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„Ein Preuße im Cockpit“: Wie der umstrittene Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker jetzt Europa angreifen will

·Lesedauer: 5 Min.

Im Gebiet rund um den Persischen Golf hat es Qatar Airways endlich geschafft. Dort ist sie unter den Fluggesellschaften zur Nummer eins aufgestiegen und verweist den vorherigen Spitzenreiter Emirates auf den zweiten Platz. Allerdings scheint das nicht genug – weder für das Unternehmen noch für den Geschäftsführer Akbar Al Baker. Der berüchtigte Qatar-Chef hat Großes vor. Nach dem Persischen Golf will er auch Europa erobern. Mit genau jener harten und detailversessenen Art, für die er bekannt ist. Das berichtete das "Manager Magazin".

Akbar Al Baker ist 59 Jahre alt. Seit 24 Jahren ist er Chef der katarischen nationalen Fluggesellschaft Qatar Airlines. In der globalen Luftfahrtszene hat er seit Jahren einen Ruf inne, nicht immer unbedingt positiv ist. Es kursieren skurrile Geschichten über nächtliche Kontrollgänge über den Flughafen von Doha in Katar oder geplatzte Abnahmen neuer Flugzeuge, weil Airbus und Boeing in seinen Augen mangelhafte Flugzeuge abliefern wollten. Erst vor kurzem soll er die Abnahme 13 neuer Airbus-Flugzeuge platzen haben lassen, weil an einigen Stellen angeblich Lack abgeblättert sei. Airbus bestreitet die Vorwürfe. Auch über seine – vor allem westlichen – Konkurrenten soll er nicht viele positive Worte übrig haben. Sie würden im Gegensatz zu Qatar Airways „minderwertige Produkte“ haben.

Nicht mehr länger im Schatten von Emirates

Trotz des bereits längeren wirtschaftlichen Erfolgs blieb vor allem das Bild von Qatar Airways samt ihrer Chefetage in der öffentlichen Wahrnehmung bislang im Schatten des großen Rivalen im Persischen Golf, Emirates. Qatar sei lediglich ein Nachahmer der komfortablen Fluggesellschaft. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden. Al Baker nutzte die Corona-Pandemie geschickt, um weitere Marktanteile zu gewinnen. Laut Berechnungen des britischen Analyseunternehmens Forward Keys überholte Qatar erstmals den Konkurrenten Emirates in der ersten Hälfte dieses Jahres: Der Flughafen in Doha erreichte einen höheren Marktanteil im Mittleren Osten als der Wettbewerber und Hauptflughafen von Emirates, Dubai.

Parallel dazu stieg Qatar Airways zur größten Frachtfluglinie der Welt auf. Als erste und bislang einzige Airline des Golfes erhält Qatar Airways von der EU in den kommenden fünf Jahren schrittweise unbegrenzte Start- und Landerechte in ganz Europa. Ein wichtiger Schritt für das, was Al Baker am wichtigsten scheint: die Eroberung Europas.

Al Baker setzt auf Geduld und Allianzen

Während die Rivalen am Golf, Emirates und Etihad, versuchen, die westliche Welt im Sturm zu erobern, setzt der Stratege mit seiner Airline auf Geduld und Allianzen. Der angelsächsische Emirates-Präsident, Tim Clark, meidet Allianzen, während Akbar Al Baker die Nähe großer Fluggesellschaften sucht. Gerne hätte der Qatar-Chef sich in Form einer Beteiligung an Lufthansa angelehnt. Doch die deutsche Fluggesellschaft lehnte ab.

Erfolgreicher erwiesen sich seine Allianzversuche in der Oneworld-Allianz rund um British Airways und American Airlines. Damit geht die Taktik Al Bakers auf, die ganz zur Staatsräson von Katar passt: Bereits seit Jahrzehnten verfolgt die Herrscherfamilie Al Thani die Leitlinie, dass ihr kleines Emirat nur dann sicher vor dem Verlust der Eigenständigkeit sei, wenn es sich an westlichen Unternehmen beteilige und damit Einfluss sowie Fürsprecherinnen und Fürsprecher gewinnen könne. Dass dieses Vorhaben aufgeht, sieht man beispielsweise an dem 15-prozentigen Marktanteil Katars an Volkswagen.

Was daran für einige problematisch scheint, sind Fragen bezüglich der Sozialstandards im Emirat Katar und inwiefern nach westlichem Verständnis fehlende Standards durch wirtschaftliche Abkommen geduldet werden sollten. Zum Ärgernis einiger großer Luftgesellschaften wie Lufthansa und Air France entschied die EU zugunsten der Staatslinie Katars. Denn: gerade im Osten haben viele Länder keine eigenen Langstreckenlinien mehr. Da sind Anbieter wie Qatar mehr als willkommen. Und immerhin: In dem Abkommen zwischen der EU und Qatar Airways sind einige Sozialstandards verankert. Das Emirat verpflichtet sich, diese einzuhalten. Auch maßlose Subventionierungen der Staatslinie werden ausgeschlossen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die Heimat von Emirates und Etihad, waren dazu bisher nicht bereit, weshalb ihnen der uneingeschränkte Zugang weiter verwehrt bleibt.

„Ein Preuße im Cockpit“

Die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Qatar mit dem Milliardär Akbar Al Baker an der Spitze und der EU ist demnach weiterhin ungewiss. Das "Manager Magazin" beschreibt den „Chief“, wie Al Baker von allen im Unternehmen genannt werde, als einen strengen Haushälter, der alles vermeiden würde, was nach Vollkasko-Mentalität aussehe. Die von ihm geforderten Arbeitssitten erinnerten an die Zeiten des alten Preußens: Fleiß und Disziplin stünden an oberster Stelle. Das Flugpersonal dürften auf dem Weg zur Arbeit kein Kaufgummi kauen, Uniformknöpfe keinesfalls offen stehen. Und schon gar nicht dürfe das Personal mit einem privaten Handy in der Hand gesichtet werden.

Die eiserne Härte und Disziplin sei der Grund, warum sich Akbar Al Baker selbst habe hocharbeiten können. Seine Erziehung war hart und streng. Mit nur vier Jahren schickten ihn seine Eltern auf ein Internat nach Indien. „Ich habe es damals gehasst“, wird er zitiert, „aber ohne diese Erfahrung wäre ich heute nicht das, was ich bin“.

Um den Chief mit preußischen Werten und seine Airline kreisen aber auch einige strenge Meinungen und Vorwürfe. So wurde das Unternehmen in der Vergangenheit des Öfteren für den Umgang mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kritisiert, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Zu den Vorwürfen zählen unter anderem Beschränkungen der Meinungsfreiheit und Diskriminierung von Frauen und Angehörigen der LGBTQ-Gemeinschaft. So sollen schwangere Flugbegleiterinnen Kündigungen erhalten haben, anstatt in den Mutterschutz zu können.

Einige der kritisierten Punkte hat Al Baker wohl ändern lassen. Was jedoch nicht verhandelbar scheint, ist sein Führungsstil. Er leite das Unternehmen weiterhin autoritär wie ein Königreich, werden Branchenexperten vom "Manager Magazin" zitiert. Die Frage, die sich die EU und kooperierende Unternehmen nun weiterhin stellen müssen, ist, ob Qatar dafür in Haftung genommen werden kann oder muss.

jk

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