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Regierung in Paris kontert Attacken von US-Firmenchef

Mit harschen Drohungen hat die französische Regierung auf die herablassenden Äußerungen eines US-Firmenchefs reagiert, der sich über die Arbeitsmoral der Franzosen lustig gemacht hat. Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg warf dem Chef des US-Reifen-Unternehmens Titan in einem Brief "ebenso radikale wie beleidigende" Äußerungen vor. Er drohte eine besonders strikte Kontrolle für Reifen-Importe von Titan nach Frankreich an.

Titan-Chef Maurice Taylor hatte sich in einem Brief an Montebourg über die "sogenannten Arbeiter" in einem französischen Reifen-Werk lustig gemacht, die höchstens "drei Stunden" am Tag arbeiten würden. Zuvor hatte Montebourg den US-Konzern gebeten, eine Übernahme des von der Schließung bedrohten Reifen-Werks des US-Konzerns Goodyear im nordfranzösischen Amiens zu prüfen. Der Titan-Chef erteilt dem Ansinnen eine unverblümte Absage: "Was glauben Sie eigentlich, wie dumm wir sind?"

Montebourg antwortete nun in einem am Mittwochabend veröffentlichten Brief, diese Äußerungen seien "ebenso lächerlich wie unfreundlich". Tausende US-Unternehmen würden in Frankreich investieren und dabei besonders den Einsatz, die Kompetenz und Produktivität der französischen Arbeitnehmer schätzen. "Ihre ebenso radikalen wie beleidigenden Äußerungen zeugen von einer völligen Ignoranz unseres Landes."

Der sozialistische Industrieminister, der sich seit seinem Amtsantritt im vergangenen Mai zum Ziel gesetzt hat, notleidenden französischen Betrieben wieder auf die Beine zu helfen und Arbeitsplätze in Frankreich zu retten, drohte dem US-Firmenchef in seinem Schreiben aber auch unverhohlen mit Sanktionen: "Seien Sie versichert, dass Sie sich auf mich verlassen können, um durch die zuständigen Behörden der französischen Regierung mit doppeltem Eifer Ihre Import-Reifen überwachen zu lassen."

Der Titan-Konzern hatte 2012 vorgeschlagen, mehr als 500 Angestellte des angeschlagenen Goodyear-Werkes in Amiens zu übernehmen, doch das Projekt war später gescheitert. Der Versuch der Regierung in Paris, die Gespräche wieder in Gang zu bringen, hatte den Brief des Titan-Chefs an Montebourg zur Folge.

In einem Gespräch mit AFP sagte Taylor am Mittwoch, die französische Regierung solle für ausländische Investoren "den roten Teppich ausrollen" statt zu verhandeln. Verhandlungen seien nicht möglich, weil "wir als einzige in der Welt Geld in das Unternehmen stecken wollten". Er fügte hinzu: "Wir sind die, die das Scheckheft haben, und Sie sagen uns, wir müssten erst die Gewerkschaften treffen. Sie sind verrückt." Über seine deutlichen Worte an den französischen Minister sagte Taylor, das Schreiben an Montebourg sei "kein Liebesbrief, wir reden über Geschäfte."

Der US-Reifenhersteller Goodyear, der in anderen Ländern mit Titan zusammenarbeitet oder Werke an Titan verkauft hat, hatte Ende Januar angekündigt, das Werk in Amiens-Nord schließen zu wollen. Bedroht sind 1173 Arbeitsplätze.

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