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Nach Discounter-Preiskrieg: Lidl-Warenkorb ist plötzlich teurer

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Nach der öffentlichen Werbeschlacht um die Frage, bei welchem Discounter Kunden günstiger einkaufen, gab es Kritik. Lidl hat seine Preise inzwischen erhöht.

Lidl hat seine Preise inzwischen erhöht. (Symbolbild: Getty)
Lidl hat seine Preise inzwischen erhöht. (Symbolbild: Getty)

Mit Anzeigen in Tageszeitungen und im TV rührte Lidl Anfang vergangener Woche kräftig die Werbetrommel. Vollmundig behauptete der Discounter, dass Kunden bei Lidl günstiger einkaufen als bei Aldi Süd und Aldi Nord.

Als Vorlage für die Kampagne diente das Märchen “Schneewittchen”. Dafür buchte Lidl unter anderem zwei Anzeigenseiten in der Bild und fragte auf der ersten Seite: „Spieglein, Spieglein an der Wand … Wer ist der Billigste im ganzen Land?“ Darunter eine grimmig dreinschauende Märchenprinzessin mit leicht verfremdetem Aldi-Süd- und Aldi-Nord-Logo auf ihrer Krone.

So bewarb Lidl in der Bild vom 7. Juli seine günstigen Preise. (Bilder: Yahoo!)
So bewarb Lidl in der Bild vom 7. Juli seine günstigen Preise. (Bilder: Yahoo!)

Eine Seite weiter beantwortete Lidl die Frage: „Der Erfinder von bester Qualität und günstig ist der wahre Sieger!“. Darunter ist ein prall gefüllter Einkaufswagen zu sehen, der laut der Werbeanzeige bei Aldi Süd 102,39 Euro und bei Aldi Nord 103,46 kostet. Bei Lidl dagegen soll der gleiche Einkauf nur 92,39 Euro kosten.

Aldi hielt mit einer Anzeigen-Doppelseite dagegen, die ebenfalls einen prall gefüllten Einkaufswagen zeigte. Eine Auszeichnung vom Kundenmonitor Deutschland 2019 sollte zudem belegen, dass Aldi Preisführer ist.

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Auslöser für den Preiskrieg war die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent bzw. von 7 auf 5 Prozent, die seit 1. Juli gilt. Aldi Süd und Aldi Nord hatten Ende Juni bekannt gegeben, den Kunden bis zum 31. Dezember 2020 an der Kasse einen dreiprozentigen Rabatt auf den kompletten Einkauf zu gewähren. Auch wenn der überwiegende Teil der Produkte dem niedrigeren Steuersatz von 7 Prozent unterliege. Lidl reduzierte – nach eigenen Angaben – im Zuge der Mehrwertsteuersenkung den Preis für 4.000 Produkte.

Preise wie an der Tankstelle?

Aktuell wirbt Lidl auf seinen Internetseiten weiterhin mit „Alles bleibt günstig!“ und „Dein Lidl-Preis-Versprechen: Wir sind die Günstigsten“. Doch wer sich darauf verlässt, wird herb enttäuscht, wie Chip herausfand.

Alles bleibt günstig, wirbt Lidl aktuell auf seinen Internetseiten. (Screenshot vom 16. Juli 2020)
"Alles bleibt günstig", wirbt Lidl aktuell auf seinen Internetseiten. (Screenshot vom 16. Juli 2020)

Das Onlineportal kaufte den viel beworbenen Warenkorb mit 68 Produkten zum Preis von 92,39 Euro am 13. Juli in einer Filiale in München und einer Filiale in Leverkusen noch einmal ein und stellte fest, dass viele Produkte schon kurz nach der Werbeaktion deutlich teurer geworden sind.

So kostet etwa die Nutella-Nougatcreme statt 3,48 Euro jetzt 3,86 Euro, für Iglo-Fischstäbchen stieg der Preis von 3,04 Euro auf 3,37 Euro, Nivea-Softcreme kostet statt 2,57 Euro nun 2,85 Euro und die Preise für Leibnitz-Butterkekse, Sonnenmais und Doppelkeksrolle stiegen jeweils um zehn Cent. Insgesamt zahlte das Chip-Team nur neun Tage nach der Werbeaktion acht Euro mehr für den gleichen Einkauf und fragt: „Müssen sich Kunden jetzt auf eine Preis-Achterbahn bei Lidl wie bei der Tankstelle einstellen?“ Eine Anfrage des Verbraucherportals zu den gestiegenen Preisen habe Lidl bisher nicht beantwortet.

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