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ROUNDUP/Kreise: Telefonica und Liberty Global prüfen Fusion britischer Geschäfte

LONDON (dpa-AFX) - Auf dem britischen Telekommunikationsmarkt steht womöglich ein weiterer größerer Umbruch bevor. So prüfen die spanische Telefonica <ES0178430E18> und der Medienkonzern Liberty Global eine Zusammenlegung ihrer britischen Aktivitäten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertrauten Personen berichtet. Sollte es zu einer Vereinbarung kommen, könnte dies bereits in der kommenden Woche angekündigt werden

Noch sei allerdings keine endgültige Entscheidung gefallen. Die Verhandlungen könnten auch scheitern oder sich verzögern. Ein Sprecher des spanischen Konzerns, der am 7. Mai seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen will, wollte sich nach Angaben von Bloomberg nicht zu den Informationen äußern. Liberty Global war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Telefonica Deutschland <DE000A1J5RX9>, die deutsche Tochter des hoch verschuldeten spanischen Konzerns, wäre von der möglichen Transaktion nicht betroffen.

Bei der Fusion könnten das britische Mobilfunkgeschäft (O2 UK) des hoch verschuldeten spanischen Konzerns und der zu Liberty Global gehörenden Virgin Media, die in Großbritannien Telefon-, Fernseh- und Internetdienste anbietet, zusammengelegt werden. O2 ist unter anderem mit Marken wie Tesco Mobile und Giffgaff mit 34 Millionen Kunden der größte Mobilfunkanbieter Großbritanniens. Virgin Media kam zuletzt auf 5,3 Millionen Kunden.

Da O2 UK das größere der beiden Unternehmen ist, soll Telefonica einem "FT"-Bericht zufolge dafür einen Ausgleichszahlung erhalten. Das auf Telekommunikation und Technologie spezialisierte Analysehaus New Street Research geht davon aus, dass bei einer Kombination der beiden Unternehmen die gemeinsamen Kosten um fünf Milliarden Pfund gedrückt werden können. O2 UK könnte mit umgerechnet mehr als zwölf Milliarden Pfund oder rund 14 Milliarden Euro bewertet werden

Die Transaktion könnte damit die größte in der britischen Telekombranche seit 2015 werden, als der frühere Monopolist BT <GB0030913577> den Mobilfunker EE für rund 12,5 Milliarden britische Pfund übernommen hatte. EE hatte zuvor der Deutschen Telekom <DE0005557508> und dem französischen Konzern Orange <FR0000133308> gehört. Die Deutsche Telekom hält seitdem rund zwölf Prozent der BT-Aktien.

Auch wenn es sich um Spekualtionen handelt, kam eine mögliche Transaktion an den Aktienmärkten schon mal gut an, nachdem es In New York legten die Papiere von Liberty Global um15 Prozent zu, nachdem die Bloomberg-Meldung auf den Markt gekommen ist. Und auch die in den Vereinigten Staaten gehandelten in Form von sogenannten Hinterlegungsscheinen (ADRs) Telefonica-Anteile zogen am Freitagabend deutlich an.

Experten rechnen bereits seit längerem mit einem neuen Vorstoß der Spanier, eine Lösung für das britische Mobilfunkgeschäft zu suchen. 2015 hatte Telefonica mit chinesischen Mobilfunkanbieter Hutchison, der in Großbritannien bereits vertreten ist, eigentlich einen Käufer gefunden - doch der rund 13 Milliarden Euro schwere Deal kam wegen eines Vetos der europäischen Wettbewerbsbehörde nicht zustande.

"Wir hatten starke Bedenken, dass die Verbraucher bei der Suche nach einem passenden Mobilfunkpaket weniger Auswahl gehabt hätten und mehr hätten zahlen müssen", hatte die immer noch amtierende EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die Entscheidung damals begründet. Zudem wären Innovationen und der Ausbau der Netzinfrastruktur im Vereinigten Königreich behindert worden.

Da es sich bei der jetzt kolportierten Transaktion zwischen Telefonica und Liberty Global nicht um einen Zusammenschluss von zwei Mobilfunkunternehmen handeln würde, würde zumindest kein Anbieter verschwinden. Derzeit ist neben O2 UK, der BT, der Hutichson-Sparte Three noch Vodafone <GB00BH4HKS39> aktiv.