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Ein Recht auf frische Luft oder ergonomische Schreibtische am Arbeitsplatz? Das könnt ihr von eurem Chef fordern

·Lesedauer: 5 Min.

Juristisches Halbwissen kann viel Ärger, Zeit und Geld kosten. Ihr wollt eure Nerven und euer Portemonnaie lieber schonen? Dann ist unsere Kolumne „Kenne deine Rechte“ genau das Richtige für euch. Hier beantworten die beiden Anwälte Pascal Croset und Inno Merkel von der Berliner Kanzlei Croset alle zwei Wochen eine Frage rund ums Arbeitsrecht.

Aus der Redaktion kam folgende Frage: Ich hätte gerne einen höhenverstellbaren Schreibtisch – habe ich ein Anrecht darauf?

Wer in seinem Arbeitsalltag dem Lärmpegel in einer Kita ausgesetzt ist oder acht Stunden durchgehend am Schreibtisch sitzt, weiß, dass Arbeiten unter Umständen krank machen kann. Deswegen hat der Gesetzgeber zahlreiche Arbeitsschutz-Maßnahmen erlassen, wie die Arbeitsstättenverordnung (kurz: ArbStättV) und das Arbeitsschutzgesetz (kurz: ArbSchG), die von Unternehmen eingehalten werden müssen. Ein zentraler Aspekt dieser Maßnahmen ist die Ergonomie des Arbeitsplatzes. Was es damit auf sich hat und welche Pflichten euer Arbeitgeber hat, lest ihr jetzt.

Was bedeutet Ergonomie am Arbeitsplatz?

Die Ergonomie – griechisch für „Arbeit“ und „Gesetz“ – ist die laut dem Duden als „Wissenschaft von den Leistungsmöglichkeiten und -grenzen des arbeitenden Menschen sowie von der optimalen wechselseitigen Anpassung zwischen dem Menschen und seinen Arbeitsbedingungen“ definiert. Auf den Arbeitsplatz bezogen bedeutet das, sich Gedanken darüberzumachen, wie ein Angestellter an seinem Arbeitsplatz bestmöglich arbeiten und die maximale Leistung abliefern kann, ohne sich selbst damit zu schaden – in welcher Form auch immer. Die körperliche und geistige Gesundheit der Arbeitnehmer steht dabei an erster Stelle. Der Schwerpunkt liegt in der Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie den Bedingungen, unter denen die Arbeit durchgeführt wird. Dazu gehören etwa Schreibtische und -stühle oder auch Umwelteinflüsse wie Lärm, Licht oder Raumklima.

Wie sehen die rechtlichen Regelungen aus?

Die oben erwähnten Gesetze verpflichten euren Arbeitgeber dazu, euch so einzusetzen, dass ihr am Arbeitsplatz keinen vermeidbaren körperlichen oder seelischen Schaden erleidet. Dafür muss euer Arbeitsplatz den gesetzlich verankerten Standards entsprechend eingerichtet werden. Kommt euer Chef dieser Verpflichtung nicht nach, droht ihm ein Bußgeld.

Aus Angst der Karriere zu schaden, setzen allerdings nur wenige Arbeitnehmer ihre Ansprüche durch. Solltet ihr in einem Unternehmen arbeiten, das einen Betriebsrat hat, sorgt dieser in der Regel dafür, dass die Arbeitsschutzgesetze eingehalten werden – und setzt dies wenn nötig auch mit einem Anwalt für Arbeitsrecht um.

Was bedeutet das konkret für meinen Arbeitsplatz?

