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Lagarde & Co. senden Botschaft aus Davos: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Mark Schrörs über deutliche Worte. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages täglich direkt in ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Groschen fällt in Zeitlupe

Christine Lagarde ließ den letzten Tag vor Beginn der Schweigephase vor der EZB-Zinssitzung nächste Woche nicht ungenutzt verstreichen. Im Bloomberg-Haus in Davos hat die Präsidentin auch die Geldmärkte aufhorchen lassen als sie sagte, dass eine erste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank im Sommer “wahrscheinlich” sei.

Auch wenn Lagarde, fast pflichtschuldig, gleich einen Vorbehalt hinterher schob und versicherte, dass die Währungshüter selbstverständlich weiterhin datenabhängig agierten und es genügend Unsicherheit gebe: deutlicher hat sich die Präsidentin bisher nicht festgelegt. Nicht zuletzt in Davos hatten zuletzt eine ganze Reihe Ratsmitglieder signalisiert, dass im Sommer der Zeitpunkt für einen Zinsschritt nach unten gekommen sein könnte. Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel, ein ausgewiesener Falke, hatte sich erstmals in diese Richtung geäussert. Aus Lagardes Mund hat die Prognose aber noch einmal ein anderes Gewicht.

Eine Zinssenkung im Sommer ist damit freilich immer noch keine ausgemachte Sache — dafür ist die Unsicherheit aktuell auch einfach zu hoch. Aber vor allem die EZB-Sitzung im Juni rückt nun immer stärker in den Fokus – wenn es auch neue EZB-Prognosen zu Wachstum und Inflation gibt. Die Botschaft der Notenbanker lautet damit wohl auch, dass eine Lockerung bereits im April eher unwahrscheinlich ist. Der Groschen scheint an den Geldmärkten aber nicht so richtig zu fallen: Die in Zinsswaps eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im April ging am Mittwoch zwar zunächst zurück, stieg dann aber schnell wieder auf etwa 90%. Sich von dieser Vorstellung zu trennen, fällt den Händlern offenbar schwer.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Boris Groendahl und Verena Sepp: China-Krise, von Sachsen in die USA, viva la libertad, auf dem Holzweg und Brennpunkt Naher Osten.

China-Krise

Sorgen über die Gesundheit der chinesischen Wirtschaft haben zur Wochenmitte einen Ausverkauf am dortigen Aktienmarkt ausgelöst, der auf den Handel in Europa überschwappte. Der Hang Seng China Enterprises Index fiel um 3,9% und verzeichnete damit seinen schlechtesten Tag seit Oktober 2022. Der CSI 300 rutschte um 2,2% ab. Der Stoxx Europe 600 verliert 1,2%, Sektoren mit hohem China-Bezug sind unter den größten Verlierern. Im Reich der Mitte hatte bereits das Ausbleiben einer Zinssenkung Anfang der Woche auf die Stimmung gedrückt. Heute veröffentlichte Daten unterstrichen die anhaltenden Herausforderungen durch Deflationsdruck und Immobilienkrise. “Chinas Wirtschaftsdaten deuten weiterhin auf einen stabilen Konsum und stabile Dienstleistungen hin, aber mit scheinbar nicht enden wollenden Herausforderungen im Immobilienbereich”, so Gary Ng von Natixis. Chinas BIP ist laut der heutigen Daten 2023 um 5,2% gestiegen, was den Erwartungen entsprach. Dass dies mit Pekings offiziellem Ziel von “etwa 5%” übereinstimmte, war jedoch keine Überraschung, da Premierminister Li Qiang diese Zahl einen Tag zuvor schon in Davos bekannt gegeben hatte.

Von Sachsen in die USA

Der angeschlagene Schweizer Solarhersteller Meyer Burger könnte im sächsischen Freiberg eines der größten europäischen Solarmodulwerke schließen. Der Preisverfall in der Branche hat ein Loch in die Finanzen gerissen. Die Produktion hierzulande sei wegen des verzerrten Wettbewerbs mit China nicht rentabel — obwohl die EU einheimische saubere Technologien fördern will, wird weniger als 2% der Nachfrage durch Solarprodukte aus der Region gedeckt, etwa 90% kommen aus China. Meyer Burger will seinen Schwerpunkt daher in die USA verlegen, wo der “attraktivste Markt” wartet. Der Umbau kostet allerdings Geld. Um bis 2025 einen positiven Cashflow zu erzielen, braucht es laut Unternehmen Barmittel in Höhe rund 450 Millionen Franken. Die Aktie brach um bis zu 47% ein, das Minus seit Jahresbeginn steht bei 57%. Für das vergangene Jahr wird bei einem Umsatz von rund 135 Millionen Franken ein Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von mindestens 126 Millionen Franken erwartet. Laut BI wird die Solarenergie auch 2024 das am schnellsten wachsende Teilsegment des Energiesektors sein. Meyer Burger könnte zu den wachstumsstärksten Unternehmen gehören — bei steigender Rentabilität.

