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„Keineswegs so trüb, wie viele meinen“ – Anleger zeigen Zuversicht

An den Märkten herrscht Hoffnung wegen der Handelsgespräche zwischen den USA und China. In der neuen Woche stehen Notenbanken-Protokolle im Fokus.

Angesichts eines übersichtlichen Terminkalenders zu Konjunkturdaten dürfte die aktuelle Stimmung auch in den kommenden Tagen tragen. Foto: dpa

Die Erleichterung über die konjunkturelle Entwicklung ist deutlich spürbar: Kaum ein Analyst, kaum ein Kommentator, ließ sich die Gelegenheit nehmen, darauf hinzuweisen, dass Deutschland nun gerade noch einmal einer technischen Rezession entgangen ist. 0,1 Prozent BIP-Wachstum im dritten Quartal wurden fast schon wie ein Befreiungsschlag gefeiert.

Der deutsche Leitindex Dax kletterte zum Wochenschluss auf 13.241 Punkte und ist nun nur noch 355 Zähler von seinem Allzeithoch bei 13.596 Punkten aus dem Januar 2018 entfernt. Nach positiven Signalen aus den Handelsgesprächen zwischen den USA und China kletterten die amerikanischen Aktienindizes auf neue Höchststände.

Rückenwind für die Märkte gibt es wohl von den weiterhin niedrigen Zinsen, den Firmenbilanzen und der Konjunktur. „Hier sieht es keineswegs so trüb aus, wie viele meinen. Das Wachstum hat sich in den großen Volkswirtschaften zwar abgeschwächt, stabilisiert sich aktuell aber klar oberhalb des Rezessionsniveaus“, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa von Blackrock.

Angesichts eines übersichtlichen Terminkalenders zu Konjunkturdaten dürfte die aktuelle Stimmung auch in den kommenden Tagen tragen. Erst am Freitag stehen mit Einkaufsmanagerindizes in Deutschland und Europa bedeutende Veröffentlichungen auf dem Plan. An diesem Tag kommen auch Daten zu Verbraucherpreisen in Japan. Für Aufsehen könnte auch die Bundesbank sorgen, wenn sie am Donnerstag ihren Finanzstabilitätsbericht vorlegt.

Interessant könnten unter der Woche noch die Protokolle der letzten Notenbanksitzungen werden. Die Fed veröffentlicht die Papiere am Mittwoch, die EZB am Donnerstag. Mit großen Überraschungen wird an den Märkten aber nicht gerechnet. Fed-Präsident Powell deutete zuletzt an, die Zinsen vorerst nicht weiter senken zu wollen und die EZB hatte jüngst ihre Geldpolitik wieder gelockert. Ein Kurswechsel ist zwar nicht zu erwarten, dennoch werden die Marktakteure genau hinhören, was die neue EZB-Chefin Christine Lagarde einen Tag später bei einer Rede in Frankfurt sagen wird.

Weder für die EZB, noch für die Fed werde in den kommenden zwölf Monaten mit einer nennenswerten Veränderung der Leitzinsen gerechnet, kommentiert Michael Leister, Analyst von der Commerzbank. Der Anstieg der Bund-Renditen in den vergangenen Wochen könne durch Hoffnungssignale beim Brexit und dem Handelskonflikt erklärt werden.

Opec-Treffen wirft Schatten voraus

Die Renditen von Anleihen bleiben insgesamt aber niedrig. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt derzeit bei -0,3 Prozent.

Letztlich aber bleibt die Unsicherheit – auch wenn Deutschland der technischen Rezession gerade noch entkommen konnte. 0,1 Prozent BIP-Wachstum sind nun einmal das, was 0,1 Prozent sind: mickrig. Die konjunkturelle Schwäche ist noch nicht ausgestanden, und schon gar nicht für die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.

Zumindest müssen Anleger ihren Blick auch jenseits der deutschen Grenzen richten. Dort jedenfalls verbuchen MDax- und Dax-Konzerne den Großteil ihrer Umsätze. Und hier verbleibt eine große Unsicherheit.

Sicher, Larry Kudlow, Wirtschaftsberater des US-Präsidenten Donald Trump, hat jüngst von „sehr konstruktiven Diskussionen“ mit China gesprochen. Die Stimmung sei ziemlich gut, ein Abkommen rücke näher. Derartiges hatte in den vergangenen Monaten schon mehrfach verlautet. Die Analysten der Commerzbank bleiben daher auch zurückhaltend: Ohne Hinweise auf Fortschritte in den Verhandlungen dürfte in den kommenden Tagen die Angst vor einer neuerlichen Eskalation des Konflikts sogar eher zunehmen.

China ist bekanntermaßen ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Unternehmen, nicht zuletzt für Autobauer. Die Wirtschaft in Fernost war zuletzt jedoch spürbar vom Handelskonflikt belastet. Die Investitionstätigkeit hat zuletzt nachgelassen, die Importe liegen deutlich unter dem Vorjahr und auch die Industrieproduktion ist zuletzt schwächer gewachsen.

Unsicherheit bleibt auch seitens des Brexit bestehen. Ein No-Deal-Brexit scheint vorerst vom Tisch zu sein, aber niemand kann seriös beantworten, ob er das auch wirklich ist.

Bewegung zeichnet sich an anderer Stellen ab: So wirft das Opec+-Treffen Anfang Dezember in Wien am Ölmarkt seine Schatten voraus. Der Ölpreis ist zuletzt zwar gestiegen – ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet wieder mehr als 60 Dollar. Doch für Anfang kommenden Jahres rechnen Experten erneut mit einem Überangebot. Denkbar, dass sich in den beiden Wochen zuvor nun Spekulationen über weitere Förderkürzungen des Ölkartells ergeben.