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Ministerin Giffey: „Männer können sich überfordert fühlen“

·Lesedauer: 3 Min.

Die Bundesfamilienministerin bemängelt, die Anliegen der Männer seien lange „weitgehend übersehen“ worden. Das soll sich nun ändern – auch in der Wirtschaft.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will Jungen und Männer in der Gleichstellungspolitik in den Blick nehmen, aber kein abschließendes „Mannsbild“ liefern. „Die Anforderungen an Männer sind heute vielfältig und komplex“, erklärte Giffey am Montag bei der Vorlage eines Männer-Dossiers. Männer sollten beruflich erfolgreich sein, aber auch aktiv am Familienleben teilnehmen. Das könne dazu führen, dass sie sich überfordert fühlten.

Giffey betonte, deutlich machen zu wollen, „dass wir das Thema ernst nehmen und nicht auf einem Auge blind sind.“ Gleichstellungspolitik für Männer sei kein Gegensatz zur Gleichstellungspolitik für Frauen, erklärte die Sozialdemokratin. Es handele sich um die „zwei Seiten derselben Medaille“.

In dem 100 Seiten starken Dossier „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“ wird die Situation der männlichen Bevölkerung analysiert. Demnach sind die Männlichkeitsvorstellungen und -anforderungen der Väter und Großväter noch immer lebendig – obwohl sie zuweilen „zerstörerisch“ wirkten.

Selbstkritisch heißt es, die erhöhte Sensibilität für frauenspezifische Anliegen habe in den letzten Jahrzehnten zu einem differenzierten Unterstützungsangebot für Frauen geführt. „Dass Männer ebenfalls spezifische Anliegen haben und einer spezifischen Ansprache bedürfen, wurde jedoch weitgehend übersehen.“

Insgesamt wirkten weiterhin „Geschlechterbilder und Männlichkeitsnormen“. Viele Jungen und Männer beschritten deshalb einen Lebens- und Berufsweg, der ihre eigenen Talente, Interessen und Begabungen den gesellschaftlichen Vorgaben unterordne.

„Das ist weder aus Sicht der Einzelnen noch aus Sicht von Gesellschaft und Arbeitsmarkt wünschbar“, heißt es in dem Dossier des Familienministeriums. Es gelte darum, klischeefreie Lebenswege und die geschlechtsuntypische Berufswahl zu fördern. So könne eine Männerquote in Sozial-, Gesundheits- und Erziehungsberufen eingeführt werden.

Paare und Familien würden zwar mehrheitlich gleichberechtigte Arbeitsmodelle leben wollen, fänden sich aber nach wie vor häufig in traditionellen Arrangements wieder. „Das ist sowohl für die Betroffenen wie auch für die Volkswirtschaft als Ganzes problematisch“, heißt es in dem Dossier.

„Traditionsfalle“

Es gelte, gesetzliche Fehlanreize zu eliminieren. „Das betrifft insbesondere die Steuergesetzgebung und die Regelungen zur Unterstützung in den ersten Jahren der Elternschaft.“ Empfohlen wird die Weiterentwicklung der Einkommensbesteuerung im Übergang zum Realsplitting, um das traditionelle Ernährer-Modell abzuschaffen.

Die Familiengründung wird im Dossier als der Punkt ausgemacht, an dem die „Traditionsfalle“ zuschnappe. Ab dann leisteten Frauen mehr Familienarbeit, Männer mehr Erwerbsarbeit. Geschlechterklischees wirkten besonders stark.
Chancen bietet hier laut Dossier die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Einrichtung eines Vaterschaftsurlaubs von zehn Tagen unmittelbar nach der Geburt. Eine flexiblere Gestaltungen von Arbeitszeit und -ort erlaube die Digitalisierung.

Auch die Wirtschaft nimmt das Familienministerium in die Pflicht: „Arbeitgeber sollen Anreize erhalten, die Auseinandersetzung von Männern mit ihrer künftigen Doppelrolle als Mitarbeiter und Vater zu fordern und zu fördern.“ Auch Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit für Männer sollten gefördert werden.

„Zahlreiche Männer erleben den gleichstellungspolitischen Veränderungsprozess und die damit einhergehende Auflösung von Geschlechternormen eher als Bedrohung denn als Chance“, heißt es in dem Dossier allerding. Sie würden Veränderungen auch kaum als Zugewinn von Freiheiten, sondern vielmehr als „Verlust von Orientierung und historischen Privilegien“ erleben, was verunsichere.

Augenmerk auf Integration männlicher Geflüchteter

Viele Männer empfänden sich als „Emanzipationsverlierer“ und hegten – teils heftige – Gefühle von Wut und Bitterkeit, Trauer und Angst. Dieser ganze Bereich sei allerdings wenig erforscht, was nachgeholt werden müsse.

Männer aus bildungsfernen Milieus, mit geringen sozioökonomischen Ressourcen oder mit besonderen „Verletzlichkeiten“ sind laut Dossier besonders von Chancenungleichheit und erschwerten Lebenslagen betroffen. „Sie bedürfen besonderer Förderung“, heißt es. Ein besonderes Augenmerk müsse dabei auf der der Integration männlicher Geflüchteter liegen.

„Mann-Sein ist ein ebenso spannendes wie spannungsreiches Unterfangen“, heißt es in dem Dossier. „Das Bundesgleichstellungsministerium kann und will niemandem vorschreiben, wie Mann sein geht oder wie Männer sein sollten.“

Es könne und wolle aber allen „Männern in Bewegung“ eine grobe Orientierung vermitteln, was zeitgemäßes Mann-Sein bedeuten könne. Gegenüber manchen Interpretationen von Männlichkeit müssten aber auch klarere Grenzen gezogen werden als dies bislang der Fall gewesen sei.