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ROUNDUP/'HB': Krise schmälert Spielraum von Thyssenkrupp trotz Aufzugsmilliarden

ESSEN (dpa-AFX) - Der stark angeschlagene Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp <DE0007500001> wird einem "Handelsblatt-"Bericht zufolge wegen der Corona-Krise von den Milliarden aus dem Verkauf der Aufzugssparte weniger als geplant in den Umbau stecken können. "Mittelfristig werden die coronabedingten Liquiditätsabflüsse aller Voraussicht nach dazu führen, dass der finanzielle Spielraum aus dem Verkauf des Aufzuggeschäfts weitaus geringer als ursprünglich angenommen sein wird", zitierte das "Handelsblatt" am Sonntag aus einem Brief des Vorstands an die Mitarbeiter vom vergangenen Donnerstag. Weiter heißt es demnach: "Wir bereiten Lösungswege dafür vor." An der Börse sorgte der Bericht für deutliche Kursverluste.

Die Thyssenkrupp-Aktie gab am Vormittag bis zu 17 Prozent nach und war damit mit Abstand der schwächste Titel im MDax <DE0008467416>. Die Aktie gehört ohnehin zu den großen Verlierern am deutschen Aktienmarkt der vergangenen Wochen. Seit dem Start des Corona-Crashs im Februar sackte der Kurs um fast die Hälfte ab. Mehr hat in diesem Zeitraum kaum ein deutscher Standardtitel verloren. Auf mittel- und langfristige Sicht ist die Bilanz noch desaströser.

Wegen der vielen Fehlinvestitionen sowie Strategie- und Chefwechsel summieren sich die Verluste über die vergangenen fünf Jahre auf fast 80 Prozent und seit dem Hoch im Herbst 2007 sogar auf 90 Prozent. Mit einem Börsenwert von gerade mal noch 3,2 Milliarden Euro gehört der Traditionskonzern, der erst im September 2019 aus dem Dax <DE0008469008> in den MDax abgestiegen ist, selbst im Nebenwerte-Index nur noch zu den Leichtgewichten.

Der vom "Handelsblatt" zitierte Brief dürfte im Zusammenhang mit einer kolportierten, umfangreichen Unterstützung vom Staat stehen. So habe sich der Konzern bei der staatlichen KfW Bankengrippe einen Kredit von rund einer Milliarde Euro gesichert, wie es am Donnerstag aus in Unternehmenskreisen geheißen hatte.

So benötigt der in großen finanziellen Schwierigkeiten steckende Konzern die Staatshilfe, um die Zeit bis zum Eingang der Gelder aus dem Verkauf seiner Aufzugssparte zu überbrücken. Thyssenkrupp hatte seinen profitabelsten Geschäftsteil für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium von Finanzinvestoren verkauft. Für den Vollzug des Geschäfts fehlen noch Genehmigungen der Kartellbehörden. Konzernkreise erwarten, dass das Geld im Sommer fließen kann.

Thyssenkrupp will mit dem Geld aus dem Verkauf eigentlich Schulden abbauen und den Konzernumbau finanzieren. Das Konzept für die neue Strategie will der Vorstand dem Aufsichtsrat im Mai vorstellen.