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Mikrotransaktionen im Auto sind die neue Goldgrube für Hersteller

Das Infotainmentsystem wird zur Plattform für Startups - Copyright: Getty Images / Bloomberg
Das Infotainmentsystem wird zur Plattform für Startups - Copyright: Getty Images / Bloomberg

Für Autobesitzer wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern. Statt sich online durch lange Ausstattungslisten klicken zu müssen, werden sie ein Auto kaufen und erst später – je nach Bedarf – zusätzliche Funktionen gegen Geld freischalten. Den Allrad-Antrieb zum Beispiel, wenn es in den Skiurlaub nach Österreich geht. Die Sitzheizung im Winter oder Extrakapazität für die Batterie, damit auf der langen Urlaubsfahrt nach Italien ein paar Ladestopps wegfallen. Das klingt im ersten Moment merkwürdig. Für Käufer und Hersteller hat das aber diverse Vorteile. Und auch junge Firmen werden profitieren – denn die Hersteller öffnen ihre Systeme für Fremdhersteller.

Ein Pionier dieser Mikrotransaktionen im Fahrzeug ist Tesla. Die Elektroautos der Texaner werden komplett mit allen Sensoren für das teilautonome Fahren ausgeliefert. Kunden können das System bereits beim Kauf freischalten lassen, optional aber auch erst später. Ein Klick in der App oder im Infotainmentsystem des Fahrzeugs genügt und schon wird das Feature drahtlos freigeschaltet. Auch eine Lenkrad-Heizung und einen Beschleunigungsboost bietet Tesla per Klick an.

BMW experimentiert ebenfalls mit Mikrotransaktionen. Kürzlich wurde bekannt, dass der Autobauer die Sitzheizung im Abo-Modell anbieten will. Ein Monat für die Wärme von unten kosten 18 Euro, ein Jahresabo 180 Euro. Kunden können die Sitzheizung auch dauerhaft freischalten – für 400 Euro.

Kunden und Hersteller profitieren

Manche mögen das für Abzocke halten. Im Grunde ist das aber eine gute Entwicklung. Es profitieren alle Seiten: BMW kann die Produktion seiner Fahrzeuge vereinfachen. Statt auf einem Band jedes Fahrzeug mit unterschiedlichen Ausstattungsvarianten zu fertigen, wird künftig nur noch ein Modell benötigt. Das senkt die Produktionskosten erheblich. Gleichzeitig haben Kunden mehr Möglichkeiten, ihr Fahrzeug individuell anzupassen. Die Branche reagiert damit auch auf den Trend, dass Autos zum Konsumobjekt werden. Denn Abo-Dienste ermöglichen es, ein Fahrzeug fast im Quartalsrhythmus zu wechseln.

Für Kunden können die Angebote unter Umständen sogar günstiger sein. Wer benötigt schon eine Sitzheizung im Sommer? Sich per Klick nur die Funktionen freizuschalten, die gerade benötigt werden, heißt auch, Geld sparen zu können. Gezahlt wird zahlt nur, was auch benötigt wird. Natürlich werden die Autohersteller, für die die Zusatzausstattung der Autos eine lukrative Erlösquelle ist, nicht alles in einem Abo anbieten. Allerdings wächst der Druck auf die Industrie seitens der Technologiekonzerne.

Apple öffnet Startups das Auto

Beispiel Apple: Apple Carplay, das im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, wird in der Lage sein, das vom Hersteller angebotene Betriebssystem zu verdrängen. Wer möchte, kann Apple das gesamte Cockpit – inklusive Steuerung der Fahrzeugfunktionen – übernehmen lassen. Tacho-Anzeige, Musikplayer, die Darstellung der Navigation – alles lässt sich beliebig anpassen. Auch der App-Store soll ins Auto integriert werden – das eröffnet Nutzern und Startups ganz neue Möglichkeiten.

Der App-Store war der Treiber der Smartphone-Revolution. Es gibt inzwischen Millionen Apps, die vor allem bei Apple oft nur gegen eine Abo-Gebühr zu haben sind. Dahinter stecken große wie kleine Entwickler, die von der App-Entwicklung leben und ganze Studios aufgebaut haben. Besonders mit Blick auf das teil- und vollautonome Fahren ist das spannend. Der Markt für Auto-Apps wird bereits 2022 auf rund 80 Milliarden Euro geschätzt. Und nativ ins Fahrzeug integrierte Apps kommen erst noch.

Erste Apps zeigen, was möglich ist

Vor allem Telematik-Apps werden im Moment oft genutzt. Durch die Nutzung von Fahrzeugdaten erhalten etwa Versicherungen sofortige Meldungen über das Fahrverhalten und können umsichtige Kunden mit niedrigeren Beiträgen belohnen. Flottenbetreiber wiederum sind fortlaufend über den Zustand ihrer Fahrzeuge informiert. Kommt es zu einer Fehlfunktion, können sie rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Die Verwaltung von Fahrzeugflotten wird einfacher und effizienter. Denn Betreiber können den Standort mehrerer Fahrzeuge verfolgen und feststellen, welche davon gewartet werden müssen.

Integrationen und Partnerschaften mit Drittanbietern sind ein weiterer Einnahmekanal für Entwickler von Apps für die Automobilindustrie. Indem Sie den Zugang zu Ihrer Software an andere Hersteller verkaufen, können Sie weitere Gewinne erzielen. Allerdings werden sowohl Hersteller als auch App-Store-Anbieter hier ebenfalls kassieren wollen. Noch aber sind App-Betriebssysteme im Auto Mangelware. Für Gründerinnen und Gründer liegt hier eine riesige Chance – es winken Milliarden.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.