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ROUNDUP/Firmengruppe: Stehen mit alternativer Corona-Warn-App bereit

BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesregierung hat die Deutsche Telekom <DE0005557508> und SAP <DE0007164600> bereits mit der Entwicklung einer Corona-Warn-App beauftragt - dennoch macht sich eine Gruppe anderer Unternehmen noch Hoffnungen, mit ihrem Projekt zum Zuge zu kommen. "Wir haben eine funktionsfähige Lösung", sagte Rainer Bernnat von der Unternehmensberatung PwC Deutschland der Deutschen Presse-Agentur. Das unterscheide die Gruppe von anderen Anbietern, bei denen der Stand "von fünf bunten Powerpoint-Seiten bis hin zu einem Demo-Prototypen reicht".

Neben PwC Deutschland beteiligen sich an dem Projekt das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die aus ihm herausgegründete Firma SIS Software sowie der Ticket-Spezialist Eventim. Die App werde Anfang Mai bereitstehen und solle firmenintern unter anderem bei PwC Deutschland eingesetzt werden. Die von Google <US02079K1079> und Apple <US0378331005> angekündigten Schnittstellen für Corona-Apps könnten schnell eingebaut werden, sagte SIS-Chef Tobias Franke. "Das wird dann ein ganz kleiner Aufwand, einen Baustein herausnehmen und einen neuen Baustein hereinschieben."

Die Firmengruppe schlägt vor, in Deutschland Voraussetzungen für den Einsatz mehrerer miteinander kompatibler Apps zu schaffen. Das bedeute nicht, dass es auch einen Flickenteppich aus verschiedenen Systemen zur Nachverfolgung von Kontakten geben müsse, betonte Paul Lukowicz vom DFKI. Wenn die Apps auf einer Technologie basierten und es eine einheitliche Anbindung an Gesundheitsämter gebe, "kann man im Prinzip beliebig viele Apps haben, die alle miteinander kooperieren".

"Wir brauchen mehrere Apps", sagte auch PwC-Manager Bernnat. Das könne helfen, die aus Sicht der Partner nötige Abdeckung von 40 bis 50 Millionen Nutzern zu erreichen. Die Firmengruppe sei auch bereit für Kooperationen. Eine Möglichkeit sei, einzelne Module zur Verfügung zu stellen - wie etwa das bereits entwickelte Verfahren zur Verifizierung von Infektionsmeldungen durch Behörden.

Die Corona-Apps sollen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind - und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Die Bundesregierung teilte diese Woche mit, dass der Software-Konzern SAP und die Deutsche Telekom ihre App für Deutschland entwickeln sollen.

SAP-Chef Christian Klein wollte sich in einem am Donnerstag veröffentlichten "Handelsblatt"-Interview noch nicht dazu äußern, wie schnell die App bereitstehen könnte. Zunächst seien mit der Telekom die Teams für die einzelnen Arbeitsschritte gebildet worden.

Der Vorsitzende des Digitalausschusses des Bundestages, Manuel Höferlin (FDP), unterstützt den Einsatz mehrerer Apps. "Am Ende schadet es nichts, wenn es mehrere gute Anwendungen gibt. Wichtig ist, dass sie kompatibel sind", erklärte er. Die Bundesregierung forderte er auf, sie solle "wenigstens nicht länger im Weg stehen und schnellstens alle erforderlichen Weichen stellen, damit die Technologieunternehmen und Startup-Konsortien die App endlich fertig stellen können".