Deutsche Märkte geschlossen

Londons Kampf um die Finanzbranche

 

In Großbritannien ist Vermögensverwaltung jetzt Regierungsangelegenheit. Die Branche gilt als die größte in ganz Europa – und droht wegen des Brexits auf den Kontinent abzuwandern. Dem will die britische Regierung nun gegensteuern.

Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Großbritannien auch zukünftig zu gewährleisten, legt die britische Regierung der Branche nun ein Strategiepapier vor: Unter dem Titel “The UK Investment Management Strategy II” erklärt der britische Schatzkanzler George Osborne den im Königreich ansässigen Assetmanagern, wie die Regierung  in Zukunft, also nach Austritt aus der EU, dafür sorgen will, dass diese ihr Geschäft erfolgreich weiterführen können.

Bereits im Oktober hat die Regierung in London eine Task Force, bestehend aus Mitgliedern der FCA und den Chefs einzelner Firmen, ins Leben gerufen. Deren Ziel ist nun, Ideen hervorzuzaubern, wie Regierung, Finanzindustrie und Regulierer die Assetmanager auf den Brexit vorbereiten – und im Land halten – können.

Nach Zahlen der britischen Regierung stammen immerhin 1,6 Billionen Euro des im Königreich verwalteten Vermögens aus den Ländern der EU. Weitere 500 Milliarden Euro haben US-Amerikaner bei britischen Assetmanagern geparkt, 400 Milliarden Euro stammen aus Asien. Diese Gelder will der gebeutelte Finanzminister auf jeden Fall im Land halten. Denn schließlich sorgt dieses Kapital auch für Steuereinnahmen in Höhe von rund sieben Milliarden Pfund – und stellt direkt 38.000 Arbeitsplätze zur Verfügung; weitere  56.000 sind indirekt in verwandten Wirtschaftszweigen von den Vermögensverwaltern abhängig. Rund ein Prozent tragen die Assetmanager zum britischen Bruttosozialprodukt bei – derzeit.

Im Großen und Ganzen verspricht der Schatzkanzler in dem Strategiepapier erstens, die Steuergesetzgebung für die Branche zu lockern und zu vereinfachen, zweitens ein reagibles rechtliches Rahmenwerk zu schaffen und drittens die Marketingaktivitäten zu verstärken, um das Königreich als internationales Investmentcenter zu promoten.

Diese Anstrengungen sind auch bitter nötig, denn seit Monaten findet ein wahrer Exodus der Assetmanager aus der Londoner City statt. Da die Branche nicht sicher ist, auf welcher rechtlichen Basis die Geschäfte nach dem Brexit weiterlaufen werden, verlegt man Teile oder gleich die ganze Niederlassung aufs europäische Festland. Hier biedern sich Dublin, Luxemburg, Frankfurt und sogar Kopenhagen als neue Standorte bei den Vermögensverwaltern an – sorgt doch der Bedarf an Büros und Wohnraum für die mitwandernde Belegschaft für eine zusätzliche Belebung der heimischen Märkte. Eine Umfrage unter 300 Managern im Oktober hat ergeben, dass in den kommenden drei Jahren rund 16 Prozent der Arbeitsplätze rund ums Assetmanagement von London in andere Finanzzentren verlagert werden könnten.

Am Montag berichtete die Financial Times, dass einige führende in London ansässige Banken den Exodus aus der City noch einmal überdenken wollen – unter der Voraussetzung, dass Großbritannien der Zugang zum Europäischen Binnenmarkt erhalten bleibt. Als Deadline gilt dabei nach Meinung sowohl der Bundesbank als auch der britischen FCA das erste Quartal 2018. Denn danach bleibt der in London ansässigen Finanzbranche nur noch knapp ein Jahr, bevor der Brexit ab März 2019 Realität wird.

Obwohl nach derzeitigem Stand der Verhandlungen alles nach einem weichen Brexit aussieht, überzeugt das die Banker in der City noch lange nicht. Denn ein endgültiges Handelsabkommen wird erst nach dem vollständigen Austritt der Briten aus de EU zustandekommen. Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) wird vielen Unternehmen aus der Finanzbranche jedoch zu spät sein. Ob das Strategiepapier der britischen Regierung da noch große Überzeugungsarbeit  zu leisten vermag und etwa die Karawane der Vermögensverwalter zum Umkehren bewegen kann, ist wohl mehr als fraglich.

(TG)