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Neue Preispolitik: Wo Kunden noch Gratiskonten finden

Atzler, Elisabeth Frohn, Philipp
·Lesedauer: 7 Min.

Immer mehr Onlinebanken wie Comdirect verlangen unter Umständen Kontogebühren. Wer günstig sein Geld deponieren will, muss zweimal hinschauen.

Knapp 1,8 Millionen Girokonten zählte Comdirect, die Onlinetochter der Commerzbank, im vergangenen Sommer. Doch manch ein Kunde dürfte sich nun überlegen, ob sich sein bisher kostenloses Comdirect-Konto für ihn noch rechnet.

Ab Mai müssen Bestandskunden unter Umständen 4,90 Euro pro Monat zahlen. Verschont von der neuen Gebühr wird nur, wer entweder einen monatlichen Geldeingang von 700 Euro vorweist, drei Zahlungen über Apple Pay oder Google Pay tätigt oder ein Wertpapiergeschäft ausführt.

Zum Girokonto können Inhaber zudem künftig zahlungspflichtige Zusatzleistungen hinzubuchen, die bisher zum Teil kostenlos waren. Dazu gehört beispielsweise eine Kreditkarte für 1,90 Euro pro Monat.

Mit der Preispolitik liegt Comdirect im Trend. Immer mehr Banken streichen das bedingungslos kostenlose Girokonto, wie Zahlen des Verbraucherportals Biallo zeigen: Vor einem Jahr hatten Verbraucher und Selbstständige noch mehr als 70 solcher Gratiskonten zur Auswahl. Aktuell zählt Biallo 38 Kreditinstitute mit entsprechenden Angeboten. Wenn die neuen Konditionen für Comdirect-Bestandskunden greifen, wird es noch eine weniger sein.

Besonders Onlinebanken sind in der Biallo-Auflistung überproportional vertreten. Diese haben einen deutlich geringeren Kostenapparat, da sie auf eigene Filialen verzichten. Biallo ist davon überzeugt, dass Onlinebanken zunehmend eine Alternative darstellen. In der Coronakrise hätten nämlich viele Verbraucher gute Erfahrungen mit Onlinebanking gemacht. Die Bank vor Ort verliere an Bedeutung.

Jeden Monat durchsucht das Verbraucherportal die Preis- und Leistungsverzeichnisse und Websites der Geldinstitute von knapp 1300 Banken und Sparkassen. Als kostenlos wertet es ein Girokonto nur, wenn keine Kontoführungsgebühr erhoben wird, es keine Kosten für die Girocard und Überweisungen gibt und wenn das Gratiskonto an keinen bestimmten Geldeingang gekoppelt ist.

Letzteres ist zum Beispiel bei der ING der Fall: Da ist das Girokonto nur kostenlos, wenn mindestens 700 Euro monatlich eingezahlt werden – dieselbe Schwelle also wie bei Comdirect. Diese Regelung gilt seit Mai 2020. Ohne den Geldeingang kostet das Konto 4,90 Euro pro Monat. Ausgenommen sind, ähnlich wie bei Comdirect, Menschen unter 28 Jahren.

Auch die Norisbank verabschiedet sich vom bedingungslos kostenlosen Girokonto. Fließen nicht mindestens 500 Euro monatlich ein, kostet das Angebot der Deutsche-Bank-Tochter nun 3,90 Euro pro Monat.

Rund 40 Banken knüpfen Gratiskonten an bestimmten Geldeingang

Die Onlinebanken sind nach Angaben von Biallo nur einige von rund 40 Geldhäusern in Deutschland, die ein kostenloses Konto an einen bestimmten Geldeingang knüpfen. Bei der ING sei das kein Problem, sagt Horst Biallo, Gründer und Inhaber des gleichnamigen Verbraucherportals: „Den Geldeingang bekommen auch Geringverdiener mit ihrem Einkommen gestemmt.“

Oliver Mihm, Chef der Frankfurter Beratungsfirma Investors Marketing, rechnet damit, dass der Anteil der bedingungslos kostenlosen Konten weiter sinken wird. „Die Zeit des kostenlosen Kontos in der Breite ist vorbei.“

Komplett vom Markt verschwinden wird der Kontotyp aus Mihms Sicht indes nicht. „Aber es wird ein Nischenangebot, zum Beispiel von neuen Banken, die Marktanteile gewinnen wollen.“

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Auch Biallo glaubt nicht an ein Ende der Gratiskultur im Kontogeschäft. „Während klassische Banken zunehmend Kontoführungsgebühren einfordern, kommen neue Konkurrenten auf den Markt“, sagt er. Finanz-Start-ups (Fintechs) wie Klarna lockten Kunden weiterhin mit bedingungslos kostenfreien Girokonten.

Klarna ist gerade erst am vergangenen Mittwoch mit einem Girokonto in Deutschland gestartet. Der schwedische Zahlungsdienstleister beginnt mit einer Testphase. Zunächst wird nur rund 10.000 Nutzern der Smartphone-App das Konto angeboten. Nach Klarna-Angaben nutzen deutschlandweit rund sechs Millionen Verbraucher die App. Das Konto ist gratis, allerdings fallen ab der dritten Barabhebung am Geldautomaten Gebühren an.

