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ROUNDUP 2: VW-Konzern mit Gewinnrückgang - Verkaufsziele gekappt

(neu: Kurse aktualisiert, mehr Details)

WOLFSBURG (dpa-AFX) - Volkswagen DE0007664039DE0007664005 hat wegen hoher Abschreibungen bei Softwareprojekten und Sonderkosten im dritten Quartal trotz eines ordentlichen Laufs im Tagesgeschäft einen Gewinneinbruch erlitten. Im eigentlichen Geschäft konnten die Wolfsburger deutlich zulegen, auch weil das Vorjahresquartal stark von Covid-Einschränkungen geprägt war. Eine milliardenschwere Abschreibung auf den vor drei Jahren mit großen Hoffnungen begleiteten Einstieg bei der US-Softwarefirma Argo lastete aber auf dem Gewinn. Zudem fielen hohe Aufwendungen für die ausgesetzten Geschäfte in Russland und für den Porsche-Börsengang DE000PAG9113 an. Die Ziele für die Jahresauslieferungen musste der Konzern wegen mangelnder Teileversorgung außerdem eindampfen.

Die im Dax DE0008469008 notierte VW-Vorzugsaktie verlor am Freitagnachmittag 3,3 Prozent auf etwas mehr als 126 Euro und gehörte damit zu den Schlusslichtern im deutschen Leitindex. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach allerdings von starken Resultaten, wenn die Sonderbelastungen wie für Russland und den Porsche-Börsengang aus dem operativen Ergebnis herausgerechnet würden. Es habe zwar viele Sondereffekte gegeben, aber die Zahlen sähen nicht so schlimm aus wie befürchtet, schrieb Stifel-Experte Daniel Schwarz. Die seit einem Monat notierten Porsche-AG-Vorzüge legten hingegen um 0,6 Prozent zu.

Konzernchef Oliver Blume, seit Anfang September im Amt, will das Tempo demonstrativ erhöhen. Bereits am Nachmittag werde er intern über die weitere Plattformstrategie entscheiden - und auch für den Rest des Jahres kündigte er Weichenstellungen an. "Was im Umbau zählt, ist Geschwindigkeit", sagte der auch als Porsche-Chef amtierende Manager. Von ihm könne man Entscheidungen erwarten. Es gebe einen klaren Plan für den Rest des Jahres und das kommende, wann welche Entscheidung getroffen würde.

Allerdings wird sich ein weiterer wichtiger Termin für Aktionäre nach hinten verschieben. Die üblicherweise im November anstehende große Investitionsplanungsrunde rutscht ins kommende Jahr, weil der Konzern angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen rund um den Ausbruch des Ukraine-Kriegs mehr Zeit braucht, seine langlaufenden Planungen anzupassen. Im Frühjahr wollen Blume und Finanzchef Arno Antlitz dann aber auf einem Kapitalmarkttag ausführlich zu Strategie und Details Stellung nehmen.

Im Tagesgeschäft des dritten Quartals fuhr VW Umsatz- und Ergebnisanstiege ein. Die Auslieferungen lagen mit 2,18 Millionen Fahrzeugen um elf Prozent über dem Wert aus dem Vorjahr, als der Mangel an Elektronikchips die Produktion besonders stark eingeschränkt hatte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um mehr als die Hälfte auf 4,3 Milliarden Euro zu. Und es wäre noch stärker ausgefallen, hätte VW nicht 1,6 Milliarden Euro für die eingestellten Geschäfte in Russland und für den milliardenschweren Börsengang der Stuttgarter Porsche-Tochter zu schultern gehabt.

Unter dem Strich blieben nach Steuern aber nur 2,13 Milliarden Euro übrig, das ist gut ein Viertel weniger als vor einem Jahr. Das in dieser Woche verkündete Aus für die Software-Beteiligung Argo, bei der Volkswagen zusammen mit Ford US3453708600 Software für das autonome Fahren entwickeln lassen wollte, kommt den Konzern nämlich teuer zu stehen - die Abschreibungen dafür betrugen 1,9 Milliarden Euro.

Auch wenn Blume den Schritt als Fokussierung der Softwareambitionen darstellte, zeigt das Ende für Argo auch, welche schwierigen Aufgaben auf den neuen VW-Chef in Sachen Auto-Software warten. Es seien technische und geschäftliche Gründe gewesen, Argo aufzugeben, sagte Blume. In jüngerer Zeit hatte VW insbesondere in seiner konzerneigenen Softwaresparte Cariad mit Problemen zu kämpfen, die teils Modellanläufe verzögerten.

Auch die Teileknappheit ist der Konzern noch nicht los. So wurde VW beim Blick auf die Verkäufe in diesem Jahr vorsichtiger. Die Auslieferungen weltweit erwartet das Management jetzt nur noch auf Vorjahresniveau, also bei ungefähr 8,9 Millionen verkauften Fahrzeugen. Bisher stand noch ein Plus von 5 bis 10 Prozent in den Plänen. Grund für die gekappten Aussichten seien im wesentlichen Probleme in den Lieferketten, sagte Antlitz.

Die Teileverfügbarkeit werde im vierten Quartal besonders herausfordernd, hieß es von der Kernmarke VW Pkw. Die Markengruppe Premium um Audi, Lamborghini, Bentley und Ducati schraubte ihre Ziele für die Verkäufe zurück und sprach von einer anhaltend herausfordernden Versorgungslage. Allerdings sieht Antlitz keine Gefahr für die Konzernziele bei Umsatz und operativem Ergebnis. Der Erlös soll weiter um 8 bis 13 Prozent wachsen gegenüber den 250 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Vom Umsatz sollen 7 bis 8,5 Prozent als operatives Ergebnis hängen bleiben, und zwar eher am oberen Ende der Spanne.

Die Renditeperle Porsche AG konnte rund um ihren Börsengang zulegen. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz - inklusive der Finanzdienstleistungen - um knapp 16 Prozent auf 26,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis zog von knapp 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf 5,05 Milliarden Euro an. Porsche bleibt dabei, den Erlös dieses Jahr auf 38 bis 39 Milliarden Euro steigern zu wollen und eine operative Marge zwischen 17 und 18 Prozent zu erreichen. Nach den ersten drei Quartalen hat Porsche AG dabei einen gewissen Puffer: Bisher stehen 18,9 Prozent Marge zu Buche. Unter dem Strich erwirtschaftete das Unternehmen einen Nettogewinn von 3,7 Milliarden Euro, eine Milliarde mehr als vor einem Jahr.

Mit Blick auf die EU-Verständigung, von 2035 an nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen, gab sich Blume zuversichtlich. "Wir haben eine starke Strategie der Elektrifizierung. Wir werden auf diese Entscheidung vorbereitet sein", sagte er.