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Die neue Regelung zur Frauenquote ist von den Unternehmen selbst verschuldet

Anger, Heike
·Lesedauer: 2 Min.

Die Frauenquote für Vorstände ist keine Revolution. Aber sie ist ein Signal an jene Unternehmen, die eine Modernisierung von selbst nicht angehen.

Die Justizministerin und ihre Kollegin Franziska Giffey (Familienministerin) haben die Vorstandsquote in den Gesetzentwurf geschrieben, ohne dass das Vorhaben im Koalitionsvertrag mit CDU und CSU festgelegt war. Foto: dpa
Die Justizministerin und ihre Kollegin Franziska Giffey (Familienministerin) haben die Vorstandsquote in den Gesetzentwurf geschrieben, ohne dass das Vorhaben im Koalitionsvertrag mit CDU und CSU festgelegt war. Foto: dpa

Vor zehn Jahren wäre dieser Kommentar zur Frauenquote für Vorstände sicherlich anders ausgefallen. Die Wirtschaft werde mit ihrer freiwilligen Selbstregulierung schon dafür sorgen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, hätte es geheißen. Der Staat möge sich doch bitte aus dem operativen Geschäft heraushalten. Gute Unternehmensführung lasse sich schließlich nicht per Gesetz verordnen.

Tatsache ist heute aber, dass sich in deutschen Führungsetagen während der vergangenen zehn Jahre kaum etwas getan hat. Bleiern liegt die Frauenquote in den Vorständen bei etwa zehn Prozent. Unter den 160 größten börsennotierten deutschen Firmen gab es zuletzt sogar elf Dax-Konzerne mit reinen Männerzirkeln. Keine einzige Vorständin im Jahr 2020? Echt jetzt?

Es kann also nicht verwundern, dass die Politik nun Tatsachen schafft: In Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss demnach künftig ein Mitglied eine Frau sein.

Das ist keine Revolution. Betroffen wären von den Regelungen derzeit knapp 30 Unternehmen. Es ist aber ein Signal. Eine verbindliche Frauenquote für Vorstände wird Bewegung in die Sache bringen.

Das verheißen die Effekte, die beim 2015 verabschiedeten Gesetz zur Frauenquote in den Aufsichtsräten deutlich messbar sind: Die feste Quote von mindestens 30 Prozent hat dazu geführt, dass sich der Frauenanteil in den Gremien signifikant von 21 Prozent auf 35 Prozent erhöht hat.

Lambrecht und Giffey sorgen für Modernisierung

Dass die Unternehmen selbst – beziehungsweise deren männliche Führungsriegen – offenbar gar kein Interesse haben, diverser zu werden, das belegt die flexible Quote drastisch: Bei den freiwilligen Zielgrößen gaben zuletzt rund 70 (!) Prozent der betroffenen Unternehmen an, sich für die Zukunft die Zielgröße „null“ für Frauen im Vorstand zu setzen. Die neue Regulierung ist also selbst verschuldet.

Auch wenn rückständige Teile der Wirtschaft es nicht so sehen werden: Familienministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht bringen die Modernisierung in Deutschland voran. Die Sozialdemokratinnen haben die Vorstandsquote dreist in den Gesetzentwurf geschrieben, ohne dass das Vorhaben im Koalitionsvertrag mit CDU und CSU festgelegt war. Gleichstellung gibt es eben nicht geschenkt.

Trotz Widerstands aus der Union kommt das Gesetz nun. Das liegt auch an der Bundeskanzlerin. Angela Merkel hat seit Längerem die Losung „Parität ist das Ziel“ ausgegeben. Letztlich hat sie nun auf den gesetzlich verordneten Kulturwandel gedrungen.

Mit der Einigung auf die Frauenquote geht ein monatelanges Ringen zu Ende. Foto: dpa
Mit der Einigung auf die Frauenquote geht ein monatelanges Ringen zu Ende. Foto: dpa