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Millionen Likes halfen nichts: Teenager-Fintech Ruuky meldet Insolvenz an

Das Gründungsteam von Ruuky: Jes Hennig, Deepankar Jha, Max Schwarz und Timo Steffens (v.l.n.r.). - Copyright: Ruuky
Das Gründungsteam von Ruuky: Jes Hennig, Deepankar Jha, Max Schwarz und Timo Steffens (v.l.n.r.). - Copyright: Ruuky

Die Wette war von Beginn an riskant. Vor zwei Jahren startete Jes Hennig seine Firma Ruuky (damals noch unter dem Namen Pockid), eine Konto-App für Teenager. Riskant vor allem deshalb, weil der Berliner Branchenprimus N26 ein solches Geschäftsmodell zuvor erfolglos aufgegeben hatte. Taschengeld per App verwalten und erste Zahlungen per Debitkarte ermöglichen – das rechnete sich kaum. Zu kurz erschien der Zeitraum, in dem das Produkt für Jugendliche interessant ist.

Auf Kundenfang bei Tiktok

Ruuky glaubte dennoch an den Erfolg eines entsprechenden Angebots. Um die Verweildauer zu erhöhen, setzte das Hamburger Fintech etwa auf Sparpläne und einen Feed in der App, in dem sich Bezahl- und Sparfunktionen gemeinsam nutzen lassen. „Social Interactive Banking“ nannte Gründer Jes Hennig das Konzept im Gespräch mit dem Branchenportal Finance Forward. Obendrein betrieb das Fintech zielgruppengerechtes Marketing bei Tiktok: Mitarbeiter führten kurze Video-Sketches auf, ließen Passanten im Kopfrechnen gegeneinander antreten oder Fachbegriffe wie Inflation und Monopol erklären. Mehr als 230.000 Follower und rund 2,7 Millionen Likes kamen so auf Tiktok zusammen.

Gereicht hat das für einen nachhaltigen Erfolg allerdings nicht. Am 4. Januar habe Ruuky einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, wie das Fintech auf Anfrage von Gründerszene mitteilte. Demzufolge fanden sich keine neuen Investoren, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Zuvor waren rund vier Millionen Euro an Risikokapital in die Firma geflossen. Die VCs Cavalry Ventures und Vorwerk Ventures hatten sich etwa an Ruuky beteiligt. Neues Geld wollten diese aber offenbar nicht mehr überweisen.

Namhafte Investoren verweigern frisches Geld

„Uns ist es nicht gelungen, in dem jetzigen Marktumfeld neues Kapital zu erhalten. Dies macht uns unglaublich traurig, da wir ein tolles Jahr 2022 hatten“, sagte Jes Hennig, Mitgründer und CEO von Ruuky. „Unser Kundenwachstum und unsere Relevanz auf den Gen-Z-Kanälen zeigt, dass es einen modernen, sicheren und edukativen Banking-Ansatz für junge Menschen braucht. Dennoch müssen wir akzeptieren, dass sich die Marktgegebenheiten für kapitalintensive Startups geändert haben.”

Nach eigenen Angaben hatten sich bislang rund 250.000 Nutzer für ein Konto in der App registriert. Die Kunden sollen ihr Konto vorerst ohne Einschränkungen weiter nutzen können. Neuanmeldungen seien indes nicht mehr möglich. Durch das Insolvenzverfahren wolle man nun die Arbeitsplätze des 20-köpfigen Teams erhalten und eine weitere Finanzierung erreichen, teilt das Fintech mit.