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ROUNDUP 2: Trump setzt persönliche Wahlkampfauftritte nach Corona-Infektion aus

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(erweiterte Fassung)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Rund einen Monat vor der Wahl in den USA zwingt die Infektion mit dem Coronavirus US-Präsident Donald Trump dazu, seine persönlichen Wahlkampfauftritte auszusetzen. Trumps Wahlkampfchef Bill Stepien teilte am Freitag mit, alle bereits angekündigten Wahlkampfveranstaltungen unter Teilnahme des Republikaners würden entweder verschoben oder online abgehalten. Trump-Herausforderer Joe Biden von den US-Demokraten setzt seinen Wahlkampf dagegen fort. Die Wahl findet am 3. November statt.

Trumps Arzt Sean Conley hatte in der Nacht zu Freitag verkündet, dass der 74 Jahre alte Präsident und First Lady Melania Trump positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Nach Angaben von Trumps Stabschef Mark Meadows wies der Präsident am Freitag "milde Symptome" auf. First Lady Melania Trump schrieb auf Twitter, sie habe ebenfalls "milde Symptome", fühle sich aber insgesamt gut.

Trump hatte am Samstag und in den kommenden Tagen Wahlkampfauftritte in den Bundesstaaten Florida, Wisconsin und Arizona geplant. Ungeachtet der Coronavirus-Pandemie hatte er in den vergangenen Wochen Wahlkampfauftritte teils vor Tausenden Anhängern absolviert, bei denen er stets ohne Maske auftrat.

Trumps Wahlkampfteam teilte mit, Veranstaltungen mit Mitgliedern der Trump-Familie würden ebenfalls verschoben. Bei allen anderen Veranstaltungen werde im Einzelfall entschieden, ob sie stattfinden. Vizepräsident Mike Pence plane, seine Wahlkampfveranstaltungen wieder aufzunehmen. Pence war am Freitag nach Angaben seines Arztes Jesse Schonau negativ auf das Coronavirus getestet worden.

Biden wollte am Freitag (Ortszeit) wie geplant eine Ansprache in Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan halten. Bidens Arzt Kevin O'Connor hatte zuvor mitgeteilt, dass der 77-Jährige und dessen Ehefrau Jill Biden negativ getestet worden seien.

Biden und Trump standen am vergangenen Dienstag bei ihrer ersten TV-Debatte auf einer Bühne. Die beiden Kontrahenten hielten zwar stets einen deutlichen Abstand voneinander - laut Medienberichten waren es knapp vier Meter. Sie trugen in der zum Teil sehr hitzig und laut geführten Diskussion allerdings keine Masken. Trump könnte bereits in den Tagen vor seinem positiven Corona-Test ansteckend gewesen sein. Unklar blieb auch, ob die Kandidaten sich hinter den Kulissen in unmittelbarer Nähe aufgehalten haben könnten.

Am Freitag wurde bekannt, dass Trump am Vortag zu einem Treffen mit Spendern geflogen war, obwohl das Weiße Haus bereits vom positiven Corona-Test einer engen Beraterin wusste. "Es wurde befunden, dass es sicher für den Präsidenten ist, dorthin zu reisen", sagte Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany am Freitag vor Journalisten.

Die größere Frage ist allerdings angesichts des positiven Corona-Tests von Trump in der Nacht zum Freitag, ob er selbst eine Gefahr für die Teilnehmer des Treffens darstellte. McEnany sagte nichts dazu, ob dies auch berücksichtigt worden sei. Der Gouverneur von New Jersey, Phil Murphy, forderte die Teilnehmer an der Veranstaltung dazu auf, sich testen zu lassen.

Das Treffen mit Spendern in Trumps Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. "Es war ein Event im Freien", sagte McEnany. Die Website "Politico" berichtete allerdings unter Berufung auf einen Teilnehmer, es habe auch ein Treffen im engeren Kreis mit Spendern, die besonders viel Geld bereitgestellt hätten, gegeben.

Donald Trump führt seine Amtsgeschäfte nun in Quarantäne im Weißen Haus weiter. Meadows sagte über Trump: "Ich bin optimistisch, dass er sich sehr schnell und zügig erholen wird." Trump sei nicht nur "in guter Stimmung", sondern auch sehr energiegeladen. "Seine erste Frage an mich heute Morgen lautete: Wie geht es unserer Wirtschaft?" Sollte Trump seine Amtsgeschäfte nicht ausüben können, müsste Vizepräsident Mike Pence einspringen.

