Deutsche Märkte geschlossen

Reddit-Rebellen halten die Märkte weiter in Atem

Kort, Katharina
·Lesedauer: 4 Min.

Gamestop-Aktien fallen, während Silber steigt und Robinhood sich Milliarden bei seinen Investoren besorgen muss. Hollywood und Netflix wollen die Finanz-Rebellen verfilmen.

Die Woche hat für die neuen Gamestop-Aktionäre mit einem bösen Erwachen begonnen. Die Einzelanleger, die in der vergangenen Woche auf Online-Foren ihren Angriff auf die Hedgefonds organisiert und den Gamestop-Kurs in ungeahnte Höhen getrieben hatten, mussten am Montag Verluste hinnehmen. Der Aktienkurs des Videospiel-Händlers fiel um fast ein Drittel. Dafür kletterte der Preis für Silber um neun Prozent.

Die neuen, meist jungen Rebellen der Finanzmärkte halten damit die Märkte weiter in Atem. Vergangene Woche hatten sie mit ihrem gemeinsamen Vorgehen gleich mehreren Hedgefonds milliardenschwere Verluste beschert, indem sie Aktien kauften, bei denen die Fonds auf fallende Kurse gesetzt hatten. Vor allem Gamestop und die Kinokette AMC waren in ihr Visier geraten, ebenso wie die Einzelhandelsketten Koss und Express.

Nun bewegen die neuen, vernetzten Day Trader auch Edelmetalle. Am Montag stand vor allem Silber im Mittelpunkt, weil vergangene Woche in den Foren der „Wall Street Bets“ auf der Internetplattform Reddit verschiedene Teilnehmer Silber ins Spiel gebracht hatten.

Der Preis für Silber stieg um neun Prozent und die Aktienkurse von Minen-Unternehmen wie First Majestic Silver Corp, Pan American Silver und Hecla Mining legten mehr als 20 Prozent zu.

Wenig Leerverkäufe bei Silber

Dabei ist nicht klar, ob wirklich die Reddit-Aktionäre dahinter stecken oder ob nicht längst auch andere Investoren – auch Hedgefonds – auf den Zug aufgesprungen sind und Reddit nach Trading-Ideen durchsuchen. Anders als bei Gamestop oder AMC gab es bei Silber deutlich weniger Investoren, die auf fallende Preise gesetzt haben. Damit entspräche eine Investition dort nicht der bisher angewendeten Strategie.

Die Strategie der neuen Mob-Anleger war bisher einfach: Sie halten Ausschau nach Aktien, bei denen besonders viele Leerverkäufer aktiv sind. Das sind meist Hedgefonds, die Aktien verkaufen, die sie gar nicht besitzen, sondern nur geliehen haben. Wenn sie die Aktien zurückgeben müssen, müssen sie sich mit den entsprechenden Aktien eindecken. Fällt der Kurs, können sie die Differenz zwischen Verkaufspreis und dem späteren niedrigeren Marktpreis als Gewinn einstecken. Steigt der Kurs, machen sie einen Verlust. Und der hat kein Limit.

Im Fall von Gamestop haben die Anleger den Kurs absichtlich massiv steigen lassen, um die Hedgefonds zu zwingen, die Aktien zu kaufen, um noch höhere Verluste zu vermeiden. Das wiederum trieb die Kurse zusammen mit den Reddit-Investoren weiter in die Höhe – zuletzt um mehr als 1000 Prozent.

Auch am Montag lag die Gamestop-Aktie selbst nach einem Einbruch von mehr als 30 Prozent noch immer beim 12-Fachen des Werts von Anfang des Jahres.

Grund für den Kursrutsch waren auch die Handelsbeschränkungen von bei Millennials beliebten Online-Handels-Plattformen wie Robinhood. Die hatten ihren Kunden zunächst nur noch erlaubt, eine einzige Aktie von Gamestop zu kaufen und das im Laufe des Montags auf vier gelockert.

Elon Musk kritisiert Robinhood-Gründer Vlad Tenec

Für die Handelsbeschränkung musste sich der Robinhood-Mitgründer Vlad Tenec am Sonntag Abend sogar in einem Gespräch mit Tesla-Chef Elon Musk auf der Audio-Plattform Clubhouse rechtfertigten. „Die Menschen wollen eine Antwort, und sie wollen die Details wissen und die Wahrheit“, monierte Musk, der in der Vergangenheit selbst Opfer von Leerverkäufern war und damit sensibel bei dem Thema ist.

Robinhood-Chef Tenec nannte als Grund für die Beschränkungen die Forderungen der Clearinghäuser, die die Transaktionen abwickeln. Die National Securities Clearing Corporation verlangt bei so hohen Transaktionen milliardenschwere Sicherheiten.

Deshalb hat Robinhood laut Medienberichten am Montag von seinen Investoren weitere 2,4 Milliarden Dollar erhalten. Bereits vergangene Woche haben die Investoren den Online-Broker mit einer zusätzlichen Milliarde unterstützt.

Netflix und Metro-Goldwyn Mayer wollen die Finanz-Rebellen verfilmen

„Wir befinden uns im Wilden Westen“, kommentierte der Aktien-Stratege Bob Doll von Nuveen gegenüber dem Börsensender CNBC die Lage. Er macht dafür einen Mix aus extrem günstigen Geld, Stimulus-Programmen, viel Zeit und zero Kommissionen bei vielen Brokern verantwortlich. „Ich glaube, wir müssen uns auf weitere solche Spekulationen einstellen“, mahnt er.

Zumindest bei Gamestop gab es zuletzt Anzeichen, dass die Zahl der Leerverkäufer zurückgegangen ist. Laut Bloomberg waren am Montag nur noch 39 Prozent der frei verfügbaren Aktien geshortet – also mit Leerverkäufern im Hintergrund. Zum Vergleich: Mitte Januar waren es noch 114 Prozent.

Die Geschichte der jungen Rebellen gegen die alten Wall Street-Banker fasziniert längst nicht nur Finanzmarkt-Profis: Laut einem Bericht des Wall Street Journal wollen sowohl Netflix als auch das Hollywood-Studio Metro-Goldwyn-Mayer die Saga der vergangenen Tage verfilmen.