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Die Millenials und Generation Z könnte auf dem Weg sein, das mittlere Management zu vernichten

Mittleres Management? Viele Gen Z-Arbeitnehmer lehnen Führungspositionen ab. - Copyright: Michael H/Getty Images
Mittleres Management? Viele Gen Z-Arbeitnehmer lehnen Führungspositionen ab. - Copyright: Michael H/Getty Images

Als Wendy in eine Führungsposition befördert wurde, bereute sie dies fast sofort. Sie hatte zwar mehr Freiheiten in ihrem Job als Grafikdesignerin, musste aber auch eine Menge auffangen, weil mehrere andere Stellen gestrichen wurden. Letztendlich machte sie viel mehr Arbeit, ohne dafür zusätzliches Geld zu bekommen.

Wendy, 28, die anonym bleiben möchte, erzählte Business Insider (BI), dass ihr die scheinbare Beförderung als Chance angepriesen wurde. Sie sagte, sie habe damals zugestimmt, aber jetzt denke sie, dass sie naiv war in Bezug auf das, was ihr wirklich angeboten wurde. "In meinem Kopf dachte ich: 'Toll, super, das ist ein Schritt nach oben, das macht sich gut in meinem Lebenslauf', und bla, bla, bla", sagte sie. "Aber als ich dann wirklich darüber nachdachte, stellte ich fest, dass ich viel mehr tue und nicht einmal mehr Geld bekomme. Ich hatte das Gefühl, dass ich mir unnötig Stress mache."

"Es machte für mich einfach keinen Sinn", sagte sie. "Ich würde lieber zu dem zurückkehren, was ich vorher gemacht habe, um weniger Stress zu haben und einfach für das bezahlt zu werden, was ich getan habe."

Die Geschichte von Wendy ist nicht einzigartig. Wie viele junge Arbeitnehmer – Millennials und Angehörige der Generation Z – erkannte Wendy, dass Management nichts für sie ist. Millennials wie Wendy sind ein abschreckendes Beispiel für die Generation Z, die gerade ins Berufsleben eintritt.

Mittleres Management: Gefangen in der Chef-Sackgasse

Vivian Lynn ist ein Millennial, arbeitet bei Amazon und veröffentlicht auf Tiktok Karriereinhalte. Sie erklärte BI, dass sie zwar direkt nach dem College all ihre Energie in ihre Karriere gesteckt habe, nun aber sehe, dass so viele Menschen seit mehr als fünf Jahren in Positionen des mittleren Managements festsäßen. Sie sagte, das würde ihr das Gefühl geben, zu stagnieren.

"Man schaut zu den Leuten auf, die einen leiten, oder einfach zu den Mentoren und bekommt dann den Eindruck, dass es den Aufwand nicht wert ist", sagte sie. "Besonders in US-amerikanischen Unternehmen." Diese Generationen bilden eine neue Arbeitskultur, in der ihre Bequemlichkeit an erster Stelle steht und das Erklimmen der Karriereleiter keine Priorität ist. In Tiktok-Videos sprechen viele über ihr mangelndes Vertrauen in die Führungsebene, die begrenzte finanzielle Entlohnung des Managements und ihren stärkeren Fokus auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und freie Zeit.

Das Ergebnis könnte sein, dass die Zahl derer, die sich für aufsteigende Positionen im mittleren Management bewerben, abnimmt. Viele junge Arbeitnehmer konzentrieren sich auf andere Tätigkeiten oder warten länger, um sich für höhere Positionen zu bewerben, wenn diese verfügbar werden.

Erfolg sieht für die Generation Z anders aus

Ben Voyer, Professor an der ESCP Business School und Gründer des Gen Z Observatory, erklärte BI, seine Forschung zeige, dass "Erfolg für die Gen Z sehr viel mehr verschiedene Formen annimmt".

"Es gibt eine echte Trennung zwischen dem Erfolg und der Arbeit der vorherigen Generation und dem, was die Generation Z als Erfolg ansieht, der eine viel rundere, 360-Grad-Form des Erfolgs ist", erklärte er. "Mit anderen Worten: Es geht nicht nur darum, schnell an die Spitze des Unternehmens zu kommen, sondern vielmehr darum, eine Work-Life-Balance zu erreichen, einen guten Job zu haben und auch außerhalb des Jobs einen sinnvollen Beitrag zu leisten."

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des Softwareunternehmens Visier unter 1000 US-amerikanischen Arbeitnehmern ergab sogar, dass weniger als die Hälfte – 38 Prozent – eine Führungsposition anstreben. Und Resource Solutions zeigte in einer Erhebung auf, dass 73 Prozent der Arbeitnehmer bereit wären, eine Gehaltskürzung in Kauf zu nehmen oder ihre derzeitige Position aufzugeben, um einen erfüllenderen Karriereweg einzuschlagen.

