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Psychiater aus Hannover haben herausgefunden, dass Patienten mit Tics sich eine „Tourette-ähnliche“ Krankheit über Social Media eingefangen haben

·Lesedauer: 3 Min.

Psychiater der Medizinischen Hochschule Hannover haben eine neue „Tourette-ähnliche“ Krankheit identifiziert, die offenbar über soziale Medien verbreitet wird. Es handelt sich um ein traditionell als "soziogene Massenkrankheit" bezeichnetes Phänomen, für das die Ärzte nun den spezifischeren Begriff „Massenkrankheit durch soziale Medien“ („mass social media-induced illness“, kurz MSMI) vorschlagen. Die Krankheit führe dazu, dass Menschen Tics entwickeln, die sie sich durch Videos in sozialen Medien „einfangen“.

In ihrer aktuellen Studie erklären sie, dass die Zunahme von Patienten mit Tics einhergeht mit der zunehmenden Verbreitung von Videos auf TikTok, Instagram und Youtube, in denen Menschen mit dem Tourette-Syndrom zu sehen seien. Speziell befassen sich die Autoren mit dem deutschen Youtuber Jan Zimmermann, dessen Kanal „Gewitter im Kopf – Leben mit Tourette“ inzwischen 2,23 Millionen Follower hat. Zimmermann thematisiert auf seinem Kanal das Leben mit dem Tourette-Syndrom in Deutschland und wurde unter anderem durch eine Galileo-Reportage bekannt.

Tics identisch mit denen des bekannten Youtubers

Ein Hinweis darauf, dass sich Betroffene die Erkrankung über Social Media „eingefangen“ haben, war, dass die Tics der Patienten denen von Zimmermann nicht nur sehr ähnlich waren, sondern teilweise sogar identisch. Die Studienautoren haben eine eigene "Tourette-Ambulanz" an der Hochschule und sehen daher viele Betroffene. Zu den meist verbalen Tics, die den Psychiatern aus Hannover dabei zuletzt begegnet sind, gehörten etwa „Du bist hässlich“ und „Pommes“. In der Studie heißt es, dass „eine bemerkenswert hohe Zahl junger Patienten in unsere spezialisierte Tourette-Ambulanz überwiesen wird, die Symptome zeigen, die denen ähneln, die Jan Zimmermann in seinen Videos zeigt“.

Wichtig ist jedoch, dass es sich bei dem beschriebenen Phänomen nicht um das Tourette-Syndrom handelt, sondern um sogenannte funktionelle Tics, die auch als funktionelle Bewegungsstörung bezeichnet werden. Der Hauptunterschied zwischen dieser „Tourette-ähnlichen“ MSMI und dem eigentlichen Tourette-Syndrom besteht darin, dass die MSMI sehr plötzlich und oft erst später im Leben auftritt. Das Tourette-Syndrom beginnt hingegen oft schon in der frühen Kindheit. MSMI tritt außerdem in Form unzähliger Tics auf und nicht nur einiger weniger spezifischer, so die Studienautoren.

Moderne Form der soziogenen Erkrankung

Die Studie legt nahe, dass es sich bei MSMI um eine moderne Form der soziogenen Erkrankung handele, die durch Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder andere Phänomene wie Eco-Anxiety (zu Deutsch Öko-Angst) verschlimmert werden könne. Bei letzterer handelt es sich um eine Angststörung, die die Angst vor ökologischen Katastrophen, Umweltbedrohungen und dem Klimawandel beschreibt. Die neue Erkrankung, die sich in besagten Tics äußert, könne aber auch als „kulturbezogene Stressreaktion“ der postmodernen Gesellschaft verstanden werden.

Die Autoren empfehlen, dass die von MSMI Betroffenen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen sollten, wenn die Erkrankung schwer zu bewältigen sei. Sie schreiben: "Wir möchten das Bewusstsein für den derzeitigen weltweiten Ausbruch der ‚Tourette-ähnlichen‘ MSMI-Erkrankung schärfen. Eine große Zahl junger Menschen in verschiedenen Ländern ist davon betroffen, was erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme und die Gesellschaft insgesamt hat, da die Verbreitung über soziale Medien nicht mehr auf bestimmte Orte wie lokale Gemeinschaften oder Schulen beschränkt ist."

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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