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Mit der Verstaatlichung gegen die Coronakrise: Moskau übernimmt Maskenhersteller

Erst hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Coronakrise geleugnet, jetzt greift Russland im Kampf gegen das Virus auf Sowjettraditionen zurück: Verstaatlichungen.

Russlands wichtigster Hersteller von Atemschutzmasken ist nun in Staatshand. Foto: dpa

Russland kämpft auf andere Weise als andere Länder gegen die Coronakrise: Während in Deutschland und anderen EU-Staaten Subventionen und Finanzhilfen für Maskenhersteller geplant sind, hat Moskau den größten Schutzmaskenhersteller – die Firma KIT (Gesellschaft für innovative Technologien) – verstaatlicht. Die Stadt Moskau hat gerade den größten Hersteller medizinischer Schutzmasken übernommen. Ziel der Verstaatlichung ist nach Angaben der Stadt, ausreichend Masken zum Selbstkostenpreis beschaffen und verteilen zu können.

Lange hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Corona-Gefahr für sein Land geleugnet, dann über Nacht das ganze Volk wochenlang in bezahlte Freizeit geschickt mit der Aufforderung, zu Hause zu bleiben. Inzwischen ist das Riesenreich mit mehr als 252.000 Infektionen das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land nach den USA.

Dennoch hob Putin den von den Unternehmen zu zahlenden Zwangsurlaub nun auf, obwohl die Zahlen der Infizierten weiter drastisch ansteigen. Nun sollen jedoch die Regionen und nicht mehr der Kreml zentral die Pandemie eindämmen.

Ein Teil der Strategie zur Bekämpfung des Virus ist das flächendeckende Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken. In Moskau herrscht im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und allen Orten, wo mehrere Menschen aufeinander treffen, Maskenpflicht.

Damit ist die Stadt zum Unternehmer geworden: „Als wir erkannten, dass die Stadt eine beträchtliche Menge an medizinischen Masken benötigen würde und dass wir auf dem Markt mit einem Mangel an Masken konfrontiert sein würden, erwarben wir eine Produktionsstätte“, erklärte Vizebürgermeister Wladimir Jefimow die Verstaatlichung.

Der Herstellungspreis für Masken hat sich nach Angaben der Stadt versiebenfacht: von gut einem Euro-Cent vor Ausbruch der Pandemie auf fast acht Euro-Cent. Grund sei, dass die Kosten für das Ausgangsmaterial ebenso stark gestiegen sei.

Da Aufkäufer die Preise immer weiter in die Höhe trieben, sei nun der wichtigste Hersteller in Staatshand, so Jefimow. KIT stelle bisher eine Million Masken her, solle bald aber auf zwei bis drei Millionen kommen. Täglich würden in der russischen Hauptstadt vier Millionen Masken verkauft.

Stillschweigen über Kaufpreis

KIT stellt ein Drittel aller dieser Textil-Verbrauchsgüter in Russland her. Experten schätzen den Wert der verstaatlichten Firma auf 1,5 Milliarden Rubel, umgerechnet knapp 20 Millionen Euro.

Typisch russisch: Zwei weitgehend unbekannte Fonds wurden nach einem Bericht der Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ beim Erwerb von KIT zwischengeschaltet. Am Ende landete das Unternehmen bei der städtischen Beteiligungsfirma Kapitalinvestprojekt. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen.

In Russland ist es bei Verstaatlichungen immer wieder zu Verschleierungen gekommen. Der wohl bekannteste Fall ist wohl die Enteignung des Ölkonzerns Yukos des vom russischen Präsidenten Wladimir Putin zuvor massiv angegriffenen Oligarchen Michail Chodorkowski.

2004 wurde der damals größte Ölförderer des Landes in einer nicht-öffentlichen Auktion an die nur Tage zuvor gegründete und danach aufgelöste Baikalfinancegroup versteigert – um dann drei Tage später beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Rosneft zu landen.

Immer wieder ist es bei Staatsübernahmen auch zu massiver Korruption gekommen.