Biden teilte auf Twitter mit, er und Ehefrau Jill wünschten Donald und Melania Trump "eine rasche Genesung". "Wir werden weiterhin für die Gesundheit und Sicherheit des Präsidenten und seiner Familie beten." In einem späteren Tweet, in dem er seine negative Diagnose bekannt gab, schrieb er: "Ich hoffe, das dient als Erinnerung: Tragen Sie eine Maske, halten Sie Abstand, waschen Sie Hände."

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sagte ebenfalls, sie bete für den Präsidenten und die First Lady. "Und hoffentlich wird das eine Botschaft an den Rest des Landes sein, dass man seine Maske tragen muss", sagte sie dem Sender CNN. Pelosi steht in der Rangfolge an dritter Stelle nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten.

Nach Angaben des Weißen Hauses wurden Trumps Tochter und Beraterin Ivanka Trump, ihr Ehemann Jared Kushner - auch er ein Berater des Präsidenten - sowie Trumps Sohn Barron negativ auf das Virus getestet. US-Außenminister Mike Pompeo sagte auf einem Flug nach Kroatien, sein Test am Freitag sei negativ ausgefallen. Die Vorsitzende des Parteivorstands der Republikaner, Ronna McDaniel, wurde nach Angaben der Partei dagegen positiv getestet. Sie hält sich allerdings bereits seit Samstag im Bundesstaat Michigan auf.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) steigt bei Coronavirus-Infektionen das Risiko einer schweren Erkrankung ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Als weitere Risikofaktoren gelten Vorerkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie Übergewicht. Zu Trumps generellem Zustand wird einmal im Jahr ein Gesundheitscheck veröffentlicht. Leibarzt Conley schrieb im jüngsten Bericht Anfang Juni, der Präsident sei gesund.

Trump ist nicht der erste Spitzenpolitiker, der sich weltweit infiziert hat. Unter anderen hatte sich der kanadische Premier Justin Trudeau und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro angesteckt. Der britische Premier Boris Johnson bildete Symptome aus und musste zeitweise auf der Intensivstation behandelt werden. Trump hatte sich damals bestürzt über die Nachrichten aus London gezeigt.

Trump wird in der Corona-Pandemie immer wieder vorgeworfen, die Gefahr durch das Virus nicht ernstzunehmen. Er trägt in der Öffentlichkeit meist keine Maske und hat sich mehrfach abfällig über das Tragen von Mund-Nasen-Schutz geäußert. Herausforderer Biden verspottete er noch am Dienstag bei der Debatte dafür.

Im Wahlkampf ist Trump noch stärker unter Druck geraten, weil er in Interviews des Investigativreporters Bob Woodward eingeräumt hatte, die Gefahr durch das Virus heruntergespielt zu haben. Der Präsident führte zu seiner Verteidigung an, er habe keine Panik in der Bevölkerung auslösen wollen.

In den USA gibt es bisher 7,2 Millionen Corona-Fälle, mehr als 207 000 Menschen sind nach einer Infektion gestorben. Trump machte für die hohe Fallzahl wiederholt die vielen Tests verantwortlich, die die USA mittlerweile ausführen. Am Montag hatte Trump noch bekanntgegeben, dass die US-Regierung die Corona-Testkapazität mit Schnelltests weiter deutlich ausbaue. In Umfragen stellt eine Mehrheit Trumps Krisenmanagement ein schlechtes Zeugnis aus. Trump selber lobt es dagegen regelmäßig.

Aus aller Welt kamen Genesungswünsche, unter anderen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin, von den Premierministern Israels und Großbritanniens, Benjamin Netanjahu und Boris Johnson, sowie von EU-Ratspräsident Charles Michel.

Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt. Die Corona-Pandemie, die in den USA keineswegs unter Kontrolle ist, hatte den Wahlkampf ohnehin auf den Kopf gestellt. In landesweiten Umfragen liegt der Demokrat Biden beständig vorn, allerdings haben diese wegen des komplizierten Wahlsystems nur eine begrenzte Aussagekraft.