Viva la libertad

Am Dienstag drehte sich in Davos alles um den ukrainischen Präsidenten Selenskyj, heute könnte sein argentinischer Amtskollege Javier Milei die Bühne des Weltwirtschaftsforums erobern. Am dritten Tag des Eliten-Rummels in den Schweizer Alpen hat der bekennende Anarcho-Kapitalist (viva la libertad carajo) mehr als 60 Anfragen für ein Treffen erhalten. Der Mann, der den Fall der Berliner Mauer auf seinem X-Profil zelebriert, flog mit der Lufthansa über Frankfurt in die Schweiz, was dem gebeutelten Staatshaushalt eine Ausgabe von 392.000 Dollar erspart haben soll. In der gesunden Bergluft wird wird er bei einem Treffen mit Kristalina Georgieva Gelegenheit haben, die nächsten Schritte in den Beziehungen seines Landes zum Internationalen Währungsfonds zu erörtern. Am 10. Dezember stellte Milei ein drastisches Sparprogramm vor, einen Monat später erhielt er von der Washingtoner Institution ein Vertrauensvotum. Im Rahmen eines 44-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramms soll nun ein größer als erwarteter Teilkredit von 4,7 Milliarden ausgezahlt werden. Nun muss Milei sich an die Auflagen halten — oder ein neues Programm aushandeln. Nächste Woche gibt es einen Generalstreik. Mileis Delegation spricht in Davos mit Wirtschaftsbossen, darunter denen von Glencore und Nestlé.

Auf dem Holzweg

Aufsicht und Regulierer, die Banken zu immer höheren Kapitalquoten drängen, sind nach Ansicht des obersten UBS-Bankers auf dem Holzweg. In Davos erklärte Colm Kelleher, die Kontrolleure sollten sich lieber den Schattenbanken zuwenden, wenn sie nach Schwächen im Finanzsystem suchen, und nicht die regulierten Banken noch mehr piesachen. Die Quelle der nächsten Krise werde dort zu finden sein. Schon vor einigen Wochen hatte Kelleher vor einer entstehenden Blase im Privatkreditbereich gewarnt. Kelleher sparte in Davos auch nicht mit Kritik an der von der UBS übernommenen Credit Suisse — dort haben seiner Meinung nach “Verwaltungsrat, Geschäftsleitung und Aktionäre” kollektiv versagt. Die Integration in die UBS liefe jetzt aber sehr gut, und es gebe durchaus die Chance, die Renditeziele für 2026 zu übertreffen, so Kelleher.

Brennpunkt Naher Osten

Angesichts der Auswirkungen des Krieges zwischen Israel und der Hamas auf die gesamte Region ist Saudi-Arabien “äußerst besorgt” über die Sicherheit im Nahen Osten. Außenminister Prinz Faisal Bin Farhan bekräftigte in Davos, dass es einen Waffenstillstand im Gazastreifen geben müsse, um eine Lösung des zentralen Konflikts herbeizuführen. Die Angriffe der Huthi-Milizen im Jemen auf Handelsschiffe im Roten Meer müssten diplomatisch beendet werden. “Die Freiheit der Schifffahrt im Roten Meer geht uns alle an”, so der Prinz. Das Königreich sei bereit, Israel trotz des Krieges gegen die Hamas formell anzuerkennen, aber nur, wenn es Schritte in Richtung einer Zweistaatenlösung mit den Palästinensern unternehme. Nach einem Präventivschlag der USA auf Huthi-Raketenstellungen im Jemen standen heute Schifffahrtsaktien wie die von Hapag-Lloyd im Fokus. Israels Staatspräsident nimmt gemeinsam mit Familienangehörigen israelischer Geiseln, die von der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden, am Treffen in Davos teil, um den Druck für ihre Freilassung zu verstärken. Er werde “die führenden Politiker der Welt weiterhin klar und ausführlich über die von den Hamas-Terroristen begangenen Gräueltaten informieren”, so das Büro von Isaac Herzog.

Was sonst noch so passiert ist

  • Smartphone-Vermieter bekommt Geld

  • LBBW gibt Urlaub

  • Japan sucht Handelsveteranen

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