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McFit für fünf Euro im Monat? Stoppt die Abzockwerbung!

·Lesedauer: 5 Min.

Werbung mit den runter gerechneten Kosten für drei Monate, obwohl der Vertrag mindestens ein Jahr läuft? Da kommen noch Aufschläge drauf. Unsympathisch. Bestandskunden könnten die Lockdown-Beiträge cash zurückverlangen.

Kunden könnten im Lockdown Beiträge verlangen. Foto: dpa
Kunden könnten im Lockdown Beiträge verlangen. Foto: dpa

Mitten im Lockdown mit geschlossenen Fitnessstudios lässt sich die Fitnessstudio-Kette McFit nicht nehmen, den Neujahrs-Aufbruch („Oh Gott, ich muss 21 echt mehr Sport machen!“) abzugreifen:

Über einem glücklich strahlenden Muskeljüngling mit sehr vielen Adern auf Schultern und Bizeps („Happy New Power“) oder auch einer fröhlich schwitzenden schlanken Dame („Happy New Me“) verspricht McFit fünf Euro monatlich. Sie sehen schon, worauf es denen ankommt: Darauf, dass wir alle glauben, das Fitnessstudio kostet fünf Euro.
Kleiner darunter steht dann aber:

In den ersten drei Monaten

Was dort aber nicht steht, ist, dass man nach drei Monaten nicht einfach wieder gehen kann. Sondern dass man mindestens zwölf Monate an den Vertrag gebunden ist. Zu welchen Konditionen, das wird so winzig klein darunter geschrieben, dass es nur ein Prädikat verdient: unverschämt. Denn genauso wichtig für uns Verbraucher wie die Information, was es in den drei Monaten kostet, ist, was es in den neun Monaten danach kostet. Aber das wird winzig drunter geknallt, dass es aus üblicher Plakatbetrachtungs-Entfernung nicht lesbar ist.

Aber ich habe es abfotografiert und dann rangezoomt, so konnte ich erspähen, was kaum ein Mensch je zuvor zu Gesicht bekommen hat: das Kleingedruckte auf einem Plakat mit „In den ersten drei Monaten“-Verblendungsmasche. Hier das Wichtigste:

- Mindestvertragslaufzeit zwöf Monate
- Ab dem vierten Monat ist der monatliche Mitgliedsbeitrag abhängig vom gewählten Vertrag (Basic 19,90 Euro, Classic 24,90 Euro, Premium 34,90 Euro)
- Aktivierung Membercard einmalig 29 Euro
- Wiederkehrende Trainings- und Servicepauschale in der Höhe von 15 Euro, die erstmals zu Beginn des übernächsten Monats nach Vertragsbeginn fällig wird, danach jeweils nach weiteren sechs aktiven Vertragsmonaten. Klingt kompliziert, aber es läuft auf Dauer auf 15 Euro pro Halbjahr raus.


McFit-Tarif

Also: Neben dem Drei-Monats-Trick ist die Aktivierung der Membercard ein starkes Stück. Die Karte ist ein Cent-Produkt, die Aktivierung dauert wenige Sekunden, zumal mittlerweile laut Auskunft eines Studioleiters noch nicht einmal mehr der Name des Mitglieds aufgedruckt wird (der ohnehin damals nach wenigen Wochen abgegrabbelt war). Dafür 29 Euro.

Stellen Sie sich vor, Sie checken im Hotel ein und dann heißt es: „Für die Aktivierung der Schlüsselkarte berechnen wir 29 Euro. Haben Sie das Kleingedruckte bei der Buchung nicht gelesen?“ Ich würde lieber im Mietwagen schlafen.

Die Aktivierungs-Gebühr für die Mitgliedskarte entspricht der Aktivierung-Gebühr für die SIM-Karte bei den Handyvertragsanbietern. Die Aktivierung einer Karte zu berechnen, ist Kostentreiben durch die Hintertür für einen notwendigen Billo-Service.

Und was bitte ist eine Trainingspauschale? In einem Fitnessstudio ist der Mitgliedsbeitrag doch die Trainingspauschale. Dass die als irgendeine „Trainings- und Servicepauschale“ verklausuliert wird, macht es nicht fairer. Denn genau dafür bezahle ich den Mitgliedsbeitrag: für den Service, der mir ermöglicht, dort zu trainieren. Ergo: ein weiterer künstlicher Unsinns-Posten.

