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Kontroverser Clip zurückgezogen: Wie Pepsi mit Kendall Jenner das Werbe-Eigentor des Jahres schoss

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Kendall Jenner mit einer Pepsi als Protestbrecher (Bild: Screenshot © PepsiCo / YouTube)

 

Es sollte der ganz große Augenblick von Reality TV-Star Kendall Jenner werden: Die Halbschwester von Kim Kardashian trat als erstes Model seit Cindy Crawford in einem Werbeclip für Pepsi auf. Doch es wurde ein kurzer Auftritt: Nach heftigen Social Media-Reaktionen stoppte der Getränkehersteller den Clip nach nur einem Tag.

Es klang nach einer Win-Win-Situation: Kendall Jenner, das Vorzeige-Model unter den Kardashians, trat für Pepsi vor die Kamera. Der Brausehersteller hat eine lange Tradition von Hochglanz-Werbeclips mit Stars aus der Popkultur – von Michael Jackson bis Beyoncé. Nach Cindy Crawford, die 1992 für Pepsi in lasziver Pose warb, war Jenner nun das erste Model, das die Ehre hatte, in einem Clip für den Getränkehersteller aufzutreten.

Dafür hatte Pepsi sich mit der Inhouse-Werbeagentur Creators League Studio ein ganz besonderes Storytelling ausgedacht. Kendall Jenner ist zunächst in typischer Pose zu sehnen – als Model bei einem Shooting.

Doch die Stimmung in den Straßen ist aufgeheizt. Eine Demonstration beginnt sich zu formieren. Jenner ist erkennbar abgelenkt und wird dann von einem Demonstranten ermuntert, ebenfalls teilzunehmen. Dann passiert es: Die 21-Jährige reißt ihre blonde Perücke ab und folgt, nun mit natürlich braunem Haar, den Demonstranten – dabei werden offenbar gewollte Erinnerungen an die „Black Lives Matter“-Proteste der vergangenen Jahre wach.

Kendall Jenner schlichtet einen Protest – mit einer Pepsi

Dann kommt Pepsi ins Spiel: Jenner greift sich eine gekühlte Pepsi-Dose und wagt sich mutig an die Spitze der Proteste vor. Es kommt zum hollywoodreifen Showdown: Kendall Jenner und ein Polizist stehen sich gegenüber. Und natürlich entschärft die 21-Jährige mit einer kalten Pepsi, die der Polizist glücklich trinkt, die Konfrontation – der Jubel ist groß und die Kardashian-Halbschwester die Heldin.

So weit, so absurd. In den sozialen Medien fiel der Clip gnadenlos durch – Jenner wurde nach einem vernichtenden Echo schnell zur Verliererin des Tages.


Doch es kam noch schlimmer: Was den opulent produzierten Clip, der es auf eine Laufzeit von zweieinhalb Minuten bringt, zum eigentlichen Fiasko für Pepsi macht, ist die politische Komponente.

Pepsi zieht Werbeclip zurück

Der nach Coca Cola zweitwertvollste Getränkehersteller der Welt habe in seiner Werbung versucht, politische Ereignisse wie die „Black Lives Matter“-Proteste oder den Women’s March nach der Amtseinführung von Donald Trump für sich zu vereinnahmen, so der häufig gehörte Vorwurf auf Twitter.


Zwar versuchte Pepsi in einem ersten Statement die positive Note seiner neuen Werbung herauszustellen: „Dies ist eine weltweite Kampagne, die betonen möchte, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft im Geist der Harmonie zueinander finden können. Wir glauben, dass dies eine wichtige Botschaft ist“, erklärte der Konsumgüterhersteller.

Doch die Botschaft kam nicht mehr an: Im Tagesverlauf zog Pepsi die Reißleine und nahm den Clip vom Netz. In einem weiteren Statement entschuldigte sich der 119 Jahre alte Traditionskonzern dann in aller Form für das Missverständnis.

„Pepsi hat versucht, eine weltweite Botschaft und Einigkeit, Frieden und Verständnis zu vermitteln. Wir haben jedoch eindeutig unser Ziel verfehlt und entschuldigen uns“, twitterte der Brauseriese. Die Werbung ist eingestellt, doch der Image-GAU wird Pepsi wohl noch eine Weile begleiten.