Nun sieht jeder Arbeitsplatz anders aus und genauso verhält es sich auch mit den möglichen Belastungen. Der Gesetzgeber kann natürlich nicht für jede einzelne Arbeitsplatzsituation bereits ausgearbeitete Richtlinien vorlegen. Ausgehend von allgemeinen Grundsätzen könnt ihr euch allerdings an eine eigene Beurteilung eures Arbeitsplatzes aus ergonomischer Sicht herantasten – kommt ihr zu dem Schluss, dass da durchaus mehr geht, solltet ihr als Erstes das Gespräch mit euren Kollegen, dem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat suchen, in schwierigeren Fällen natürlich auch mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Für manche Arbeitsplatzsituationen gibt es allerdings schon konkretere Richtlinien, wie zum Beispiel für die Arbeit an Schreibtisch und Computer. Euer Arbeitgeber hat gemäß der Bildschirmarbeitsverordnung dafür Sorge zu tragen, dass die Geräte, die ihr benutzt, eure Tätigkeit an sich und auch euer Arbeitsplatz gewissen Standards des Arbeitsschutzes entsprechen.

Büros ohne Fenster, höhenverstellbare Schreibtische nach Bandscheibenvorfall – was geht, was geht nicht?

Wie bereits gesagt, gibt es nicht immer konkrete Vorgaben. Bei einem Büro ohne Fenster ist das allerdings anders. Die neue Arbeitsstättenverordnung schreibt vor, dass „der Arbeitgeber (…) als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben darf, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben.“ Einzige Ausnahme sind bereits bestehende „Räume, die bis zum 3. Dezember 2016 eingerichtet worden sind“. Das heißt leider, dass es in Deutschland noch reichlich Arbeitsplätze geben dürfte, die in fensterlosen Räumen liegen. Wenn ihr in so einem Büro arbeiten müsst, geht das allerdings nur unter bestimmen Voraussetzungen:

  • Der Raum muss gut belüftet werden, beispielsweise durch eine Klimaanlage.

  • Die durchschnittliche Zimmertemperatur darf 26 Grad nicht überschreiten, außer in gelegentlichen Ausnahmefällen, wie zum Beispiel im Hochsommer

Ähnlich verhält es sich bei der Büroeinrichtung: In der Praxis bezieht ein ergonomisches Arbeitsumfeld für Schreibtischarbeit einen Tisch und einen Stuhl mit ein – wobei ein Schreibtischstuhl sich individuell auf eure Bedürfnisse einrichten lassen muss – etwa indem ihr die Höhe verstellen könnt. Für den Tisch gilt das nicht, zumindest so lange euer Arbeitgeber die allgemeinen Richtlinien der neuen Arbeitsstättenverordnung einhält. Ein Recht auf einen höhenverstellbaren Schreibtisch habt ihr also nicht. Auch dann nicht, wenn ihr ein Attest vorlegen könnt, das belegt, dass dieser gesundheitlich nötig ist.

Dies kann sich allerdings ändern, und zwar, wenn ihr an mehr als 42 Kalendertagen in den vergangenen zwölf Monaten arbeitsunfähig wart. In solchen Fällen ist der Arbeitgeber verpflichtet, euch ein betriebliches Eingliederungsmanagement anzubieten und dieses auch durchzuführen. Hier sollen ein Betriebsarzt, euer Arbeitgeber und der Betriebsrat gemeinsam mit euch eine Lösung finden, wie eure Arbeitsunfähigkeit reduziert oder verhindert werden kann. Unter Umständen kann es dann sehr schnell gehen mit dem höhenverstellbaren Schreibtisch.

Und was gilt im Home Office?

Die Arbeitsstättenverordnung im Home Office ist die gleiche wie im Betrieb. Das heißt, dass auch hier euer Arbeitgeber die Grundsätze der Ergonomie berücksichtigen muss. Wenn ihr euch also extra einen Stuhl oder einen Tisch für euer Home Office angeschafft habt, muss der Arbeitgeber dafür aufkommen.

Was der Arbeitgeber nicht immer kann, ist eine regelmäßige Begehung organisieren. Er kann euch also auch telefonisch befragen, um sicherzustellen, dass ihr alle gesetzlichen Vorgaben auch im Home Office einhaltet. Solltet ihr im Home Office dann manchmal nicht auf dem ergonomischen Bürostuhl sitzen, sondern mit dem Laptop auf der Couch liegen, dann kann und muss euer Arbeitgeber das weder kontrollieren noch verhindern.

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