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Libyen: Überfall auf Sitz der staatlichen Ölgesellschaft

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TRIPOLIS (dpa-AFX) - Eine bewaffnete Gruppe hat in Libyens Hauptstadt Tripolis einen Überfall auf das Hauptquartier der staatlichen Ölgesellschaft NOC gestartet. Die "verbotenen bewaffneten Gangs" hätten versucht, den Zaun zu durchbrechen und gewaltsam in das Gebäude einzudringen, teilte die NOC nach dem Vorfall am Montag mit. Sicherheitskräfte hätten aber Verstärkung gerufen und die Angreifer vertrieben. Opfer oder Schäden habe es bei dem Vorfall nicht gegeben.

Hintergrund des versuchten Angriffs könnte ein Streit über Einnahmen aus dem Ölgeschäft des ressourcenreichen Wüstenstaats sein. Die NOC will dieses Geld nach eigenen Angaben "vorübergehend" in eigenen Bankkonten festhalten, bis in den laufenden Verhandlungen um die Zukunft Libyens eine "umfassende politische Lösung" erreicht ist. In den Gesprächen unter UN-Vermittlung geht es auch um die Frage, wie die Öl-Einnahmen fair an libysche Städte und Dörfer verteilt werden. Ein ranghoher Mitarbeiter habe am Montagfrüh Drohungen erhalten, teilte die NOC mit.

Nach großen Ausfällen exportiert Libyen inzwischen wieder mehr als eine Million Barrel Rohöl am Tag. Die Einnahmen fließen von der NOC üblicherweise direkt an die Zentralbank mit Sitz in Tripolis. Von dort werden unter anderem Gehälter von Regierungsmitarbeitern gezahlt

- darunter auch Mitarbeiter des Parlaments im Osten Libyens. Dort hat

die Gegenregierung ihren Sitz, die mit der Regierung in Tripolis um die Macht in dem Bürgerkriegsland konkurriert.

Die Ölanlagen Libyens befinden sich vor allem im Süden sowie im Osten des Landes. Anhänger des Generals Chalifa Haftar hatten während ihres inzwischen gescheiterten Versuchs, Tripolis zu erobern, auch Ölfelder und -häfen besetzt. Die Produktion musste daraufhin über Monate ausgesetzt werden. Künftig soll eine neue Schutztruppe aus Militärs und Zivilsten die Ölanlagen vor solchen Angriffen bewahren.