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Corona-Kurzarbeit sinkt; Schaden am globalen Arbeitsmarkt größer

David Verbeek

(Bloomberg) -- Während die hohe globale Ansteckungsdynamik der Coronavirus-Pandemie den WHO-Direktor zu eindringlichen Warnungen veranlasst, bleiben die deutschen Werte trotz leichter Anstiege auf niedrigem Niveau. Die Rücknahme von Beschränkungen wirkt sich hierzulande positiv auf den Arbeitsmarkt aus, weltweit dagegen hat die Pandemie mehr Arbeitsplätze vernichtet als gedacht.

Laut Ifo Institut waren im Juni in Deutschland noch 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit, eine halbe Million weniger als im Monat zuvor. Der Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank damit von 22 auf 20 Prozent. Allerdings ist die Entwicklung je nach Sektor sehr unterschiedlich. „Der Rückgang ist recht zögerlich, und in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu“, sagte ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link. Während die Kurzarbeit im Gastgewerbe deutlich zurückging, stieg sie in der Industrie.

Weltweit sind die Schäden am Arbeitsmarkt durch die Pandemie höher als zuvor erwartet. Der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge lag die Zahl der Arbeitsstunden 14% niedriger als vor der Krise, was einem Verlust von 400 Millionen Vollzeitstellen entspricht. Auch nach dem optimistischsten Szenario könne dies im zweiten Halbjahr nicht aufgeholt werden, teilte die Organisation am Dienstag aus Genf mit.

Für den 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds für Europa sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einige Hürden. Wenn Deutschland und Frankreich in wichtigen Fragen einig seien, heiße das noch lange nicht, dass Europa insgesamt einig sei, sagte sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Wichtig sei, ein Instrument zu schaffen, das “wirklich auch den Ländern hilft, die sonst drohen, von der Krise sehr viel stärker betroffen zu sein.”

Weltweit stehe in der Krise das Schlimmste noch bevor, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, und beklagte einen Mangel an Solidarität. In einigen Ländern gebe es einen Wiederanstieg der Infektionen, und die Hälfte der Todesfälle entfiele auf Nord- und Südamerika.

Das Virus könne mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten eingedämmt werden, und die Länder sollten nicht auf einen Impfstoff warten, erklärte er und nannte Südkorea, Japan und Deutschland als Beispiele. “Wenn ein Land sagt, dass Kontaktverfolgung schwierig sei, dann ist das eine schwache Entschuldigung.”

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus in Deutschland ist zuletzt etwas angestiegen. Die Ansteckungsrate erhöhte sich leicht, blieb aber unter der kritischen Marke von eins.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Dienstagmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 349 Neuinfektionen registriert, nachdem am Vortag mit 235 ein 13-Tages-Tief erreicht worden war. Der Wert liegt weiter deutlich unter den Höchstwerten Ende März, als an manchen Tagen knapp 7.000 Fälle gemeldet wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 195.042 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem 15. Platz weltweit.

Nach JHU-Angaben wurden in den letzten 24 Stunden acht neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion registiert. Die Gesamtzahl der Todesopfer erhöhte sich damit auf 8.976.

Laut Robert Koch Institut am Vorabend stieg die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, auf 0,74, von 0,71 am Vortag. Die Zahl liegt den sechsten Tag in Folge unter dem kritischen Wert von eins, nachdem sie unter anderem wegen Ausbüchen in einem Fleischbetrieb auf über zwei angestiegen war. Der 7-Tage-R-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 0,63 angegeben.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um ILO-Zahlen im dritten Absatz)

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