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ROUNDUP 2: Munich Re trotzt Belastungen durch Ukraine-Krieg - Gewinnziel steht

(neu: Weitere Aussagen aus Telefonkonferenz zu Versicherungsschäden infolge des Kriegs und Anleihe-Abschreibungen, aktualisierte Kursreaktion.)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Rückversicherer Munich Re <DE0008430026> ist trotz hoher Belastungen durch den Ukraine-Krieg mit etwas mehr Gewinn ins Jahr gestartet. Trotz einer teuren Abschreibung auf russische und ukrainische Anleihen sowie Versicherungsschäden infolge des Kriegs verdiente der Dax-Konzern <DE0008469008> im ersten Quartal mehr als ein Jahr zuvor. Der Vorstand sieht den Konzern daher auf Kurs zum geplanten Jahresgewinn von 3,3 Milliarden Euro. Zudem rechnet er mit höheren Prämieneinnahmen als bislang, wie das Unternehmen am Dienstag in München mitteilte.

An der Börse wurden die Nachrichten eher positiv aufgenommen. Die Munich-Re-Aktie legte kurz nach Handelsstart um mehr als zwei Prozent zu, lag zuletzt noch mit einem Plus von noch rund 0,7 Prozent aber nur noch im hinteren Mittelfeld des Dax. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier rund 17 Prozent an Wert eingebüßt.

Im ersten Quartal verdiente die Munich Re unter dem Strich 607 Millionen Euro und damit rund zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Gewinnanstieg im Versicherungsgeschäft und der Einbruch bei den Gewinnen aus Kapitalanlagen glichen sich in etwa aus, erklärte Finanzvorstand Christoph Jurecka in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

So schlugen die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Sanktionen gegen Russland bei den Münchnern teuer zu Buche. Die Munich Re schrieb fast 700 Millionen Euro auf russische und ukrainische Anleihen ab - was sowohl die Rückversicherungssparte als auch die Erstversicherungstochter Ergo traf. Netto belief sich die Belastung für den Konzern noch auf 370 Millionen Euro, weil die Lebensversicherungskunden einen Teil der Verluste tragen müssen - und die Abschreibungen die Steuerlast mindern, wie Jurecka erläuterte.

Der Restwert der Anleihen sei nun "vergleichsweise klein", sagte der Manager. So stünden die Staatsanleihen aus beiden Ländern noch mit einem Wert von 20 Prozent in den Büchern des Konzerns, Unternehmensanleihen mit etwas mehr.

Zudem verbuchte der Konzern im ersten Quartal infolge des Kriegs Versicherungsschäden von etwas über 100 Millionen Euro. Es gebe noch nicht viele Schadenmeldungen, sagte Jurecka. "Wir haben also überlegt, was könnte schon eingetreten sein." Während normale Verträge im Schaden- und Unfallgeschäft Kriegsrisiken ausgeschlossen seien, erwartet er Belastungen in Spezialbereichen wie der Versicherung von Transporten, Krediten und politischer Gewalt.

In der zurückgestellten Summe ist dem Manager zufolge auch ein Betrag für die Flugzeuge enthalten, die ausländische Flugzeugfinanzierer an russische Airlines verleast hatten - und nun nicht mehr zurückbekommen. Ob daraus tatsächlich ein Versicherungsschaden entsteht, müssen aber voraussichtlich Gerichte klären. In diesem Bereich gebe es so große Unsicherheiten, dass die Sache am Ende ganz anders ausgehen könne, sagte Jurecka.

Auch deshalb und wegen der "fragilen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen", der Schwankungen an den Kapitalmärkten sowie des unklaren Fortgangs der Pandemie und des Kriegs sieht der Vorstand seine Prognosen und Ziele des Konzerns unter erhöhter Unsicherheit.

Dennoch hält er an seinem Ziel fest, den Überschuss des Konzerns in diesem Jahr wie geplant auf rund 3,3 Milliarden Euro zu steigern. Dazu sollen die Prämieneinnahmen konzernweit auf 64 Milliarden Euro wachsen. Das sind drei Milliarden mehr als zuletzt angepeilt.

So baute der Konzern sein Geschäftsvolumen bei der Vertragserneuerung in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum 1. April um knapp acht Prozent auf 2,7 Milliarden Euro aus. Die Preise blieben risiko- und inflationsbereinigt dabei in etwa stabil. Für die nächste Erneuerungsrunde im Juli erwartet das Management um Vorstandschef Joachim Wenning ein stabiles Marktumfeld mit "attraktiven Wachstumsmöglichkeiten".

Im ersten Quartal steigerte die Munich Re ihre Bruttoprämieneinnahmen im Jahresvergleich um fast 16 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro. Zwar musste der Konzern für die Überflutungen in Australien mit 440 Millionen und für die Folgen der Winterstürme in Europa mit knapp 120 Millionen Euro geradestehen. Doch insgesamt fiel die Großschadenlast mit 667 Millionen Euro rund ein Viertel geringer aus als ein Jahr zuvor. Das lag auch an der Auflösung von Rückstellungen für Schäden aus vergangenen Jahren.

Dadurch blieb von den Prämieneinnahmen in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung deutlich mehr übrig: Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich von 98,9 auf 91,3 Prozent und lag damit deutlich unter der kritischen 100-Prozent-Marke. Analysten hatten im Schnitt eine deutlich schlechtere Quote erwartet.

Die Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo musste in Deutschland hingegen höhere Schäden schultern, sodass sich die Schaden-Kosten-Quote hierzulande von 94,2 auf 97,4 Prozent verschlechterte. Und während die Rückversicherungssparte ihren Gewinn im Jahresvergleich um ein Viertel auf 511 Millionen Euro steigerte, brach das Ergebnis bei Ergo um fast die Hälfte auf 96 Millionen Euro ein.

Auch die vielen Todesfälle infolge der Corona-Pandemie schlugen bei der Munich Re weiterhin negativ zu Buche: Im ersten Quartal lag die Belastung in der Leben- und Kranken-Rückversicherung bei 150 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück <DE0008402215> verbuchte im ersten Quartal infolge von Großschäden, erster Rückstellungen für die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Pandemie einen Gewinnrückgang um 14 Prozent. Der Schweizer Konkurrent Swiss Re <CH0126881561> sackte sogar in die roten Zahlen - auch weil ihn die Pandemie-Folgen eine weitere halbe Milliarde US-Dollar (rund 475 Mio Euro) kosteten.

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