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Lauterbach warnt vor Massenkrankheit Endometriose – Geld ausgeben für den Kampf dagegen will die Regierung aber nicht

Endometriose löst bei Betroffenen einen großen Leidensdruck aus. - Copyright: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose
Endometriose löst bei Betroffenen einen großen Leidensdruck aus. - Copyright: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose

Sie sind kraftlos, werden depressiv oder haben Krämpfe im Unterleib. Manche Frauen, die von Endometriose betroffen sind, können während ihrer Periode vor Schmerzen manchmal kaum noch liegen, essen, gar auf die Toilette gehen.

Obwohl etwa 10 bis 15 Prozent aller Frauen in Deutschland an Endometriose leiden und es sich dabei um eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen handelt, ist das Thema innerhalb der Gesellschaft kaum bekannt und in der Forschung immer noch vernachlässigt.

Was ist Endometriose?

Endometriose beschreibt das Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut-ähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter oder innerhalb der Gebärmuttermuskulatur. „Endometriose“ leitet sich von „Endometrium“ ab, der lateinischen Bezeichnung für Gebärmutterschleimhaut. Weil die Erkrankung innerhalb der Bevölkerung kaum bekannt ist, vergehen in Deutschland vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnose oft immer noch sechs bis acht Jahre.

In der ARD äußerte sich der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kürzlich zu der Krankheit: Endometriose sei eine Krankheit, die vom Leidensdruck unterschätzt würde und oft als Menstruationsbeschwerde abgetan worden sei, als wären die Frauen wehleidig. Davon könne keine Rede sein. "Das ist eine schwere Erkrankung, die die Lebensqualität deutlich einschränkt und für die wir noch keine wirklich guten Medikamente haben", sagte Lauterbach. Auch an Grundlagenforschung fehle es.

Als Lauterbach nach konkreten Maßnahmen gefragt wurde, verwies er auf seine Kollegin, die Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP).

Weder Stark-Watzinger noch Lauterbach wollen proaktiv in die Forschung investieren

Auf Anfrage von Business Insider teilte das Bundesforschungsministerium jedoch mit, dass für die Endometriose-Forschung keine spezifischen Fördermaßnahmen vorgesehen seien. Auch in den vergangenen zwei Jahren wurde kein Vorhaben zur Erforschung der Endometriose gefördert. Förderungsanträge könnten jedoch gestellt werden.

Auch das Bundesgesundheitsministerium scheint sich dem Thema nicht proaktiv anzunehmen. Zwar sei man mit dem Bundesforschungsministerium auf Fachebene zu dem Ziel einer „guten Endometrioseforschung“ im Austausch. Eine Strategie sei aber nicht geplant.

Ärzte sprechen bei Endometriose über eine "Volkskrankheit"

Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule in Hannover, kritisiert, dass die Endometriose in der Forschung vernachlässigt wird.

Die Zahl der Betroffenen sei so hoch, dass er schon von einer "Volkskrankheit" sprechen würde. "Zudem ist es so, dass viele Betroffene mit ihren Schmerzen nicht ernst genommen werden. Ich bin mir sicher, wären Männer betroffen, hätte das Thema viel mehr Aufmerksamkeit," sagt Hillemanns.

Das Verfahren, um eine Endometriose erstmal überhaupt festzustellen, sei mit einem großen Aufwand verbunden. Mit mehr Forschung in dem Bereich könne man die Diagnostik unkomplizierter gestalten. Außerdem seien die nicht-operativen Therapiemaßnahmen unzureichend. Die Entwicklung effektiver und nebenwirkungsarmer Medikamente sei daher dringend erforderlich.

Natürlich könne man bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft spezielle Forschungsanträge stellen. Allerdings hätten es die Anträge zum Thema Endometriose laut Hillemanns sehr schwer, sich gegen die Forschung zu den großen Volkskrankheiten durchzusetzen. Viel besser wäre es, wenn gezielte Förderprogramm zum Beispiel durch das Bundesforschungsministerium gestartet und die finanziellen Mittel speziell für die Endometriose-Forschung angeboten würden.