichtungen verteilt, mit denen beispielsweise die Sitze verstellt oder die Luftfilteranlage bedient werden kann. Auf mich hat es etwas gewirkt, als wenn die Franzosen bei den Bildschirmen auf herkömmliche Smartwatches gesetzt hätten.

Das "Lenkrad" könnte auch aus einem Science Fiction-Film stammen.
Das "Lenkrad" könnte auch aus einem Science Fiction-Film stammen.

Die Brennstoffzelle lädt die Batterie

Die wahre Innovation steckt derweil im Unterboden der Studie. Während sich ein Großteil der Hersteller mittlerweile von ihren Wasserstoff-Träumen im Auto verabschiedet haben, experimentiert Renault damit, die 15 Kilowattstunden-Brennstoffzelle als einen reinen Generator zu nutzen, um während der Fahrt die Batterie zu laden.

Vor allem bei Urlaubsfahrten soll dieses Konzept sein volles Potenzial entfalten. Dadurch entfallen nämlich die zeitintensiven Ladestopps und die Renault-Kunden können nahezu ohne Unterbrechung bis zu 800 Kilometer abspulen. Einzig der mit 2,5 Kilo recht klein geratene Wasserstofftank muss etwa alle drei Stunden gefüllt werden, was im Idealfall aber nicht einmal fünf Minuten in Anspruch nimmt.

In der Stadt sowie bei kürzeren Fahrten nutzt man den Scénic Vision dagegen wie ein normales E-Auto. Die Antriebsart dürfte sich aber auch bei der Effizienz und den Ladezeiten positiv bemerkbar machen. Die Batterie konnte dank des Range Extenders nämlich deutlich kompakter und leichter gehalten werden. Dadurch wird nicht nur bei der Produktion Energie gespart, sondern auch der Rohstoffbedarf gesenkt. Der über 40 Kilowattstunden verfügende Stromspeicher ist mit der V2G-Technologie ausgestattet, der Strom kann also bei Bedarf auch ins Netz zurückgespeist werden.

Die Grundvoraussetzungen passen noch nicht

Der Hersteller ist sich aber bewusst, dass dieses Antriebskonzept aktuell in der Masse noch nicht wirklich realisierbar ist. Erstens gibt es viel zu wenige Wasserstoff-Tankstellen und zweitens ist grüner Wasserstoff insgesamt noch eine Mangelware, die in anderen Bereichen, wie beispielsweise der Stahlindustrie oder Luftfahrt deutlich sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Die Verantwortlichen von Renault haben aber die Hoffnung, dass sich die Grundvoraussetzungen bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich verbessern und der Wasserstoff-Hybrid ab 2030 eine sinnvolle Alternative zu den CO2-intensiven Riesen-Batterien darstellen wird. Die in die Jahren kommende fünfte Generation des Scénic wird aber noch ein E-Auto des gewohnten Typs sein.

Laut Renault soll der Scénic Vision einen 75 Prozent kleineren CO2-Fußabdruck als andere vergleichbare E-Autos haben.

Die gegenseitig öffnenden Türen und die fehlende B-Säule dürften es nicht in die Serie schaffen.
Die gegenseitig öffnenden Türen und die fehlende B-Säule dürften es nicht in die Serie schaffen.

Renault widmet sich der Kreislaufwirtschaft

Das Platin der Brennstoffzelle ist laut dem Hersteller beispielsweise komplett recycelt und stammt aus ausgemusterten Auto-Katalysatoren. 80 Prozent der in den Lithium-Ionen-Akku enthaltenen Rohstoffe sollen ab 2030 wiederaufbereitet und in neuen Renault-Batterien eingesetzt werden. Dazu kommt, dass die französischen Renault-Werke Flins und Cléon, aus denen die beiden essenziellen Bauteile stammen, ab 2025 klimaneutral produzieren sollen.

Auch beim Rest des Autos, allen voran bei den Stahl- und Aluminiumelementen, setzt der Hersteller konsequent auf die Wiederaufbereitung gebrauchter Materialien. Das außen verwendete Carbon stammt beispielsweise aus der Luftfahrtindustrie, während bei der Herstellung der Wasserstofftanks Abfälle aus der Papierindustrie verwendet werden. Da die Herstellung von Farbpigmenten ebenfalls alles andere als klimafreundlich ist, wurden das Schwarz mit ausgemusterten Kohlefaser-Elementen angemischt. Der Fußboden besteht aus Kunststoffabfällen, die aus der Lebensmittelindustrie stammen. Dabei wurden unter anderem alte Milchflaschen genutzt.

Wenn man den Berechnungen das Gewicht zugrunde legt, soll das Auto zu 70 Prozent aus recycelten Materialien bestehen. Wenn das Concept Car fiktiv am Ende seines Lebenszyklus angekommen wäre, könnten nach Aussage von Renault theoretisch 95 Prozent der Materialien wiederverwertet werden. Auch wenn es sich seinem dem Antriebskonzept und dem konsequenten Kreislauf-System noch um Zukunftsmusik handelt, zeigt der Scénic Vision, wie es Renault innerhalb von weniger als zwanzig Jahren schaffen möchte, in Europa klimaneutral zu werden.

Die Front mit den markanten Tagfahrleuchten trägt die Handschrift des Chefdesigners Gilles Vidal.
Die Front mit den markanten Tagfahrleuchten trägt die Handschrift des Chefdesigners Gilles Vidal.
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