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Osram-Übernahme könnte erneut scheitern

Der Lichtkonzern könnte zum Spielball von Hedgefonds werden. Der Sensorik-Konzern AMS rührt die Werbetrommel – das Angebot werde aber nicht erhöht.

Beim österreichischen Sensorikspezialisten AMS wächst die Nervosität. Die geplante Übernahme des größeren Lichtkonzerns Osram könnte auch im zweiten Anlauf scheitern. „Das Projekt liegt verquer, das ist längst noch nicht in trockenen Tüchern“, hieß es in Industriekreisen. Es seien inzwischen viele Hedgefonds investiert, die auf einen höheren Erlös zu einem späteren Zeitpunkt pokern.

AMS will die Ex-Siemens-Tochter für mehr als vier Milliarden Euro übernehmen. Das aktuelle Übernahmeangebot über 41 Euro je Aktie läuft noch bis zum 5. Dezember. Eigentlich sind die Chancen diesmal besser als beim ersten Versuch: AMS und Osram haben eine Investorenvereinbarung abgeschlossen. Das Osram-Management unterstützt die Offerte inzwischen klar.

Zudem wurde die Mindestannahmeschwelle von 62,5 auf 55 Prozent gesenkt. Doch es wird auch diesmal eng. AMS sah sich genötigt, die Osram-Aktionäre zu warnen, dass es die „letzte Chance“ sei, sich „das attraktive ams-Angebot“ zu sichern. Falls man wieder scheitere, werde man für mindestens sechs Monate keine weiteren Osram-Aktien kaufen und kein weiteres Angebot abgeben.

Auch werde das Angebot nicht mehr erhöht, die Schwelle nicht mehr gesenkt. „Wir sind von der Attraktivität unseres Vorschlags für alle Stakeholder von Osram überzeugt, der von Vorstand und Aufsichtsrat von Osram voll unterstützt wird“, sagte AMS-Chef Alexander Everke.

Der Grund für den Appell: Bislang haben erst 3,3 Prozent der Osram-Aktionäre das Angebot angenommen. Damit sind die Privatanleger zwar etwas tauschfreudiger als beim ersten Versuch, doch ist die Mindestannahmeschwelle noch in weiter Ferne.

Unsicherheit könnte beiden Konzernen schaden

Zwar ist die geringe Beteiligung normal: Institutionelle Anleger tauschen oft erst am Schluss. Doch steht AMS gleich vor mehreren Problemen. Zum einen haben viele Privatanleger die Aktien eher zufällig im Depot, weil sie ihnen bei der Abspaltung von Siemens dort eingebucht wurden. Diese Anleger verhalten sich oft eher passiv.

Zudem dürften derzeit überhaupt nur geschätzt etwa 20 Prozent der Anteile bei Privatanlegern liegen. Etwa zehn Prozent sind im Besitz von Indexfonds, die in der ersten Phase nicht tauschen. Weitere 20 Prozent hält AMS bereits. Etwa 35 bis 45 Prozent der Anteile könnten laut Industriekreisen bei Hedgefonds liegen.

Diese dürften zumindest teilweise auf eine höhere Abfindung spekulieren, wenn AMS zum Beispiel einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag anstrebt oder Osram von der Börse nehmen will. Die Fonds stehen dabei vor einem Dilemma: Sie setzen darauf, dass die Übernahme durchgeht – andernfalls droht ein Kursrückgang. Doch sie selbst wollen ihre Anteile womöglich nicht tauschen.

Wenn alle dabei bleiben, dürfte die Übernahme scheitern. „Die Frage ist, ob die Hedgefonds so clever sind, gerade so viele Anteile anzudienen, dass die Schwelle erreicht wird“, sagte ein Insider. Wenn die Gier siege, drohe allen ein Verlust. Denn der Osram-Kurs könnte bei einem Platzen der Fusion sinken.

In Industriekreisen hieß es, wenn AMS scheitere, könnten die Österreicher in einem halben Jahr weitere Anteile zukaufen und ein Pflichtangebot abgeben, wenn sie 30 Prozent überschreiten. Dieses würde vermutlich niedriger sein als die 41 Euro. Danach könne AMS weiter Anteile einsammeln. „Die Frage ist allerdings, wie lange die Banken da mitmachen“, hieß es in Industriekreisen.

Schließlich haben die Österreicher, die vergleichsweise hoch verschuldet sind, schon 20 Prozent der Anteile gekauft und dafür laut Branchenschätzungen 750 bis 800 Millionen Euro ausgegeben.
Für die beiden Unternehmen ist die aktuelle Situation wenig hilfreich. Die anhaltende Unsicherheit könnte dem Geschäft beider Konzerne schaden, warnten Branchen-Insider.