Rechnen wir mal für die ersten zwölf Monate am Beispiel Classic:
(3 x 5 Euro) + (9 x 24,90 Euro) + 29 Euro für die Aktivierung + diese dreiste Pauschale von 15 Euro = 283,10 Euro, also 23,59 Euro durchschnittlich im Monat.

Gespart zum üblichen Tarif werden über das gesamte Jahr hinweg dreimal 19,90 Euro aus den ersten drei Monaten. Eine seriöse Werbung für den Vertrag Classic müsste also lauten:
59,70 Euro im ersten Jahr sparen
Mitgliedsbeitrag 23,59 Euro durchschnittlich pro Monat im ersten Jahr
Ab Vertragsverlängerung gilt der Standard-Tarif.

Ja, es wird ab dem dritten Halbjahr teurer. Alle Monate kosten dann gleichviel und die Service-Pauschale fällt weiter an, also:
Sechs aktive Monate für jeweils 24,90 Euro plus 15 Euro für welchen Service auch immer: 27,40 Euro pro Monat.

23,59 Euro und 27,40 Euro sind ja ein durchaus akzeptabler Preis. Unfair ist einfach, ihn nicht klar zu bewerben und uns stattdessen die 5 Euro in den Kopf zu setzen. Nach dieser billigen Masche könnten alle verfahren:

Rewe: Einkaufswagen vollpacken kostenlos* – *bis zur Kasse

Tui: Zehn Tage Mallorca für 20 Euro* – *plus Flug- und Hotelpauschale: 1499 Euro

Die verbilligten ersten drei Monate, sei es bei Fitnessstudios oder bei Handyverträgen, sind nichts anderes als ein Zusammenraffen der Vergünstigung auf den Beginn der Vertragslaufzeit. Letztendlich könnte die Masche auch lauten: „Kostenlos trainieren. Die ersten drei Monate.“ Umso teurer würden dann die späteren Monate. Da würde die Zielgruppe bloß eher skeptisch.

Die Fitness-Ketten sollten in Lockdown-Zeiten ihre Kunden nicht für dumm verkaufen. Denn sie sind auf deren Solidarität angewiesen. Und wer das Bedürfnis hat, sich für Hintertür-Posten zu revanchieren, der kommt vielleicht auf die Idee, sich seine Corona-Lockdown-Beiträge als Gutschein erstatten zu lassen. Da kommt mittlerweile je nach Bundesland einiges zusammen. Wer diesen Gutschein bis Ende des Jahres nicht einlöst, hat Anspruch, ihn sich auszahlen zu lassen. Eine einseitige Verlängerung des Vertrages um die Lockdown-Monate ist zumindest nach Ansicht der Verbraucherzentrale nicht ohne weiteres möglich – wenn das auch umstritten ist, weil es an Vergleichbarem fehlt. Aber nach dieser Ansicht müsste das Mitglied schon zustimmen. Wer bei seinen Kunden auf Entgegenkommen hofft, sollte selber fair agieren.

Das wirklich faire übersichtliche Angebot bewirbt McFit in besagter Plakat-Kampagne aber nicht, sondern stellt es bescheiden auf der Website vor:

„Nur für kurze Zeit“: McFit Flex-Tarif. Für Neukunden: 19,90 Euro im Monat, monatlich kündbar, Aktivierung der Membercard: 39 Euro. Fertig. Das entspricht vom Leistungsumfang im Wesentlichen dem eben hier durchgerechneten Angebot „Classic“. Monatliche Kosten im ersten Jahr Mitgliedschaft aber nur: 23,15 Euro. Ab Monat 13 sogar nur 19,90 Euro. Na also, das ist billiger, übersichtlich und ohne unten hinter Sternen versteckte Kosten.

Man darf uns Verbrauchern schon etwas mehr zutrauen, als auf die 5-Euro-Masche reinzufallen. Nur weil jemand Muskeln haben will, heißt es nicht, dass der oder die nichts im Kopf hat. Lasst es nicht erst wieder den Gesetzgeber gerecht regeln.

Mehr zum Thema: Die Fitnessstudio-Kette McFit startete einst als Billigheimer mit Fabrikhallen-Charme. Seitdem hat sie schon mehrere Imagekorrekturen hinter sich gebracht.