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Opel-Chef Lohscheller erklärt Klimaschutz zum „Wettbewerbsvorteil“ für seinen Konzern

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Mit guten CO2-Werten will Opel die Absatzwende schaffen. Die PSA-Tochter sieht sich unter den Autobauern in einer führenden Rolle bei der Reduktion des Flottenverbrauchs.

Der Manager sieht Opel bei der CO2-Reduktion auf dem richtigen Weg. Foto: dpa
Der Manager sieht Opel bei der CO2-Reduktion auf dem richtigen Weg. Foto: dpa

2,5 Milliarden Euro – so hoch wäre die Strafe für Opel ausgefallen, wenn der Autobauer vor drei Jahren einfach bei seinem eingeschlagenen Pfad in puncto Umweltschutz geblieben wäre, rechnete Opel-Chef Michael Lohscheller beim Handelsblatt Autogipfel vor. Durch den Eigentümerwechsel von GM auf PSA habe Opel allerdings Mitte 2017 eine drastische Kurskorrektur eingeleitet, um den „sehr schlechten Flottenverbrauch“ von damals noch zu drehen, bekundete der Opel-Chef.

Die Folge: Der Rüsselsheimer Fahrzeughersteller wird seine CO2-Vorgaben dieses Jahr einhalten. „Es ist eine schöne grüne Null. Wir werden die Flottenziele erreichen und können, anstatt Strafe zu zahlen, andere Dinge mit dem Geld machen“, erklärte Lohscheller. „Das ist auch ein Wettbewerbsvorteil“, betonte Lohscheller. Denn die Flottenverbräuche zu reduzieren und die Elektromobilität anzuschieben sei ein Thema, das die gesamte Autoindustrie noch jahrelang begleiten werde.

„Alle Kunden und die Gesellschaft fordern das“, betonte Lohscheller: „Und ganz ehrlich, manchmal, wenn ich nach Hause komme, habe ich den Eindruck, dass ich auch meiner 15-jährigen Tochter da Berichterstattung abgeben muss, was ich persönlich zum Klimaschutz beitrage.“ Die CO2-Vorgaben einzuhalten sei daher eine „moralische Verpflichtung“, die am Ende „alternativlos“ sei, sagte Lohscheller.

Der Manager sieht Opel bei der Kohlendioxid-Reduktion auf einem guten Weg: „Bisher sehen wir, dass wir eine führende Rolle bei CO2 übernehmen können.“ Laut einer Studie des Umweltverbands Transport & Environment dürften die Hessen ihre Klimaziele dieses Jahr sogar leicht übererfüllen. So stößt die Flotte von Opel und den Marken des französischen Mutterkonzerns PSA (Peugeot, Citroën, DS) aktuell 90 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Damit liegt der Konzern klar unter der Vorgabe der Europäischen Union, wonach alle Neuwagen ab 2020 im Branchenschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen. Zum Vergleich: Der große Rivale VW dürfte seine Kohlendioxid-Vorgaben dieses Jahr ebenso verfehlen wie Daimler.

Kampf gegen den drastischen Absatzrückgang

Der Umschwung hin zu klimaschonenderen Antrieben und Modellen hatte für Opel allerdings einen hohen Preis. Seit der Übernahme durch PSA ist der Marktanteil der Rüsselsheimer in Europa von 6,3 auf 4,1 Prozent abgestürzt. Die Marke mit dem Blitz kämpft zunehmend gegen die Bedeutungslosigkeit an – auch in Deutschland.

Einst wetteiferte Opel in der Bundesrepublik mit VW um die Krone des größten heimischen Fahrzeugherstellers. Heute dümpeln die Hessen auf dem Niveau von Importeuren. Schlimmer noch: Nach drei Quartalen sind die Verkäufe von Opel in 2020 um mehr als 45 Prozent eingebrochen. Kein anderer deutscher Autobauer hat im Zuge der Coronakrise einen solch drastischen Absatzrückgang erlitten.

Opel-Chef Lohscheller begründet das Verkaufsminus vor allem mit einer ausgedünnten Modellpalette. So stellte seine Firma etwa Fabrikate wie Adam, Karl oder Cascada ein, um den Flottenverbrauch zu reduzieren. „Wir scheuen uns nicht, schwierige Entscheidungen zu treffen, um diesen Paradigmenwechsel umzusetzen“, betonte Lohscheller. Bis 2024 will er die gesamte Flotte von Opel unter Strom setzen.

Gleichzeitig ist auch offenkundig, dass der rasante Aufschwung in China an Opel aktuell völlig vorbeigeht. Denn anders als alle anderen deutschen Automarken sind die Hessen im größten Pkw-Markt der Welt nicht vertreten. „Wir gucken uns das im Detail an“, sagte Loscheller. Er könne sich durchaus vorstellen, dass es in China für Opel Chancen gebe. Einen konkreten Beschluss, künftig nach Fernost zu exportieren, gibt es bislang aber nicht.

Ohnehin sieht Lohscheller den Umbau von Opel längst noch nicht abgeschlossen. „Die Anzahl der Veränderungen wird noch deutlich zunehmen, das hat auch Corona gezeigt.“ So will der Manager etwa weiter die Strukturen und Flächen in den Werken straffen.

„Wir haben in der Vergangenheit eine Welt gehabt, wo jeder gesagt hat: Mein Werk ist das größte“, erklärte Lohscheller. Das sei ein Irrweg. „Wir reduzieren die Flächen unserer Werke deutlich, teilweise bis zu 50 Prozent“, sagte Lohscheller. Insbesondere das Areal des Stammwerks in Rüsselsheim dürfte zurechtgestutzt werden – es war einst so groß wie das Fürstentum Monaco.