Michelle P. King, ehemalige Direktorin für Vielfalt und Integration bei Netflix und preisgekrönte Akademikerin und Autorin, erklärte BI, dass die Generation Z ihre Manager anschaut und denkt: "So will ich nicht sein."

"Es ist nicht nur das, was sie tun, sondern auch die Art und Weise, wie sie es tun, die die Leute abschreckt. Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, dass die Art und Weise, wie Manager führen, das Vertrauen bricht", sagte King. Sie erläuterte, dass die Menschen zwar bezahlt würden, was eine Seite der Arbeit darstelle, dass aber ihre Erfahrungen mit der Arbeit nicht so toll seien. Die "Hauptbedürfnisse der meisten Menschen bei der Arbeit werden von den Managern nicht erfüllt", sagte sie.

"Wahrscheinlich streben sie keine Führungsrolle an, weil sie dazu keinen Grund haben. Sie arbeiten an einem Arbeitsplatz, an dem sie den Menschen, für die sie arbeiten, nicht vertrauen."

Die Gen Z will Einfluss nehmen - im mittleren Management ist das schwierig

Wendy sagte, es habe ihr die Augen geöffnet, als sie sah, wie viele Menschen in den sozialen Medien über ihr Arbeitsleben diskutierten und darüber, was sie von einem Job erwarteten und was sie nicht mehr tolerierten. "Ich fühle mich dadurch ein bisschen mehr bestätigt oder gesehen, weil ich mir dann denke: 'OK, ich bin nicht verrückt'", sagte sie. "Was mir passiert, ist nicht dramatisch oder verrückt und ich denke auch nicht zu viel darüber nach."

Morgan Sanner, die Gen-Z-Gründerin eines Unternehmens für die Erstellung von Lebensläufen, ist eine solche Social-Media-Posterin. Auf ihrem Tiktok-Account spricht sie ausführlich über den beruflichen Aufstieg und diesen Generationenwechsel weg vom Management. BI gegenüber schätzte sie ein, dass junge Arbeitnehmer ihrer Generation dazu neigen, "zielorientiert" zu sein – etwas, das ihrer Meinung nach viele Positionen im mittleren Management nicht bieten.

"Wenn sie keinen Grund finden, warum sie etwas tun, oder wenn sie merken, dass ihre Arbeit niemanden wirklich beeinflusst, sind sie nicht daran interessiert", sagte Sanner. "Und das ist leider das, was die Rolle des mittleren Managers geworden ist." Sanner sagte, dass auch das mittlere Management eine "schwierige Position" sein könne, da diese Funktionen nur mäßige Vorteile böten.

Zwischenstufe zur Chefetage

Sie sieht das mittlere Management in einer schwierigen Situation: „Es sieht so aus als schusterten die Angestellten jede Verantwortung ihren mittleren Managern jegliche Verantwortung zu, aber die Führungsetagen ebenfalls“, so Sanner. „Im Grunde haben sie selbst gar nicht so viel zu sagen in ihren Entscheidungen.“

Forscher Voyer gab zu bedenken, dass „das mittlere Management in einer Art Wartezimmer sitzt und auf eine Beförderung in die Chefetage hofft.“ Er fügte hinzu: “Im mittleren Management kommst du erstmals in eine Führungsposition, die auch eine Hürde bedeuten kann. Allerdings belohnt dich dieser Job nicht wirklich. Es stellt sich also die Frage, ob sich eine Position im mittleren Management auszahlt und viele Angehörige der Gen Z streben eher direkt einen Top-Posten an.“

Als Professor sehe Voyer unter seinen Gen Z-Studierenden den Drang, ein eigenes Business aufzubauen, um die „Hürde“ des mittleren Managements zu überspringen und gleichzeitig früh einen gewissen Einfluss auszuüben.

KI könnte Jobs im mittleren Management ersetzen

Sanner glaubt, künstliche Intelligenz mache künftig einige Aufgaben des Mittel-Managements überflüssig. Sie berichtete von Eindrücken aus der gemeinsamen Zusammenarbeit, die Arbeitstage manch mittlerer Manager erschienen ihr wie Zeitverschwendung. „Bei einigen ihrer Arbeitsvorgänge dachte ich mir: Da muss es doch praktischere Lösungen geben.“

Dem stimmte Voyer im BI-Gespräch zu. Er sagte, der „KI-Revolution“ sei es möglicherweise sogar zuträglich, wenn die Gen Z Positionen im mittleren Management ablehnt. Außerdem würde KI die Arbeitswelt dahingehend verändern, dass einige Jobs im mittleren Management wegfallen. „Viele behaupten, künstliche Intelligenz würde das mittlere Management in Zukunft ersetzen. Allerdings können nur sehr gut ausgebildete Menschen die entsprechenden KI-Programme überhaupt bedienen.“

Eine Umfrage, die das Institut Harris Poll für die American Staffing Association (dt.: Amerikanische Personal-Vereinigung) durchführte, ergab, dass rund 44 Prozent der 2000 befragten US-Manager und -Professionals glauben, Computer-Programme und Maschinen könnten ihre Jobs ersetzen. Tatsächlich stellte ein Bericht des Pew Research Center im Juli heraus, hochbezahlte Anstellungen, für die ein Bachelorabschluss und analytische Denkfähigkeiten qualifizieren, seien durch KI besonders gefährdet.

