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Meinung: Lauterbachs neue Corona-Maßnahmen belasten vor allem junge Menschen – und das ist unfair

Christiane Rebhan ist bei Business Insider-Expertin für Innenpolitik. Sie sagt: Das neue Infektionsschutzgesetz von Gesundheitsminister Karls Lauterbach (SPD) sei eine Maskenpflicht durch die Hintertür. - Copyright: Foto: Getty images/d3sign/Lisa Kempke, Collage: Chris Lunday
Christiane Rebhan ist bei Business Insider-Expertin für Innenpolitik. Sie sagt: Das neue Infektionsschutzgesetz von Gesundheitsminister Karls Lauterbach (SPD) sei eine Maskenpflicht durch die Hintertür. - Copyright: Foto: Getty images/d3sign/Lisa Kempke, Collage: Chris Lunday

Dieser Artikel stellt die Meinung der Autorin dar und vermittelt ihre Sicht. Hier findet ihr andere Informationen zum Thema.

Es war klar, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) neue Corona-Regeln vorlegen musste, denn die bisherigen Schutzmaßnahmen laufen zum 23. September aus. Schließlich warnt der Gesundheitsminister seit Mai vor einer „katastrophalen“ Corona-Lage im Herbst 2022. Am Mittwoch stellte er also gemeinsam mit Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) die neuen Maßnahmen vor. Und die entfalten ihre volle Wirkung erst nach dem Lesen des Kleingedruckten.

Denn was Lauterbach plant und was die FDP gerne unter den Tisch fallen lässt: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird für uns die FFP2-Maske spätestens ab dem 1. Oktober wieder zum ständigen Begleiter. Denn laut dem Gesetzentwurf, der Business Insider vorliegt, können die Bundesländer Maskenpflicht in praktisch allen Bereichen des Alltags ausrufen. Bundesweit gilt sie weiterhin im Flugzeug, Bussen und Bahnen sowie in medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern. Außerdem – je nach Bundesland – in allen öffentlichen Innenräumen bei Freizeit-, Kultur- und Sportveranstaltungen, in der Gastronomie und selbst beim Sport. (Fitnessübungen mit Maske sind also zurück!)

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Ausnahmen von dieser Maskenpflicht gelten nur „für Personen, die (…) vollständig geimpft sind und deren letzte Impfung höchstens drei Monate zurückliegt“. Damit fängt die einseitige Belastung der Jüngeren an. Selbst wenn sich diese vorbildlich im Frühjahr die Booster-Impfung gegen das Coronavirus geholt haben und damit bisher als vollständig geimpft gelten, ist dieser Status bald passé. Dafür braucht es ab Oktober noch eine vierte Covid-19-Schutzimpfung. Die ist allerdings nur den Älteren zugänglich. Für Bürger unter 60 hat die Ständige Impfkommission (Stiko) den Booster explizit nicht empfohlen. Auch die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) befürwortet – nach ausführlicher Prüfung aktueller Studien – die vierte Impfung nur für Menschen über 60. Sich den Piks auf eigene Faust – gegen die Empfehlung dieser Institutionen – abzuholen, hinterlässt zumindest ein mulmiges Bauchgefühl.

Junge Menschen müssen daher, wenn sie ins Restaurant oder zum Sport wollen, sich entweder irgendwoher die vierte Impfung besorgen oder einen negativen Test vorlegen. Dieser ist inzwischen allerdings kostenpflichtig. Am Eingang von Restaurants gelten die billigen Selbsttests nämlich nicht als valide. Also ab ins Testzentrum – die rar geworden sind – und dort mindestens drei Euro auf den Tisch legen. In den meisten Fällen zahlt man jedoch deutlich mehr. In Berlin zum Beispiel zwischen elf und 15 Euro pro Schnelltest. Kostenlose Bürgertests plant Gesundheitsminister Lauterbach nicht mehr. Die Teilnahme am öffentlichen Leben wird für alle U60 folglich entweder teuer – oder man zieht eben die Maske über.

Natürlich ist der Mund-Nasen-Schutz für die breite Bevölkerung die geringste Belastung, die es im „Instrumentenkasten“ der Corona-Regeln seit Beginn der Pandemie gibt. Allerdings trifft die Maskenpflicht eigentlich die falsche Zielgruppe. Denn seit die Impfung zur Verfügung steht, ist die Lage auf den Intensivstationen im Land eindeutig: Die schweren Covid-19-Fälle sind inzwischen überwiegend 70 Jahre oder älter. Genau diejenigen, bei denen das Virus besonders heftige Auswirkungen hat, kommen relativ ungeschützt durch den Herbst. Denn die Risikogruppe hat leichten Zugriff auf die vierte Impfung und sie müssen damit weder einen Schnelltest vorlegen, noch Maske tragen.

Die Jungen sind also einmal mehr (nach Schulschließungen, entfallenen Abibällen und verpassten Clubabenden) zur Solidarität zum Wohle aller verpflichtet.