Auch für Selbstständige gibt es mehrere Anbieter mit Gratiskonten. Fünf der 38 Konten, die Biallo auflistet, sind für Selbstständige gedacht. Dabei handelt es sich um Konten von vier Fintechs – Holvi, Kontist, N26 und Revolut – sowie von der Deutschen Bank mit „Fyrst“.

Biallo betont daher: „Es gibt noch kostenlose Alternativen – wenn die Kunden bereit sind, ihre Bank zu wechseln.“ Mittlerweile ist bei vielen Banken der Kontowechsel digitalisiert und dadurch einfacher als früher. Sollte ein Kunde zu dem Schluss kommen, die Bank zu wechseln, kann es schnell gehen. Denn seit 2016 sind die Banken verpflichtet, den vollständigen Kontowechsel innerhalb von zwölf Tagen zu vollziehen.

In Sachen Transparenz gibt es seit 2018 ebenfalls eine gesetzliche Vorgabe: So müssen Banken ihre Kunden einmal im Jahr kostenlos darüber informieren, was sie ihnen in puncto Gebühren, Überweisungen, Dispokredit oder Kreditkarten in Rechnung gestellt haben.

Kreditinstitute verteuern Konten

Das ist erst recht für Verbraucher interessant, deren Konten schon jetzt etwas kosten – aber womöglich noch teurer werden. Denn viele Geldhäuser haben in den vergangenen Jahren an den Preisen gedreht. Wie das Statistische Bundesamt im Oktober 2020 mitteilte, stiegen die Gebühren für Girokonten binnen Jahresfrist durchschnittlich um 6,4 Prozent.

Innerhalb von vier Jahren, von 2015 bis 2019, summierten sich demnach die Preissteigerungen auf insgesamt 25 Prozent. Damit liegt der Preisanstieg bei Girokonten deutlich über der Inflationsrate.

Biallo zufolge haben im Jahr 2020 rund 800 Kreditinstitute mindestens eines ihrer Girokonten verteuert – ein Phänomen, das also branchenweit zu beobachten ist. Im gesamten Jahr 2019 gab es 550 Fälle von Preissteigerungen.

Einige Geldhäuser haben innerhalb weniger Jahre sogar mehrfach an der Preisschraube gedreht. Ein Beispiel ist die Postbank: Dort stiegen vor anderthalb Jahren die monatlichen Gebühren des beliebten „Giro plus“-Kontos von 3,90 Euro auf 4,90 Euro. Die Postbank, die zur Deutschen Bank gehört, hatte erst 2016 ihr kostenloses Girokonto abgeschafft und damals die monatliche Kontoführungsgebühr für einen Großteil der Kunden eingeführt.

Durch höhere Kontogebühren reagieren die Geldhäuser unter anderem auf die Negativzinsen in der Euro-Zone, die sie zusehends spüren. Zwar führen immer mehr Kreditinstitute Minuszinsen für vermögende Neukunden ein. Sie wagen es aber bisher nicht, den Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) an die Masse der privaten Kunden weiterzureichen – und Banken dürfen Bestandskunden ohne deren Einwilligung auch gar keine „Verwahrentgelte“ aufdrücken.

Zinsspanne sinkt

Die EZB hatte im Juni 2014 Negativzinsen eingeführt, zunächst in Höhe von 0,1 Prozent. Inzwischen liegt der Strafzins bei 0,5 Prozent, er greift oberhalb eines bestimmten Freibetrags. Die Notenbank zielt darauf ab, dass die Geldhäuser möglichst viele Kredite an Unternehmen und Verbraucher ausgeben, um damit Investitionen und andere Ausgaben anzukurbeln.

Die direkte Folge für Banken und Sparkassen ist, dass die Zinsspanne im Einlagen- und Kreditgeschäft sinkt. Viele Kreditinstitute vergeben zwar mehr Darlehen denn je, der Zinsüberschuss, ihre wichtigste Ertragsquelle, ist dennoch gesunken.

Für Verbraucher soll es künftig noch einfacher werden, Kontopreise zu vergleichen. Eigentlich sollte es nach dem Zahlungskontengesetz längst eine entsprechende unabhängige Vergleichswebsite in Deutschland geben. Sie soll den Verbraucher in die Lage versetzen, Kontoentgelte wie Dispozinsen, Überweisungen, Daueraufträge oder Bargeldabhebungen besser zu vergleichen. Laut einer entsprechenden EU-Richtlinie kann die Vergleichswebsite sowohl von privaten Anbietern als auch von staatlichen Stellen betrieben werden.

Die Bundesregierung schließt inzwischen ein staatliches Vergleichsportal für Kontoentgelte nicht mehr aus. Für die Umsetzung der EU-Richtlinie hatte die Bundesregierung ein kompliziertes Modell gewählt. Erst mit fast zweijähriger Verspätung wurden die Anforderungen erfüllt. Das Vergleichsportal Check24 durchlief den langwierigen Zertifizierungsprozess.

Doch nach fünf Monaten stellte Check24 seine nicht kommerzielle Vergleichswebsite entnervt wieder ein, nachdem Verbraucherschützer moniert hatten, es würde ein zu geringer Teil des Bankenmarkts abgedeckt, und eine Klage einreichten.