Die Gen Z ist weder wählerisch noch faul – sie ist einfach desillusioniert

Viele junge Menschen, die unter diesem Eindruck ins Arbeitsleben eintreten, stempeln ältere Generationen gerne als faul oder unmotiviert ab. Ihnen wird nachgesagt, den Begriff „Lazy-Girl Jobs” (dt.: “Faule-Mädchen-Jobs“) geprägt zu haben und sogenanntes Quiet Quitting gutzuheißen.

Jungunternehmerin Sanner weist solche Vorurteile von der Gen Z. Viele junge Arbeitnehmer bestritten ihren Lebensinhalt durch zusätzliche Neben- oder Zweitjobs. Sie seien also nicht arbeitsscheu, sondern opferten einfach nicht ihre ganze Energie dem Arbeitsplatz. „Manmal mag der Eindruck entstehen, sie seien anspruchsvoll, wählerisch oder faul, wenn sie eigentlich nur etabliert, aber fehlerhafte Abläufe verbessern wollen.“ Sie selbst, sagte Sanner zu BI, sei schon immer sehr Karriere-fixiert gewesen, habe neben ihrem Bachelor-Studium fünf Praktika absolviert und dann den Master angefangen. Aber selbst sie habe die Vorstellung desillusioniert, drei Jahrzehnte lang in einem Unternehmen zu arbeiten, dabei alle paar Jahre ein bisschen aufzusteigen und sich dann in den Ruhestand zu verabschieden.

"Der Ratschlag, in den Zwanzigern hart zu arbeiten, damit es sich später auszahlt, interessiert diese Generation nicht", sagte sie. "In dieser Vorstellung arbeiten die Menschen 30 Jahre lang wirklich hart, bis sie sich endlich entspannen können. Das ist ein bisschen zu lang und verlangt viel ab.“

Veraltetes Manager-Image: Darum sind Führungspositionen unattraktiv

Die ehemalige Netflix-Managerin King nimmt die Gen Z ebenfalls in Schutz. Die Gen Z hege keine Aversion gegen Arbeit. Vielmehr seien die gängigen Rollenbilder, welche den Führungskräften anhaften, verstaubt und wirkten wie aus der Zeit gefallen. „Im Alltag herrscht ein eher altbackenes Image der 1950er Jahre vor: Chefs arbeiten selbst hart und kommandieren ihre Mitarbeitenden herum.“ Heute aber wolle niemand herumkommandiert werden.

„Die Menschen wollen Vorgesetzte, die wissen, wie sie die Arbeit ihrer Angestellten managen.“ King sagte, dazu gehörten ein Selbstverständnis als Mentor ebenso wie Coaching der Mitarbeitenden, Feedback, das Delegieren von Arbeit und die Fähigkeit, Kollegen untereinander zusammenzubringen und anzuspornen, Probleme gemeinsam zu lösen. „Die Sache ist nur: Das können die meisten Manager nicht.“

Amazon-Mitarbeiterin Lynn berichtete, sich von Führungskräften zu entfremden, sei eine Frage der Generation. Ihre älteren Kollegen seien viel zufriedener mit dem Status Quo der Managementstrukturen. Sie bedaure, wenn jüngere Arbeitnehmer keine Führungspositionen anstrebten. Denn ihr eigener Millennial-Chef sei der beste, den sie jemals hatte. Millenials „sind auf eine sehr positive Weise weniger förmlich. Sie benennen die Dinge beim Namen und nehmen nicht alles auf die schwere Schulter. Solche Chefs, die den Dreh raus haben, sind wirklich sehr erfrischend.“

Mit Blick auf ihre eigene Karriere sagte sie jedoch, sie sei unsicher, ob sie diesen Weg einschlagen würde. Sie habe früher den Ehrgeiz gehabt, Senior Director zu werden. Aber jetzt sei sie nicht mehr so überzeugt. "Es ist nicht so, dass ich keinen Ehrgeiz mehr hätte, aber ich habe einfach das Gefühl, dass ich in anderen Bereichen meines Lebens vorankommen möchte. Dem möchte ich Vorrang geben." Und: „Ich denke, wir haben Glück, dass wir das so jung erkennen.“

Dieser Text wurde von Jonas Metzner und Marlon Jungjohann aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.