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ROUNDUP: SAP treibt Wachstum zu Lasten der Profitabilität voran - Aktie sinkt

·Lesedauer: 3 Min.

WALLDORF (dpa-AFX) - Europas größter Softwarekonzern SAP <DE0007164600> kommt bei seinem angepeilten Wachstum des Geschäfts mit sogenannter Cloudsoftware voran. Allerdings haben die Investitionen in den Ausbau des Geschäfts mit Software zur Nutzung über das Netz (Cloud) und der Rückzug aus Russland das Ergebnis zum Jahresstart stärker als erwartet belastet. Konzernchef Christian Klein hatte im Herbst 2020 angekündigt, Wachstum erst einmal über eine höhere Profitabilität zu stellen. Seitdem hat der Konzern am Finanzmarkt einen schweren Stand. Die Zahlen für das erste Quartal hellten die Stimmung nicht auf - im Gegenteil: Das Papier des Dax-Schwergewichts gab deutlich nach.

Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis sei in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro gefallen, teilte SAP am Freitag in Walldorf mit. Der Umsatz zog dagegen um elf Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro an; die Erlöse in der Cloud legten dabei um 31 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Die Marge gemessen am bereinigten Betriebsergebnis sank um 3,7 Prozentpunkte auf 23,7 Prozent. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Experten beim Erlös, verfehlte sie aber beim Ergebnis und der Marge deutlich. Die Prognosen für das laufende Jahr wurden erwartungsgemäß bestätigt.

Demnach soll der Umsatz mit Cloudsoftware in diesem Jahr währungsbereinigt um 23 bis 26 Prozent auf bis zu 11,85 Milliarden Euro steigen. Dabei besonders wichtig ist das Tempo bei der Cloudversion der SAP-Kernsoftware S/4 Hana - hier verspricht sich Klein den größten Hebel, um die Geschäfte nach vorn zu bringen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte währungsbereinigt hingegen lediglich stabil bleiben oder sogar um bis zu fünf Prozent schrumpfen, die Marge dürfte damit wegen erhöhter Investitionen ins Wachstum erneut zurückgehen.

Konzernlenker Klein hatte mit dem verstärkten Fokus auf die Cloud in seinem Strategieschwenk auch die hohen Margenambitionen seines Vorgängers kassiert. Erst 2023 soll das operative Ergebnis wieder zulegen. Beim Produktumsatz aus Lizenzprogrammen, Wartungsverträgen und Cloudsoftware rechnet SAP in diesem Jahr mit einem währungsbereinigten Plus von vier bis sechs Prozent auf 25 Milliarden Euro bis zu 25,5 Milliarden Euro. Der freie Barmittelzufluss dürfte mit gut 4,5 Milliarden Euro hinter dem Vorjahreswert von 5 Milliarden zurückbleiben.

In den ersten drei Monaten belasteten nicht nur die Investitionen in den Ausbau des Cloudgeschäfts, sondern auch der Rückzug aus dem Geschäft in Russland, nachdem das Land die Ukraine angegriffen hat. Unter dem Strich brach der Gewinn deshalb um 41 Prozent auf 632 Millionen Euro ein. SAP hatte Anfang März alle neuen Verkäufe in Belarus und Russland gestoppt. Außerdem wurde damit begonnen, den Cloudbetrieb in Russland einzustellen. Zudem seit geplant, Support und die Wartung der On-Premise-Produkte in Russland zu beenden.

Die Belastung für das bereinigte Betriebsergebnis im ersten Quartal bezifferte SAP auf 70 Millionen Euro. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern damit, dass der Rückzug aus Russland den operativen Gewinn mit rund 350 Millionen Euro belastet. Dazu kommen noch Restrukturierungsaufwendungen von bis zu 100 Millionen Euro.

Die Aktie büßte am Vormittag 3,70 Prozent auf 95,89 Euro ein und rutschte damit wieder in Richtung ihres Jahrestiefs von etwas mehr als 94 Euro im Februar ab. Seitdem Rekordhoch im September 2020 von etwas mehr als 143 Euro ging es für das Papier vor allem wegen der einkassierten Margenziele steil nach unten. Der Börsenwert sank seitdem fast 60 Milliarden Euro auf nur noch knapp 120 Milliarden Euro. Damit büßte SAP auch den Rang des wertvollsten deutschen Börsenunternehmens ein - das ist jetzt der Industriegashersteller Linde <IE00BZ12WP82>.

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